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Zuger Stadtbahn wird zur Musikbahn
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Ein Erfolgsmodell des öffentlichen Zuger Nahverkehrs: Die Stadtbahn. (Bild: SBB )

Wo Kultur während Casino-Schliessung stattfindet Zuger Stadtbahn wird zur Musikbahn

4 min Lesezeit 08.02.2016, 17:35 Uhr

Im Juni 2016 beginnt die Sanierung des Zuger Kulturhauses. Die Suche nach alternativen Standorten war nicht einfach: Das Projekt eines Kulturbetriebs in der «Papieri» in Cham scheiterte am Brandschutz. Stattdessen werden nun Aufführungen in ungewohnter Umgebung stattfinden.

Während der 14-monatigen Schliessung des Casinos müssen die Zuger nicht auf das kulturelle Angebot verzichten, betont Samuel Steinemann, der Intendant der Theater- und Musikgesellschaft Zug. Musik, Comedy, Theater und Tanz werden in der Schliessungszeit an anderen Standorten stattfinden.

Projekt gestorben

Allerdings nicht am «Traumort» der Veranstalter. Im November sprach zentral+ mit Steinemann und Johannes Stöckli, dem Präsidenten der Theater- und Musikgesellschaft, über die Standortsuche (der zentral+-Beitrag). Ihnen schwebte damals vor, eine Fabrikhalle der stillgelegten Papierfabrik in Cham als Veranstaltungsort zu nutzen. Daraus wird nun aber definitiv nichts, das Projekt wurde gestoppt.

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Samuel Steinemann: «Wir haben uns die Finger verbrannt an den Brandschutzbestimmungen. Wir beauftragten einen Brandschutzexperten, sich das Ganze einmal anzuschauen und ein Konzept zu erarbeiten, das wir dann bei der kantonalen Gebäudeversicherung eingereicht hätten», so Steinemann. Doch dazu kam es gar nicht. «Durch die Abklärungen des Experten wurde klar, dass das Projekt so nicht realisierbar war.»

«Wir haben uns die Finger verbrannt an den Brandschutzbestimmungen.»
Samuel Steinemann, Intendant der Theater- und Musikgesellschaft Zug

Rund eine Million Franken

Das Fazit des Experten: Um die Fabrikhalle öffentlich nutzbar und brandsicher zu machen, wären Aufwendungen von rund einer Million Franken nötig. Es braucht zum Beispiel eine Sprinkleranlage. Weder die Eigentümer noch die Theater- und Musikgesellschaft konnten diese Kosten aber übernehmen, zumal die Zwischennutzung ja nur sieben Monate gedauert hätte.

Nutzung offen

«Wir bedauern das sehr», sagt Andreas Friederich, Leiter Immobilien der Cham Paper Group. Die Eigentümer der Papierfabrik seien interessiert gewesen, die Halle «PM1» und den «Kalandersaal» temporär für eine kulturelle Zwischennutzung zur Verfügung zu stellen. Man habe mit den Zuger Kulturverantwortlichen intensiv zusammengearbeitet. «Am Schluss ist das Projekt aber an den hohen Mehrkosten wegen gesetzlicher und behördlicher Auflagen gescheitert», sagt Friederich. Wofür die Halle künftig gebraucht werden soll, sei völlig offen. «Vielleicht finden wir jemanden, der den Raum für eine gewerbliche Nutzung einrichten oder Lagerflächen mieten möchte.»

zentral+ wollte wissen, warum die Cham Paper Group den Raum nicht auf ihre Kosten brandsicher einrichten konnte. «Bei den Mehrkosten hätte es sich um Investitionen in Millionenhöhe gehandelt, welche zum heutigen Zeitpunkt nicht zu rechtfertigen wären», sagt Andreas Friederich.

