Zuger Polizei: «Mutmasslicher Täter bleibt vorerst in Haft»
  • Gesellschaft
  • Polizei
  • update
Hier vor der Post in Bar wurde die 25-Jährige brutal niedergeschlagen.

Nach Attacke in Baar: Mutige Zeugen berichten Zuger Polizei: «Mutmasslicher Täter bleibt vorerst in Haft»

5 min Lesezeit 2 Kommentare 17.08.2017, 13:07 Uhr

Noch stehen viele unter Schock nach der brutalen Gewalttat, die sich am Mittwoch am helllichten Tag in Baar vor der Postfiliale ereignete. Mutige Zeugen, die den mutmasslichen Täter festgehalten haben, erzählen, wie sie den Vorfall erlebten. Der Täter hat mittlerweile gestanden und bleibt weiter in Haft.

 

«Dass so etwas in Baar auf offener Strasse passiert, ist schrecklich», sagt die Verkäuferin am Kiosk in der Dorfstrasse. Nur zweihundert Meter entfernt, vor der Postfiliale, wurde, wie zentralplus berichtete, am Mittwochnachmittag eine junge Frau von einem Mittdreissiger brutal zusammengeschlagen. Auch eines der drei Kinder, die sie begleiteten – ein 14-jähriges Mädchen –, wurde bei der Gewaltattacke verletzt.

Die 25-Jährige, die von dem 34-Jährigen zuerst mit Fäusten und dann mit Fusstritten auf dem Boden malträtiert wurde, lag blutüberströmt auf dem Boden. Beim mutmasslichen Täter wie beim Opfer handelt es sich um Schweizer Staatsangehörige.

«Länger bestehender Streit zwischen Opfer und Täter»

«Der mutmassliche Täter wurde inzwischen vom zuständigen Staatsanwalt einvernommen. Er hat gestanden, für den Angriff verantwortlich zu sein», sagt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei. Als Motiv habe er angegeben, dass es im Rahmen eines länger bestehenden Streits zwischen Bekannten zur Eskalation gekommen sei. «Der Mann bleibt vorerst in Haft.»

Das 25-jährige Opfer erlitt mittelschwere Verletzungen und befindet sich nach wie vor in Spitalpflege. Die Kinder wurden bereits kurz nach dem Vorfall von Mitarbeitenden des Careteams betreut. Die 14-Jährige, die leichte Verletzungen erlitt, wurde zusätzlich medizinisch versorgt.

Hatte der Gewalttäter Drogen zu sich genommen, dass es zu dieser brutalen Attacke kommen konnte? Aklin: «Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug hat unmittelbar nach der Tat eine Blut- und Urinprobe beim mutmasslichen Täter angeordnet. Das Resultat ist noch ausstehend.»

«Ich habe vom Balkon runtergeschrien, er soll sofort aufhören.»

Baarer, der den Täter später festgehalten hat

Auf jeden Fall gab es mutige Zeugen, die Zivilcourage beweisen haben und eingeschritten sind, um den Täter zu überwältigen.

Ein Mann, der sein Büro direkt über dem Tatort hat, erzählt, wie er sich spontan entschlossen hat zu helfen. «Zuerst habe ich Geschrei gehört, dann bin ich auf den Balkon vor meinem Büro im dritten Stock hinausgegangen und habe auf die Strasse runter geschaut.» Dort sei die junge Frau blutverschmiert am Boden gelegen, und der 34-Jährige sei auf sie losgegangen und habe sie mit Fusstritten traktiert.

«Ich habe dann runtergeschrien, er soll sofort aufhören», berichtet der Mann, der lieber anonym bleiben will, weiter. Doch sein Schreien habe nichts genützt. Als er dann gesehen habe, dass schon andere Personen eingegriffen haben, um den Täter bei seiner brutalen Gewaltattacke zu stoppen, habe er sich spontan entschlossen, auch runter auf die Strasse zu gehen und zu helfen. «Ich habe wie in Trance gehandelt.»

Auf dem Boden fixiert

Auf der Strasse sah der Mann, dass zwei Männer den Gewalttäter festhielten. «Ich habe dann geholfen, den Mann auf dem Boden zu fixieren und seine Beine auseinanderzureissen.» Es habe eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis die Zuger Polizei eingetroffen sei. «Der Täter war sehr erregt und hat weitergeschrien: Die Frau habe sein Leben zerstört», berichtet der Baarer mit Zivilcourage. Nach Alkohol habe der junge Mann nicht gerochen. Es sei aber durchaus möglich, dass dieser bei seiner brutalen Tat unter Drogen gestanden habe.

