Zuger Trader sind am häufigsten auf Jobsuche
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Der Grosshandel ist die Branche mit den meisten Stellen im Kanton Zug, daher stellt sie auch die meisten Arbeitslose. (Bild: Adobe Stock)

Wie sich Corona auf die Arbeitslosigkeit auswirkt Zuger Trader sind am häufigsten auf Jobsuche

4 min Lesezeit 22.08.2021, 11:55 Uhr

Die Pandemie hat Beizern und Gastroangestellten hart zugesetzt. Das spiegelt sich aber überhaupt nicht in den jüngsten Arbeitslosenzahlen aus dem Kanton Zug. Auch im Pflege- und Gesundheitsbereich zeigt sich ein überraschender Befund.

Satte 20 Prozent der momentan 1670 registrierten Arbeitslosen im Kanton Zug arbeiteten vor ihrem Jobverlust im Handel – also jede fünfte Person, die im Juli Arbeitslosengelder in Anspruch nahm. Gut 5 Prozent war im Detailhandel tätig, 14,4 Prozent oder 241 Personen sind «Trader» – oder mindestens Angestellte aus dem Grosshandel. Die Leute, welche in den für Zug so wichtigen Unternehmen tätig waren, führen die Arbeitslosenstatistik mit Abstand an.

Hingegen hat die durch die Pandemie und die beiden Lockdowns arg gebeutelte Gastronomie, in der Betriebe aufgaben und wo auch Stellen verloren gingen, weit weniger Stellensuchende freigesetzt. Lediglich 101 Personen aus dem Gastgewerbe sind derzeit im Kanton Zug am «Stempeln».

Mangel an geschultem Gastropersonal

Dies habe man beim Branchenverband zwar auch vernommen, sagt Barbara Schneider, Präsidentin von Gastro Zug. «Jedoch ist es für Gastwirtschaftsbetriebe im Moment sehr schwierig, geschultes Personal finden», sagt sie. Das Problem habe sich indes schon vor Corona abgezeichnet. Insbesondere gute Köche sind offenbar Mangelware.

Zu wenig Köche, aber zu viele Trader – was ist los im Kanton Zug? Hat unbemerkt ein internationaler Konzern einen Einbruch erlitten oder ist der Rohwarenhandel in die Krise geraten?

Grösste Branche

«Der Grosshandel ist den internationalen Konjunkturzyklen unterworfen», sagt dazu Bernhard Neidhart, der Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit in Zug. Die vielen Stellensuchenden erklärten sich aus der grossen Bedeutung der Branche für den Kanton Zug. «14 Prozent aller Arbeitsstellen sind im Grosshandel angesiedelt.» Anteilsmässig ist die Branche also bei den Arbeitslosen angemessen vertreten.

Die Aufschlüsselung der registrierten Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen, welche das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) jeweils vornimmt, liefert noch einen weiteren überraschenden Befund. Denn die drittgrösste Arbeitslosengruppe nach den Tradern und den Spezialdienstleistern aus verschiedenen Technik- und Wissenschaftsbereichen sind Leute aus der Pflege und der Gesundheit. 117 Leute aus dieser Branche beziehen Arbeitslosengelder, mehr als im Bau, im Gastgewerbe und mehr als in der Elektrotechnik, die im Kanton Zug mit Siemens Gebäudetechnik oder V-Zug relativ bedeutend ist.

Über 100 Pflegekräfte ohne Job

Wie passt das mit der Corona-Krise zusammen, wo sich Heimleiter sorgen, wenn sie infiziertes Personal ersetzen müssen? Wo landauf, landab geklagt wird, dass man Spitalkapazitäten wegen Personalmangels nicht erhöhen könne?

«Man muss hier unterscheiden», sagt Bernhard Neidhart. «Bereits vor der Corona-Krise war es schwierig, etwa Pflegefachleute HF oder FH zu rekrutieren.» Neidhard spricht hier von Berufen, die im Volksmund zwar immer noch als «Krankenschwester» bezeichnet werden, die aber nach drei oder vier Jahren Grundausbildung an einer Fachhochschule studiert werden.

Im Gegensatz dazu stehe man auf Stufe Fachfrau oder Fachmann Gesundheit (FaGe), wo die Ausbildung zwei oder drei Jahre dauert, gar nicht so schlecht da. Dort sei meist genügend Personal verfügbar, so Neidhart.

Unbeständige Situation für Spezialisten

Fassen wir also zusammen: Überraschenderweise bilden in Zeiten von Corona in Zug die oftmals gut bezahlten Trader die grösste Arbeitslosengruppe. Es gibt seltsamerweise relativ viele Leute aus Gesundheits- und Pflegeberufen, die keinen Job haben, aber weniger Gastronomieangestellte, als man vielleicht annehmen würde.

Daneben folgt Corona in Bezug auf den Arbeitsmarkt den Regeln jeder anderen Krise. Beispielsweise erklärt sich daraus die hohe Zahl von 194 Arbeitslosen aus dem «freiberuflichen, technischen und wissenschaftlichen» Wirtschaftszweig. Dies ist eine in Zug relativ wichtige Branche aus spezialisierten Ingenieuren und Wissenschaftlern, welche oft projektbezogen oder vorübergehend angestellt arbeiten. Stottert der Wirtschaftsmotor und bleiben Aufträge aus, sind sie relativ schnell arbeitslos. In Zeiten des Aufschwungs finden sie aber auch schnell wieder Jobs.

Doppelt so viele Langzeitarbeitslose

Ganz anders sieht es mit den Langzeitarbeitslosen aus. Ihre Zahl steigt unaufhörlich. Vor einem Jahr etwa waren 199 Leute über ein Jahr ohne Job und galten als langzeitarbeitslos. Nun sind es 419 – also mehr als doppelt so viel.

Betroffen sind besonders die 50- bis 65-Jährigen. In dieser Gruppe bleiben die Arbeitslosenzahlen derzeit ziemlich stabil, obwohl sie in anderen Jahren jeweils saisonbedingt zurückgehen.

Die Rahmenfrist macht’s möglich

«Bereits vor Corona haben wir beobachtet, dass jüngere Leute in Krisen schneller ihren Job verloren, aber auch relativ schnell wieder eine Stelle gefunden haben», sagt Bernhard Neidhart. Ältere Arbeitnehmer könnten ihre Stelle zwar in der Regel länger behalten. «Verlieren sie diese, ist es aber für sie meist schwieriger, eine neue Arbeit zu finden», so Neidhart. Dies sei auch im Moment zu beobachten.

Ausserdem habe der Bundesrat die Rahmenfrist, die zum Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung berechtigt, mehrfach verlängert. Ebendies führe nun dazu, dass immer mehr Leute bereits über ein Jahr lang arbeitslos sind.

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