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Zuger Taxi-App soll die Branche retten
  • Gesellschaft
Die Taxi-Schlange beim Zuger Bahnhof: Die Konkurrenz ist gross, die Wartezeiten lang. (Bild: lha)

Taxis bleiben aber trotzdem teuer Zuger Taxi-App soll die Branche retten

4 min Lesezeit 2 Kommentare 19.02.2017, 11:47 Uhr

Eine Zuger Firma will mit einer neuen Internetplattform die Taxibranche revolutionieren. Die Zuger Chauffeure reagieren gelangweilt, denn: Neu ist der Dienst nicht und das Problem der Branche liegt eigentlich woanders.

Tuttitaxi heisst die Plattform einer Zuger Firma, die das Taxigeschäft revolutionieren soll. Dabei würden alle gewinnen, ist Inhaber Antonio Muzzi der Meinung: Kunden fänden durch Tuttitaxi leichter ein freies Taxi und Taxifahrer bekommen mehr Kunden. «Die Anfragen von Taxifahrern überschwemmen uns regelrecht», erzählt er. Doch die Begeisterung über die Plattform ist bei den Zuger Taxichauffeuren um einiges gedämpfter. In einem Punkt sind sich aber alle einig.

«Die Problematik wurde von Uber ausgelöst», erzählt Antonio Muzzi vom Anfang seiner Idee zur neuen Plattform. Und hätten die Fahrer am Zuger Bahnhof hier mitgehört, sie würden beifällig nicken.

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Uber, das ist die App, die es Privaten ermöglicht, wie ein Taxifahrer Geld zu verdienen: Der Kunde ruft auf der App ein «Uber», der nächste Fahrer bekommt eine Nachricht und fährt den Kunden dahin, wo auch immer er hinwill. Abgerechnet wird per Kreditkarte über die App zu einem Spottpreis. Mit dieser Konkurrenz haben die Taxis weltweit und auch in Zug zu kämpfen: Seit einiger Zeit sind Uber-Fahrer auch in Zug aktiv.

Ganz nach oben für 150 Franken

Nun will Antonio Muzzi mit Tuttitaxi der Branche aus der Misere helfen. «Die Plattform zeigt alle Taxiunternehmen in der jeweiligen Region an, der Kunde muss dann nur noch anrufen.» Doch gratis ist auch dieser Dienst nicht. Jedenfalls für die Fahrer, denn will man als Taxi ganz oben in dieser Liste stehen, kostet das 150 Franken pro Monat. Ist das die Revolution für die Taxibranche?

Nein, finden Zuger Taxifahrer. «Wir machen schon viel Werbung, über search.ch oder local.ch beispielsweise», erzählt ein junger Chauffeur beim Standplatz am Zuger Bahnhof. «Da zahlt man ungefähr dreissig Franken und ist dabei.» Einfach dabei heisst aber noch nicht ganz oben, im Gegensatz zu den 150 Franken, die den eigenen Eintrag bei Tuttitaxi ganz nach oben katapultieren.

Ob sich die Investition aber auch in baren Fahrten auszahlt, sei erstmal von der Reichweite der Plattform abhängig, sagt Sven Sattler von Taxi Keiser Zug. «Wenn Tuttitaxi einmal bekannter ist als local.ch oder search.ch, dann macht ein Wechsel sicher Sinn», überlegt Sven Sattler. Bis dahin aber gibt sich der Taxiunternehmer vorsichtig. Und wartet lieber auf eine revolutionärere Technik: «Es gibt die App ‹go!›, die nicht bloss ein spezielles Telefonbuch ist, sondern tatsächlich Fahrten vermittelt. Wenn diese nach Zug kommt, dann machen wir da sicher mit.»

Ein Zuger Taxifahrer hat uns seinen Monatsverdienst vorgerechnet

Taxifahrer müssen scharf rechnen, die Konkurrenz durch Uber trifft die Branche deshalb besonders schmerzhaft. Wenn Fahrten über die Uber-App für die Hälfte des Preises von normalen Taxis möglich sind, wirken die happigen Preise von regulären Anbietern gleich noch teurer. Uber-Fahrer sind jedoch häufig Privatpersonen, die einen Grossteil der normalen Taxikosten umgehen.

Ein Zuger Taxifahrer hat uns seinen Monatsverdienst vorgerechnet. «Der Standplatz am Bahnhof Zug kostet im Jahr 780 Franken», zählt der Fahrer auf. Die Stadtverwaltung gibt ihm recht. Für Hybride und Elektroautos gäbe es allerdings einen Rabatt: E-Taxis kostet der Standplatz bloss 390 Franken, für Hybriden schlägt er mit 585 Franken jährlich zu Buche. Doch das ist noch nicht alles: «Zu den Standplätzen kommt noch die Versicherung. Früher zahlte ich zirka 1700 Franken, heute etwa 2400 Franken.» 

Wie nachhaltig ist Uber?

Plus natürlich Abgaben für Sozialversicherungen, AHV, ALV. «Das Risiko ist halt einfach hoch, man macht so viele Kilometer im Jahr.» Wenn man das alles zusammenrechne, brauche man einen monatlichen Umsatz von ungefähr 7’000 Franken, um auf einen Lohn von zirka 4’000 Franken zu kommen. «Und so viele Fahrten gibt es dann auch nicht, wenn man vier Fahrten pro Tag hat, dann ist das schon gut.» Die Schulaufgabe zum Schluss: 7’000 Franken durch achtzig Fahrten pro Monat macht 87.50 pro Fahrt. Uber-Fahrer machen’s für einen Bruchteil.

Doch diese Kosten stimmen Sven Sattler von Taxi Keiser eher positiv für die Zukunft: «Die Frage ist, wann die Uber-Fahrer merken, dass auch sie nicht mit einem derart tiefen Preis existieren können. Die kochen ja auch nur mit Wasser.»

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2 Kommentare
  1. Lionel Hausheer, 20.02.2017, 09:55 Uhr

    Stimmt! Danke vielmals. Zwar investiert Google Millionen in die App und arbeitet sehr eng mit Uber zusammen, zur Alphabeth Inc. gehört sie aber nicht.

  2. Pascal Zemp, 19.02.2017, 12:25 Uhr

    Uber ist doch nicht von Google …