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Zuger Sinfonietta: Von Null auf Hundert in einem Jahr
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Die Zuger Sinfonietta mit ihrem Dirigenten Daniel Huppert. (Bild: Patrick Hürlimann)

Alle Abos verkauft, Spiel vor vollem Haus Zuger Sinfonietta: Von Null auf Hundert in einem Jahr

5 min Lesezeit 14.10.2017, 17:13 Uhr

Vor Jahresfrist begann die Zuger Sinfonietta mit Abo-Konzerten. Jetzt sind alle Abonnemente für die kommende Saison ausverkauft, und das Kammerorchester spielt regelmässig vor vollem Haus. Eine erfreuliche Geschichte in einer Zeit, in der viele Kulturschaffende nichts zu lachen haben.

Wer in der Zentralschweiz Orchester sagt, denkt unwillkürlich an Subventionskürzungen. An den Existenzkampf des Luzerner Sinfonieorchesters und Luzerner Sparzwänge. Aber es gibt auch eine positive Geschichte zum Thema – die wir unmittelbar ausserhalb der Luzerner Kantonsgrenzen im Zuger Ennetsee finden.

«Die Auslastung unserer Konzerte liegt bei 95 Prozent.» Simon müller, Geschäftsführer Zuger Sinfonietta. «Bei unserm ersten Abo-Konzert Ende September durften wir 580 Gäste begrüssen», sagt Simon Müller, der Geschäftsführer der Zuger Sinfonietta, die für die gute Nachricht aus dem Klassikbereich verantwortlich ist. Wenige mehr und der Lorzensaal in Cham wäre buchstäblich aus den Nähten geplatzt. Für die Sinfonietta war dies eine Rekordkulisse, Müller nennt den Abend «grandios».

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Wunschsaal für kleines Orchester

Die Publikumsresonanz ist bemerkenswert, denn das Ensemble spielte früher in verschiedenen Sälen des Kantons Zug, wagte gerne und oft musikalische Experimente, aber musste für seine Innovationsfreude auch mit weniger Zuhörern bezahlen.

Das hat sich mit der klugen Neupositionierung des Kammerorchestes geändert. Um der musikalischen Konkurrenz in der Stadt Zug auszweichen – und das kulturelle Ödland im Zuger Ennetsee zu beleben – hat sich die Sinfonietta auf die Gemeinden Cham, Risch und Hünenberg ausgerichtet und den Chamer Lorzensaal  zur ständigen Heimspielstätte gemacht. «Für uns als Kammerorchester bietet er ohnenhin die beste Akustik im Kanton» sagt Müller.

Zwischen den grossen Klangkörpern

Simon Müller, Geschäftsführer der Zuger Sinfonietta.

Simon Müller, Geschäftsführer der Zuger Sinfonietta.

(Bild: Alexandra Wey)

«Die meisten Gäste kommen mittlerweile tatsächlich aus Cham und Hünenberg», sagt Müller. Aber auch aus Zug könne man mit den neuen Veranstaltungen nun zunehmend Publikum gewinnen.

Ziel der Zuger Sinfonietta ist es, sich als professionelles Orchester zwischen den Klassik-Hotspots Luzern (KKL, Lucerne Festival) und Zürich (Tonhalle, Oper) zu etablieren. Um dies zu erreichen, führte Müller vor Jahresfrist neben Lunch-Konzerten und etwas spezielleren Veranstaltungen eine Reihe mit vier Abonnements-Konzerten ein, wie es sie auch beim Luzerner Sinfonieorchester und beim Zürcher Tonhalle-Orchester gibt – einfach in kleinerem Stil.

Klassische Klassik ist gefragt

Und diese «Chamer Klassik Abos» – 254 an der Zahl – sind nun ausverkauft. «Es gibt aber zu allen Konzerten noch Einzelkarten», so Müller. Normalerweise nutze man nur 60 Prozent der Kapazität des Lorzensaals, was 422 Plätzen entspreche. «Aber die Auslastung unserer Konzerte liegt dafür bei 95 Prozent.»

