Zuger Velofahrer erhalten Rückenwind vom Bundesrat
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Velofahren in Zug soll sicherer werden. (Bild: zar)

Zweirad soll gefördert werden Zuger Velofahrer erhalten Rückenwind vom Bundesrat

4 min Lesezeit 1 Kommentar 31.05.2021, 12:00 Uhr

Der Bundesrat hat seine Botschaft zum Veloweggesetz verabschiedet. Stimmt das Parlament zu, werden Kantone und Gemeinde verpflichtet, bei der Förderung des Veloverkehrs entschieden vorwärtszumachen. Im Kanton Zug ist dies besonders nötig – auch wenn sich im vergangenen Jahr überraschend viel getan hat.

In der Verkehrspolitik und auf den Strassen ist ein Begriff seit über einem Jahr omnipräsent: der «Veloboom». Je länger die Pandemie unseren Alltag bestimmte, desto mehr gewann das Velo an Beliebtheit. Ein Ende des Trends ist derzeit nicht absehbar (zentralplus berichtete).

Kürzlich hat der Bundesrat die Botschaft zum neuen Bundesgesetz über die Velowege zuhanden des Parlaments verabschiedet. Kernstück des neuen Veloweggesetzes ist die Verpflichtung der Kantone zur Planung und Verwirklichung von Velowegnetzen.

Planung, Bau und Unterhalt der Velowege bleiben zwar auch unter dem neuen Gesetz Aufgaben der Kantone und Gemeinden. Der Bundesrat schlägt dazu eine Planungsfrist von fünf Jahren und eine Umsetzungsfrist von 20 Jahren vor. Nun muss das Parlament über die Botschaft befinden.

Schwachstellenkatalog brachte Ball ins Rollen

Das Kernanliegen des neuen Gesetzes – der systematische Ausbau eines sicheren und effizienten Velowegnetzes – ist gerade auch in Zug ein brandaktuelles Thema. Im Kanton, der eher für seine hohe Dichte an Autos als für seine Velofreundlichkeit bekannt ist, hat sich im vergangenen Jahr einiges getan. Das meiste davon geht auf einen Schwachstellenkatalog zurück, den Pro Velo Zug erstellt hat (zentralplus berichtete).

Der Katalog von Pro Velo enthält mögliche Lösungsansätze zu den rund 60 identifizierten Schwachstellen. Das Werk wurde in der lokalen Politik aufgenommen und stiess danach auch bei der kantonalen Baudirektion auf Interesse. So startete der Kanton 2020 mit der Überprüfung des gesamten kantonalen Velonetzes. Dieses besteht heute aus rund 255 Kilometern an separaten Velowegen, Velostreifen oder Strassen für den gemischten Verkehr.

Ziel der Analyse ist es, Schwachstellen zu analysieren und entsprechende Gegenmassnahmen aufzuzeigen. Zudem prüft der Bund derzeit noch, ob sich entlang der Autobahn N14, zwischen Baar und Steinhausen, eine Veloschnellstrasse realisieren lassen könnte (zentralplus berichtete).

Bericht liegt vor

Laut dem Zuger Baudirektor Florian Weber (FDP) ist die Überprüfung von Zugs Velonetz mittlerweile abgeschlossen worden, wie er auf Anfrage von zentralplus bestätigt: «Die Überprüfung startete im Frühling 2020 und wurde im April 2021 mit dem Bericht ‹Kantonale Velonetzplanung› fertiggestellt.» Dieser Bericht befinde sich noch bis 15. Juni 2021 in der Vernehmlassung bei den Zuger Gemeinen und weiteren Fachstellen.

Gemäss Weber beinhaltet der Bericht im Wesentlichen die Ziele der kantonalen Veloförderung, eine Netzkategorisierung, ein überarbeitetes Velonetz für den Alltagsverkehr, neue Ausbaustandards und eine Schwachstellenanalyse. «Konkretere Aussagen können nicht vor der Verarbeitung der Stellungnahmen zur laufenden Vernehmlassung gemacht werden», fügt der Regierungsrat hinzu.

«Es bleibt abzuwarten, ob die bisherigen Bemühungen sich letztlich auch in politische Mehrheiten niederschlagen.»

