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Zuger Sportler möchten spielen – aber wer schliesst ihnen die Turnhalle auf?
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Für den LK Zug Volleyball ist die Kanti Zug Trainings- und Spielstätte. (Bild: Marlis Stocker)

Geld für Abwart an der Kanti Zug fehlt Zuger Sportler möchten spielen – aber wer schliesst ihnen die Turnhalle auf?

4 min Lesezeit 1 Kommentar 19.07.2017, 17:11 Uhr

Zuger Vereine trainieren und spielen abends und an Wochenenden in den fünf Turnhallen der Kanti Zug. Dummerweise fehlt bald ein Abwart, der ihnen die Tür aufsperrt, denn die Kanti musste Stellen einsparen. Die Zuger Regierung will die Turnhallen für die Bevölkerung unbedingt offen halten, weiss aber noch nicht, wie.

Städte, in denen Bibliotheken oder Schwimmbäder geschlossen werden, weil das Geld für den Betrieb fehlt – das kannte man bisher vor allem aus Deutschland. Nun spürt aber auch das reiche Zug die Auswirkungen von rigider Sparpolitik. Genauer: Zuger Vereine, welche die Turnhallen der Kantonsschule Zug an Abenden, Wochenenden und in den Ferien mieten wollen.

Was bisher kein Problem war, ging plötzlich nicht mehr. Im Juni wurden mehrere Anfragen fürs kommende Jahr abgelehnt – mit Verweis auf die fehlenden Ressourcen beim Hausdienst. Das brachte viele Volleyballer und Unihockey-Spieler gewaltig ins Schwitzen – ohne dass sie sich dafür nur einen Schritt bewegt hätten. Denn in Sportvereinen wird mindestens eine ganze Saison vorausgeplant und diese Spielzeiten entsprechen oft nicht dem Schul- oder Kalenderjahr.

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Junge Politikerin stellt Fragen

Die Oberägerer CVP-Kantonsrätin Laura Dittli wollte darauf vom Zuger Regierungsrat wissen, warum die Turnhallen ab nächstem Jahr für die Zuger Vereine nicht mehr zur Verfügung stehen und wie viel Geld denn genau fehle, damit die Vereine die Hallen trotzdem benützen könnten. 

Die Hallen der Kanti Zug sind zum Beispiel für den LK Zug Volleyball Trainings- und Spielstätte.

Die Hallen der Kanti Zug sind zum Beispiel für den LK Zug Volleyball Trainings- und Spielstätte.

(Bild: mam)

Die Kantonsschule Zug verfügt heute über fünf Turnhallen, einen Kraft- und einen Gymnastikraum. Ausserdem einen Kunstrasenplatz und zwei Sandplätze für Beachvolleyball und Beachsoccer. 2019 soll eine Dreifachturnhalle hinzukommen. Diese kostet 18,7 Millionen Franken und befindet sich derzeit im Bau. 

Lösungen müssen her

Am Mittwoch wurde die Antwort der Zuger Regierung auf Laura Dittlis parlamentarische Anfrage öffentlich. Demnach haben sich die kantonale Verwaltung und die Kanti im vergangenen Monat zusammengerauft. Mittlerweile sei sichergestellt, «dass bis zum Ende des Schuljahres 2017/18 den Vereinen der bisherige Umfang an Sporthallennutzung angeboten wird», schreibt der Regierungsrat. In der Tat zeigt der Belegungsplan fürs kommende Schuljahr, dass die Hallen schon wieder restlos belegt sind. Einzig die Sandplätze und der Gymnastik- und Kraftraum sind zu einzelnen Zeiten noch frei.

Ab 2018 aber wird das Problem schlimm. Zwar ist die Zuger Regierung wild entschlossen, den Zuger Vereinen auch künftig die Benutzung der Turnhallen zu ermöglichen. Ein Abwart – respektive das Geld für seine Anwesenheit – muss aber erst noch gefunden werden. Gemäss Zuger Regierung sollen Bildungsdirektion und Kantonsschule nun an Modellen tüfteln, wie die Hallen trotzdem öffentlich genutzt werden können, «ohne dass der Schulbetrieb zu stark darunter leidet».

Selber Abwart spielen?

Eins aber ist klar: Auch die im Bau befindliche Dreifachturnhalle soll ab 2019 den Vereinen zugänglich gemacht werden. Man weiss einfach noch nicht, wie. Vielleicht müssen die Vereine in Zukunft noch einen Teil der hauswartlichen Aufgaben übernehmen. Bildungsdirektor Stephan Schleiss (SVP) weilt derzeit ferienhalber im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – vielleicht fällt ihm dort eine kreative Lösung ein.

Kanti Zug: Hier entsteht eine Dreifachturnhalle. 

Kanti Zug: Hier entsteht eine Dreifachturnhalle. 

(Bild: mam)

Interessant ist, warum beim Kanton plötzlich ein Abwart fehlt. Grund sind die Sparprogramme, mit denen die Zuger Kantonsfinanzen teilsaniert werden. Eine beschlossene Massnahme ist ein Stellenstopp.

Stellenstopp im Wachstumskanton

Nun ist aber das Kurzzeitgymnasium in Menzingen stark am Wachsen und führt seit Kurzem zwei Klassen mehr. Deshalb wurden die dafür nötigen zusätzlichen Stellenprozente an der Kanti Zug und in der Bildungsdirektion eingespart. Was dazu führte, dass die Kanti zwei Vollzeitstellen im Verwaltungsbereich streichen musste und ganz offensichtlich bei den Abwartleistungen sparte.

Die Regierung weist darauf hin, dass wegen dem Boom in Menzingen an der Kanti Zug weniger Klassen als früher geführt würden und die Zahl der Schüler deshalb rückläufig sei. Offensichtlich glaubt man, dass deswegen auch der Reinigungsbedarf sinken würde.

So viel Aufregung wegen einem Klacks

Kantonsrätin Laura Dittli hatte vor einigen Wochen wissen wollen, wie viel Geld durch die Schliessung der Turnhallen am Wochenende gespart würde – ein Plan, von dem man mittlerweile abgerückt ist. Die Zuger Regierung weist aber die Kosten aus, die für die Beaufsichtigung der Vereine anfallen: nämlich 50’000 Franken für die hauswartlichen Dienste an den Abenden unter der Woche – und nochmal 30’000 Franken für die gesammelten Wochenenden.

«Was sind schon 80’000 Franken im Vergleich zum ganzen Kantonsbudget?»

Laura Dittli, Kantonsrätin CVP, Oberägeri

Laura Dittli ist zwar für die Sparanstrengungen des Kantons, aber unbedingt dafür, dass die Zuger Sportvereine auch weiterhin die Einrichtungen der Kanti mitbenutzen dürfen. «Was sind schon 80’000 Franken im Vergleich zum ganzen Kantonsbudget von fast 1,5 Milliarden Franken?», kommentiert sie die Ausführungen des Regierungsrats.

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1 Kommentare
  1. Heinrich Vogelsang, 20.07.2017, 15:14 Uhr

    Warum baut man für x Millionen neue Turnhallen und spart den Abwart ein, der sie putzt? Versteh ich nicht.