Einen Einfluss hat die Neuausrichtung indes auf die Programmation gehabt, die Geschäftsführer Simon Müller zusammen mit Chefdirigent Daniel Huppert vornimmt. «Wir nehmen eher auf das herkömmliche Klassikverständnis Rücksicht», sagt Müller. «Würden wir experimentelle Musik aufs Programm der Chamer Klassik-Reihe setzen, dann würden die Leute kein Abo, sondern allenfalls Einzelkarten kaufen». So spielt man diese Saison in den Abo-Konzerten halt vorab Mozart, Beethoven, Haydn und Schubert.

Nächstes Jahr feiert die Sinfonietta ihr Jubiläum

«Natürlich hoffen wir in den kommenden Jahren auch mal etwas Neues wagen zu können», sagt Müller. Aber erst mal will man dem Ruf der Sinfonietta als Studentenorchester gründlich den Garaus machen. «Als solches wurden wir vor 19 Jahren tatsächlich gegründet», sagt Müller. Mittlerweile seien aber nur noch ausgebildete Profi-Musiker mit von der Partie.

Zum Stamm zählen 24 bis 25 Musiker, die je nach Veranstaltung durch Gastmusiker ergänzt werden. «Wir variieren in der Grösse – sind manchmal Streichorchester, manchmal Sinfonieorchester.»

Finanzierung gesichert

Die Bemühungen der Sinfonietta um eine grössere Publikumsresonanz haben auch auf der Finanzierungsseite Früchte getragen. Vor den Sommerferien – mitten in den Spardiskussionen für die kommenden Jahre – erhöhte die Zuger Regierung ihren Beitrag an die Zuger Sinfonietta um 15’000 Franken.  Die Gemeinde Cham zog nach. «Das ist wirklich ein Zeichen der Anerkennung, auf das wir stolz sein können», sagt Müller.

Der Wohlstand ist deswegen bei der Sinfonietta noch nicht ausgebrochen. «Wir zahlen uns nach wie vor keine Honorare nach dem schweizerischen Musikertarif aus», sagt Müller. Es gebe finanziell noch Optimierungsbedarf.

580 Besucher erlebten am 24. September das erste Abo-Konzert «Wiener Klassik pur».

580 Besucher erlebten am 24. September das erste Abo-Konzert «Wiener Klassik pur».

(Bild: Patrick Hürlimann)

Und was ist mit all den grossen Firmen im Ennetsee, die gebildete Menschen beschäftigen, wie etwa der Pharmakonzern Roche? «Stimmt, langsam können wir uns auch daran machen, das Sponsoring auszubauen», sagt Müller. Aber der Nutzen eines Sponsorings werde in der Wirtschaft oft mit einigen Jahren Verspätung erkannt. «Wir wollen erst mal vorlegen und etwas leisten».

Joseph Haydn zu Weihnachten – Uraufführung von Carl Rütti

Das nächste «Chamer Klassk»-Abo-Konzert der Zuger Sinfonietta findet am 16. Dezember statt. Das Orchester bringt unter der Leitung von Daniel Huppert das Cello-Konzert in C-Dur von Joseph Haydn zur Aufführung, als Solist gastiert der deutsche Cellist Julian Steckel im Lorzensaal. Ende Februar stehen Violinkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart auf dem Programm und zum Muttertag erklingen Lieder von Franz Schubert – es singt die Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann.

Daneben musiziert im kommenden Frühling und Sommer ein Quintett der Sinfonietta zur Lunch-Zeit in der Reformierten Kirche Zug.

Zweimal tritt die Sinfonietta auch «auswärts» auf: Am Sonntag, den 5. November in der Ägerihalle in Unterägeri. Dann gelangt neben Musik von Sibelius und Grieg auch ein «Zugersee» getauftes Werk des heimischen Komponisten Carl Rütti zur Uraufführung – ein Konzert für Harfe, Klavier und Streicher. Am Freitag, den 8. Dezember spielt die Zuger Sinonietta im Theater Casino Zug. Angekündigt sind Lieder aus Gustavs Malers «Wunderhorn», die der britische Tenor Ian Bostridge interpretiert.

In unserer Bilderstrecke finden Sie Impressionen des Fotografen Patrick Hürlimann zu Konzerten der Zuger Sinfonietta im vergangenen Jahr.

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