Victor Zoller, Copräsident von Pro Velo Zug

«Es sind vielversprechende Signale und auf dem Papier ist die Bearbeitung unseres Schwachstellenkatalogs gut unterwegs», sagt Victor Zoller, Copräsident von Pro Velo Zug. Euphorisch ist er deshalb aber noch nicht: «Es bleibt abzuwarten, ob die bisherigen Bemühungen sich letztlich auch in politischen Mehrheiten niederschlagen.»

Die hehre Absicht, das Zuger Velonetz zu verbessern, sei das eine. Die mit Kosten und absehbaren verkehrspolitischen Konflikten verbundene Umsetzung jedoch sei eine andere Sache. «Ich bin noch einigermassen skeptisch, was unter dem Strich übrig bleibt und tatsächlich realisiert werden kann», gesteht Zoller. Er würdigt jedoch die Tatsache, dass die Verbesserung des Zuger Velonetzes auch Eingang ins neue Mobilitätskonzept gefunden hat. Anfang nächsten Jahres soll der Zuger Kantonsrat über eine Richtplanänderung entscheiden, welche auch das Mobilitätskonzept enthält.

Wurzeln des Trends liegen Jahre zurück

Der neue Trend zu mehr Veloverkehr hat im Zuge der Coronakrise zwar zügig an Fahrt gewonnen, begonnen hat er aber schon Jahre vorher. Um den Veloverkehr aufzuwerten, lancierten mehrere Parteien und Verbände 2015 die Veloinitiative. Diese zielte darauf ab, in der Verfassung eine Förderpflicht für den Bund zu verankern.

Dies ging dem Bundesrat zu weit und stattdessen wurde ein direkter Gegenentwurf vorgeschlagen. Dieser gibt dem Bund die Möglichkeit, Velowege zu unterstützen und stellt diese künftig rechtlich mit den Fuss- und Wanderwegen gleich. Die Veloinitiative wurde in der Folge zurückgezogen und der entsprechende Bundesbeschluss 2018 vom Volk mit beinahe 75 Prozent Jastimmen angenommen. Daraus resultierte das Veloweggesetz, welches das Bundesparlament nun noch absegnen muss.

Mehr Velos, mehr Unfälle

Der Bundesrat will mit dem neuen Gesetz qualitativ bessere und damit auch sicherere Velowege erwirken. Das neue Gesetz kommt so gesehen keine Minute zu früh. Die steigende Zahl an Velofahrer und Velofahrerinnen hat in der Konsequenz auch mehr Unfälle mit Velos und E-Bikes zur Folge. Schweizweit wurden 2020 über 1400 schwerverletzte Velo- und E-Bikefahrer registriert (zentralplus berichtete).

Die Zuger Polizeistatistik registrierte im Jahr 2020 insgesamt 31 Unfälle mit Elektrofahrrädern und 92 mit Fahrrädern. Das hält sich mit den Zahlen des Vorjahres in etwa die Waage, deutet aber auch nicht auf eine Verbesserung hin. Im Rahmen der laufenden Ortsplanungsrevision forderten dies zumindest die Stadtzuger klar und deutlich – und zwar durch sicherere Velowege und ein überregionales Velowegkonzept (zentralplus berichtete).

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1 Kommentare
  1. Carole Meili, 31.05.2021, 23:42 Uhr

    Die E-Bikes sollten endlich von den Radwegen gesetzlich ferngehalten werden. Motor bleibt Motor, ob Strom oder Benzin. Motorfahrzeuge gehören auf die Strasse. Die Radwege würden massiv entlastet; dadurch wäre die gemeinsame Nutzung durch Velofahrer, Fussgänger und Inlineskater, die heute vielerorts nicht funktioniert und gefährlich ist, besser organisierbar.

    Bevor man neue Velowege baut, was an vielen Orten gar nicht möglich ist (z.B. am See in Oberwil und Walchwil), sollten die chaotischen Zustände auf den Radwegen, insbesondere an Wochenenden, verbessert werden. Heute erheben die verschiedensten Gruppen Anspruch auf die Benutzung, was unweigerlich zu Konflikten führt. Der Gesetzgeber schaut untätig zu.

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