Zuger sagen: E-Trottis Ja – aber unter einer Bedingung
  • Gesellschaft
Solche E-Trottinetts werden derzeit in Zug weggeräumt. (Bild. zVg)

Umfrage zeigt, was die Bevölkerung wirklich denkt Zuger sagen: E-Trottis Ja – aber unter einer Bedingung

3 min Lesezeit 1 Kommentar 16.03.2020, 05:00 Uhr

Rund 200 E-Trottis werden derzeit aus dem Kanton Zug geschafft. Für den Anbieter lohnte sich das Geschäft nicht. Eine nun erschienene Bevölkerungsbefragung zeigt, dass Stadtzuger nichts gegen die Trottis haben – sich aber eine Praxisänderung wünschen.

Es war ein so kurzes, wie kontroverses Gastspiel. Rund ein halbes Jahr, nachdem ein regelrechter Schwarm von E-Trottis in Zug erschien, verschwinden die schwarzen Roller wieder aus dem Strassenbild (zentralplus berichtete).

In anderen Städten, wie etwa Paris oder Mailand kam es hingegen gar nie soweit, dass die E-Trottis das Strassenbild prägten. In diesen Cities wurden die Vehikel vergangenes Jahr bewusst verbannt. Luzern verweigerte Betreibern von vornherein die Bewilligung (zentralplus berichtete).

In Zug präsentiert sich die Lage etwas anders. Die Firma Circ, welche die Trottis ursprünglich anbot, wurde von einem Konkurrent aufgekauft. Dieser entschloss sich zum Rückzug aus dem Zuger Markt.

Umfrage zu Beginn des Trotti-Gastspiels

Dennoch beschäftigen die E-Trottinetts weiter. Der Grund: In Vorbereitung für die öffentliche Mitsprache bei der Ortsplanung liess die Stadt Zug eine Bevölkerungsbefragung zur Mobilität in der Stadt durchführen (zentralplus berichtete).

Die Befragung fand im Spätsommer 2019 statt – also noch in der Frühphase des halbjährigen Gastspiels der Trottis in Zug. Der Bericht thematisiert die Meinungen zu den E-Trottis dennoch auf mehreren Seiten.

«Freeflaoting» ist vielen ein Dorn im Auge

80 Prozent der 1’316 Befragten störte sich daran, dass die E-Trottis überall herumlagen. Mit der «Verschandelung» des Ortsbildes argumentierten auch die genannten Städte, welche die E-Trottis wieder abschafften.

Das unschöne Bild entstand, weil es sich dabei um ein Free-floating-Angebot gehandelt hat. Auch die Zuger Trottis waren stationslos, sie konnten nach Gebrauch überall abgestellt werden.

Gemäss der Umfrage ist dies bei den unter 40-Jährigen zwar beliebt. Insgesamt bevorzugen aber 46 Prozent fixe Verleihstationen. Mit festgelegten Stationen wären die Roller wohl auf mehr Gegenliebe gestossen.

Potenzial ist erkannt, aber kaum genutzt

Den E-Trottis wird durchaus das Potenzial zur Entlastung des Strassenverkehrs attestiert. Sie waren in der Stadt Zug auch beliebter als Leihvelos, zeigt die Umfrage.

Allerdings: Der Bericht bringt ans Licht, dass nur 13 Prozent der Befragten jemals ein E-Trotti benutzt hatten. 73 Prozent der Befragten hatten weder Erfahrungen mit E-Trottis noch mit Leihvelos in der Stadt Zug.

Angst um Datensicherheit

Ebenfalls spannend: Gemäss Bericht haben die Bewohner der «Crypto-Stadt Zug» mehr Vorbehalte beim Datenschutz als Bewohner anderer Schweizer Städte. 62 Prozent der Befragten fürchten um ihre Datensicherheit bei solchen App-basierten Angeboten.

Das Missbrauchspotenzial der Nutzerdaten wird in anderen Schweizer Städten bei nicht mal 50 Prozent der Befragten als ernste Gefahr eingestuft.

Ob ein neuer Anbieter bald wieder E-Trottinettes in die Stadt Zug bringt, ist derzeit noch offen. Die Umfrageresultate liefern aber Hinweise darauf, wie man es beim nächsten Mal besser machen könnte.

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1 Kommentare
  1. Beni, 16.03.2020, 11:38 Uhr

    Danke für den neutralen Artikel und das Eingehen auf die Freefloating-Thematik. Das Circ-Experiment hat gezeigt, dass ein gewisses Bedürfnis nach Mikromobilität vorhanden ist. Es braucht aber einen ‚lokalen‘, oder mindestens lokal informierten und interessierten Partner, welcher die Anliegen der Nutzer und Behörden ernst nimmt und umsetzt. Ein ähnliches Angebot mit dedizierten Drop-Zones, auch in angrenzenden Städten und Dörfern könnte durchaus Chancen haben.

2021-01-22 12:16:37.533004