In Zug und Luzern scheint es in den vergangenen Monaten nicht zu überdurchschnittlich viel Suiziden gekommen zu sein.
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In Zug und Luzern scheint es in den vergangenen Monaten nicht zu überdurchschnittlich viel Suiziden gekommen zu sein. (Bild: zvg Adobe Stock)

Gibt es mehr Suizide wegen der Krise? Zuger Psychiater: «Wichtig ist, dass man sich rechtzeitig Hilfe holt»

4 min Lesezeit 22.05.2020, 05:03 Uhr

Für viele Menschen waren die letzten Wochen eine Belastung. Trotzdem verzeichnen die Zuger und Luzerner Psychiatrien keine bemerkenswerten Anstiege an Patienten. Der Chefarzt der Klinik Zugersee warnt jedoch, dass sich dies in naher Zukunft ändern könnte.

Nach zwei langen Monaten, in denen sich die Schweizer Bevölkerung vor allem in den eigenen vier Wänden und im kleinsten sozialen Umfeld bewegte, fühlten sich die Lockerungen des Bundes wie ein Befreiungsschlag an.

Die Menschen sind vermehrt draussen anzutreffen, die Städte füllen sich mit Leben. Die Bevölkerung hofft darauf, dass sich die Corona-Krise ihrem Ende zuneigt und es keine weiteren Krankheitswellen mehr geben wird.

Doch immer mal wieder werden auch Stimmen derer laut, die davor warnen, dass die psychischen Konsequenzen der Krise nun erst recht zum Vorschein treten und dass sich die Zahl der Suizide wegen der schwierigen Wirtschaftssituation massiv erhöhen werde.

Wir versuchen herauszufinden, wie denn die Lage bezüglich psychischer Gesundheit während der letzten zwei Monate war und fragen bei Luzerner und Zuger Spitälern sowie Psychiatrien nach.

Es gibt (noch) keine aussagekräftige Statistik

Während man uns beim Luzerner Kantonsspital direkt an die Psychiatrie weiterverweist, hält man im Zuger Kantonsspital fest: «Leider gehört es zur Alltagssituation, dass Patientinnen und Patienten aufgrund von Suizidversuchen im Notfallzentrum des Zuger Kantonsspital behandelt werden müssen. So auch in den letzten Wochen und Monaten», erklärt Sprecherin Sonja Metzger auf Anfrage.

«Folgen der Krise, wie etwa finanzielle Probleme oder Arbeitsplatzverlust, werden für viele erst später sichtbar.»

Josef Jenewein, der Chefarzt der Klinik Zugersee

Doch führe man im Spital keine Statistik darüber, weshalb man über keine Vergleichswerte aus dem letzten Jahr verfüge. Metzger erklärt weiter: «In den Monaten März und April ist uns aber keine Zunahme von Patienten mit Suizidversuchen aufgefallen.»

Betreffend der Zahlen kann man uns weder bei der Zuger noch bei der Luzerner Polizei weiterhelfen. Statistiken werden zwar gemacht, dies jedoch nur aufs gesamte Jahr gesehen und nicht für einzelne Monate.

Nur einzelne Patienten kommen wegen der Krise

Bisher habe man in der Luzerner Psychiatrie keine signifikanten Veränderungen der Suizidalität gegenüber anderen Zeiträumen festgestellt, sagt der Kommunikationsverantwortliche Daniel Müller. Und weiter: «Es gibt einzelne Patientinnen und Patienten, die nun stationär behandelt werden, die wegen der Auswirkungen der Coronapandemie mit einer Zunahme von psychiatrischen Symptomen reagiert haben.» Es handle sich jedoch um wenige Einzelfälle.

Josef Jenewein, der Chefarzt der Klinik Zugersee, erklärt gar: «Wir hatten in den letzten zwei Monaten deutlich weniger Eintritte als üblich. Das verwundert jedoch nicht allzu sehr.» Der Psychiater führt aus: «Es gibt diese paradoxe Situation, dass Menschen während schwieriger Umstände quasi in einen Krisenmodus kommen und in diesem gut funktionieren. Für viele wird die Belastung erst nachher spürbar.»

Auch könne sich Jenewein vorstellen, dass viele Menschen in den letzten Monaten Hemmungen hatten, psychiatrische Hilfe aufzusuchen. Dies aus ähnlichen Gründen, aus denen die Menschen zurückhaltender waren, ins Spital zu gehen. Obwohl das nicht sinnvoll sei, sondern ganz im Gegenteil, schädlich sein könne.

Wichtig ist, dass man früh Hilfe sucht

Er betont: «Es ist sehr wichtig, dass man sich früh genug Hilfe holt. Wir haben Reserven. Jede Klinik ist darauf ausgerichtet, vorübergehend zusätzliche Kapazitäten zu schaffen.»

Der Chefarzt sagt weiter: «Wir rechnen damit, dass in naher Zukunft mehr Anfragen an unsere Ambulatorien gelangen. Es kann auch sein, dass es zu einem späteren Zeitpunkt mehr stationäre Behandlungen braucht», sagt Jenewein.

«Würden die psychiatrischen Fälle massiv Überhand nehmen, würde man das bereits jetzt merken.»

«Denn Folgen der Krise, wie etwa finanzielle Probleme oder Arbeitsplatzverlust, werden für viele erst später sichtbar. Wir müssen deshalb wachsam sein.»

Alarmiert ist der Chefarzt der Klinik Zugersee nicht: «Würden die psychiatrischen Fälle massiv Überhand nehmen, würde man das bereits jetzt merken.»

Was in der aktuellen Situation jedoch nachweislich spürbar ist: Beratungsstellen wie die Dargebotene Hand wurden in den letzten Monaten deutlich stärker genutzt als noch vor der Krise (zentralplus berichtete).

Auch erste Resultate der «Swiss Corona Stress Study», einer Studie der Universität Basel, weisen darauf hin, dass sich ungefähr die Hälfte der über 10’000 Befragten gestresster fühlt. Auch depressive Symptome hätten sich bei 57 Prozent der Befragten verstärkt.

Nicht bei allen schlug der Lockdown jedoch aufs Gemüt. Ein Viertel der Teilnehmer gab an, sich während dieser Zeit weniger gestresst gefühlt zu haben.

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