«Am Schluss ist das Projekt an den gesetzlichen und behördlichen Auflagen gescheitert.»
Andreas Friederich, Cham Paper Group

Plan B: Kultur bleibt in Stadt Zug

Die Kulturverantwortlichen des Theater Casinos haben nach dem Projektstopp ihren «Plan B» aus der Schublade gezogen: Die Kulturanlässe werden dezentral an verschiedenen Standorten stattfinden und damit in der Stadt bleiben. Die Theater- und Musikgesellschaft (TMG) hat sieben bis zehn Räumlichkeiten in Zug im Auge. Einige sind schon fix, bei anderen steht man kurz vor einer Bestätigung respektive dem Vertragsabschluss.

Die Shedhalle an der Hofstrasse wird in einen Kulturtempel umgewandelt, wo Konzerte, Comedy und Tanz-Events über die Bühne gehen.

Die Shedhalle an der Hofstrasse wird in einen Kulturtempel umgewandelt, wo Konzerte, Comedy und Tanz-Events über die Bühne gehen.

(Bild: mbe.)

«Shedhalle soll ein Bijou werden»

Die Shedhalle wird die neue Heimat des Casinos für alle Veranstaltungen zwischen Dezember 2016 und März 2017. «Wir werden ein wahres Bijou daraus machen, etwas ganz Besonders», sagt der Intendant. Neben einer Bühne mit Tribüne sind ein kleines Bistro und eine Lounge geplant. Kammermusik- und Jazzkonzerte, Comedy und einfachere Tanz-Events wie ein Flamencoabend sollen in der Shedhalle stattfinden.

Weitere Veranstaltungsorte sind die Chollerhalle sowie möglicherweise eine grosse Autogarage und eine Produktionshalle in einer Zuger Fabrik. Da diese noch nicht hundertprozentig bestätigt sind, will Steinemann noch keine Namen bekannt geben. Die klassischen Orchesterkonzerte können in der katholischen Kirche St. Johannes im Hertiquartier stattfinden.

Stadtbahn wird zur Musikbahn

Zu den «verrückteren» Veranstaltungsorten zählt die Stadtbahn Zug. In dieser werden einzelne Konzerte stattfinden. «Die Bahn wird im Schritttempo zwischen Zug und Walchwil fahren, mit den Musikern und dem Publikum an Bord.» Wer sich fragt, wie das funktionieren soll im laufenden Betrieb: Auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2016 werden zwischen Walchwil und Arth-Goldau die Gleise ersetzt, die Strecke wird in dieser Zeit stillgelegt. Zwischen Zug und Walchwil kann die Bahn jedoch weiterhin fahren. Es wird also – nach SBB-Betriebsschluss – eine Zuger Musikbahn werden. Laut dem Intendanten hat das Theater Casino eine Offerte der SBB erhalten und im März soll eine musikalische Testfahrt in der Stadtbahn stattfinden.

Finanzieller Hosenlupf

Zum finanziellen Rahmen sagt Samuel Steinemann, auch ohne das «Papieri»-Projekt werde die Saison 2016/17 teuer. «Wir rechnen mit Mehrkosten von maximal einer halben Million Franken. Für einen Teil davon haben wir Rückstellungen vorgenommen», sagt er. In nächster Zeit werde man das Gespräch mit möglichen Sponsoringpartnern, Institutionen und Zuger Unternehmen intensivieren.

«Die Saison 2016/17 wird einzigartig.»
Samuel Steinemann

«Die Finanzierung ist eine riesige Herausforderung, bietet aber auch tolle Möglichkeiten für Sponsoren. Schliesslich wird die Saison 2016/17 absolut einzigartig sein. Ich bin optimistisch und freue mich auf die erfrischende Zeit.» Er betrachte die nächste Saison als Chance, Zugern, welche das Theater Casino noch wenig kennen, Kultur auf experimentelle und kreative Art näherzubringen.

Die Saison-Präsentation, ein beliebter gesellschaftlicher Anlass für kulturinteressierte Zugerinnen und Zuger, wird bereits nicht mehr im Theater Casino stattfinden. Der Ort wird noch abgeklärt.

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