Zuger Staatsanwaltschaft verurteilt Grapscher-Chef
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Zwei junge Frauen wurden von ihrem Chef sexuell belästigt. (Bild: Adobe Stock)

Praktikantinnen sexuell belästigt Zuger Staatsanwaltschaft verurteilt Grapscher-Chef

4 min Lesezeit 20.07.2021, 20:00 Uhr

Der Geschäftsführer einer Zuger Wirtschaftsfirma hat seine Machtposition ausgenutzt. Zwei Praktikantinnen hat er 2018 mehrfach an Knie, Oberschenkel und Brüste gefasst. Die beiden setzten sich zur Wehr – erfolgreich.

Wegen sexueller Belästigung von zwei Praktikantinnen hat die Zuger Staatsanwaltschaft einen Zuger Geschäftsmann zu einer Busse von 600 Franken verurteilt.

Die jungen Frauen arbeiteten im August 2018 temporär am Empfang des Zuger Unternehmens, das anderen Firmen den lästigen Bürokram abnimmt. Dem Chef – ein damals 53-jähriger Mann – fehlte jede Distanz zu seinen Mitarbeiterinnen. Das zeigte sich schnell.

Ein Kuss zum Feierabend

Als die beiden dort arbeiteten, fasste er der 18- und der 19-Jährigen mehrfach an die Knie und die Oberschenkel. Den Frauen war das unangenehm. Und die Übergriffe wurden immer intensiver. Eines Nachmittags ging der Chef von hinten an eine der Praktikantinnen heran und umschlang sie mit beiden Armen unter der Brust. Dann hob er sie hoch, wodurch seine Arme nach oben rutschten und die Brüste der Frau hochhoben.

Als dann Feierabend war und sich die Mitarbeiterinnen verabschieden wollten, zog der Chef eine der Frauen an sich, umarmte sie und küsste sie auf die Stirn. «Damit nahm er zumindest in Kauf, dass sich die beiden Frauen durch seine Handlungen belästigt fühlten», findet die Staatsanwaltschaft.

Knapp drei Jahre nach dem Vorfall ist der Strafbefehl gegen den Mann nun rechtkräftig geworden. Der Geschäftsmann hatte diesen angefochten. Die beiden Frauen fordern eine Genugtuung von je 1000 Franken – müssten diese aber auf dem Zivilweg einklagen.

Tipps vom Kanton Zug

Der Fall zeigt: Chefs, die ihre Mitarbeiterinnen belästigen, müssen mit Konsequenzen rechnen. Sie bringen die Betroffenen damit in eine sehr schwierige Lage. Wie sollen sie reagieren? Wie können sie sich zur Wehr setzen?

Der Kanton Zug hat einen Leitfaden für Menschen erabeitet, die am Arbeitsplatz sexuell belästigt werden. Ob die Tipps hilfreich sind, ist eine andere Frage.

  • Versuchen Sie trotz der Wut über die erlebten Angriffe und Verletzungen, überlegt und gezielt die notwendigen Schritte anzugehen. Es ist entscheidend, dass Sie den Entschluss fassen, sich die Belästigungen nicht weiter gefallen zu lassen.
  • Nehmen Sie weiterhin Ihre täglichen Aufgaben im Betrieb nach bestem Wissen und Gewissen wahr. So bieten Sie keine Angriffsfläche, was Ihre Arbeitsleistung oder Ihr Verhalten betrifft. Falls Ihr gesundheitlicher Zustand dies nicht mehr zulässt, lassen Sie sich vorübergehend krankschreiben, um wieder zu Kräften zu kommen.
  • Wenn Sie dazu in der Lage sind und die Situation nicht zu heikel ist, suchen Sie das Gespräch mit der Konfliktpartnerin oder dem Konfliktpartner. Bereiten Sie das Gespräch gut vor und führen Sie ein Gespräch unter vier Augen. Sprechen Sie die Probleme offen an. Sagen Sie eindeutig, was Sie stört und welches Verhalten Sie in Zukunft nicht mehr akzeptieren werden. Erklären Sie auch, was das Verhalten in Ihnen auslöst (Ichbotschaften). Schauen Sie Ihre Gesprächspartnerin oder Ihren Gesprächspartner an, wenn Sie reden und achten Sie auf Ihre eigene Körpersprache. Verhandeln Sie als Partnerin respektive Partner und nicht als Opfer.
  • Falls Sie dazu nicht in der Lage sind oder die Aussprache nicht zum Erfolg führt, wenden Sie sich an die nächsthöhere Stelle. Handelt es sich dabei jedoch um die belästigende Person, so wenden Sie sich an die Personalabteilung oder an die übergeordnete Stelle. Bereiten Sie dieses Gespräch gut vor. Haben Sie sich Notizen über Vorfälle gemacht, so nehmen Sie Kopien davon mit und schildern Sie auf ruhige, sachliche und glaubwürdige Art, was Ihnen widerfahren ist.

Hilfe bieten Betroffenen zudem die Beratungen die Fachstelle eff-zett.

Wie ist dieser Artikel entstanden?

In der Schweiz gilt die Justizöffentlichkeit. Das heisst: Urteile sind grundsätzlich öffentlich und können von interessierten Personen und Journalistinnen eingesehen werden. Das gilt auch für rechtskräftige Strafbefehle wie denjenigen, der diesem Bericht zugrunde liegt.

zentralplus sieht regelmässig jeden Monat Strafbefehle der Zuger Staatsanwaltschaft ein, um über deren Arbeit zu berichten und so Transparenz zu schaffen, wie die Justiz funktioniert. Als Medium sind wir dabei verpflichtet, die Personen so weit zu anonymisieren, dass die breite Öffentlichkeit keine Rückschlüsse ziehen kann, um wen es sich handelt. Weitere Artikel dieser Serie findest du hier.

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