Am Ende hielten vier Männer den mutmasslichen Täter fest. «Als die Zuger Polizei dann gekommen ist, haben wir uns untereinander gedankt, dass alle geholfen haben. Dann sind wir wieder auseinandergegangen. Ich bin froh, dass ich helfen konnte», sagt der Baarer Helfer. «Angst habe ich eigentlich keine empfunden. Aber ich bin erleichtert gewesen, dass ich nicht alleine war und andere auch mitgeholfen haben.»

«Ich bin erfreut darüber, dass Menschen in Baar auf diese Weise Zivilcourage bewiesen.»

Andreas Hotz, Gemeindepräsident in Baar

Gemeindepräsident Andreas Hotz ist bestürzt angesicht der rohen Gewalt, die sich am Mittwoch in Baar am hellichten Tag vor der Postfiliale zugetragen hat. «Das ist schrecklich und verrückt», meint Hotz, der sein Anwaltsbüro direkt oberhalb des Tatorts in der Dorfstrasse hat.

«Ich bin erfreut darüber, dass Menschen in Baar auf diese Weise Zivilcourage bewiesen und verhindert haben, dass noch Schlimmeres passiert ist», sagt der Politiker. Grundsätzlich könne sich solche Gewalt aber überall ereignen.

Früherer Baarer Feuerwehrkommandant hilft auch

Auch Peter Utiger, früherer Feuerwehrkommandant in Baar, war einer der mutigen Helfer, die den jungen Täter zur Strecke brachten. Genauer gesagt festhielten, bis die Zuger Polizei kam. «Wir haben ihn zu dritt zur Seite genommen und fixiert.»

Für den 48-jährigen Immobilienagenten, der zufällig mit dem Auto an dem Tatort vorbeigefahren war und die spezielle Situation gesehen hatte, sei es sofort klar gewesen, dass er mithelfen müsse. «Es ist gut, dass es mit der Zivilcourage so gut klappte», sagt Utiger. Letztendlich sei es immer die spontane Entscheidung jedes Einzelnen, ob jemand in so einer Situation mithelfen wolle oder nicht.

Handelt es sich bei der brutalen Gewalttattacke in Baar womöglich um eine Beziehungstat?

«Wir können bestätigen, dass sich Opfer und der mutmassliche Täter kennen, es besteht allerdings keine verwandtschaftlich, familiäre oder persönliche Verbindung. Die Hintergründe des Streits sind nun Gegenstand der weiteren Untersuchung», sagt Aklin von der Zuger Polizei.

Laut Esther Käch von der Opferberatung Zug ist Gewalt in Beziehungen grundsätzlich auch in Zug kein seltenes Phänomen. «Jede fünfte Frau in der Schweiz und unseren Erfahrungen nach auch in Zug wird Opfer von häuslicher Gewalt», gibt Käch Auskunft. Wohlgemerkt von physischer Gewalt.

«Es gibt tägliche Fälle von häuslicher Gewalt.»

Esther Käch, Opferberatung von eff-zett das fachzentrum

Sie arbeitet bei der Opferberatung von eff-zett das fachzentrum, wo Opfer von physischer, psychischer und sexueller Gewalt unterstützt und betreut werden. «Wir unterstützen Frauen und Männer nach erlebter Gewalt, vermitteln bei Bedarf weiter an psychotherapeutisches Fachpersonal oder ermöglichen den Opfern, die an Leib und Leben bedroht werden, einen Platz im Frauen- oder Männerhaus.»

Man weise die gewaltbetroffenen Menschen auch auf ihre rechtlichen Möglichkeiten hin. «Es gibt tägliche Fälle von häuslicher Gewalt», so Käch. Zumeist würden sich diese aber in geschlossenen Räumen abspielen.

Aklin: Zuger Polizei schnell am Tatort

Zum Einsatz der Zuger Polizei weist Judith Aklin daraufhin, dass sich schon zwei Minuten nach Meldungseingang eine zivile Mitarbeiterin am Tatort befunden habe. «Kurz danach trafen auch erste Uniformierte ein. Der mutmassliche Täter wurde zu diesem Zeitpunkt von Passanten festgehalten.»

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

2 Kommentare
  1. Hans Füglistaller, 17.08.2017, 15:03 Uhr

    Wow, zentralplus weiss bereits, dass die 25-Jährige die Mutter des 14-jährigen Mädchens war. Immer allen anderen Medien einen Schritt voraus. Aber Moment mal. 25-jährige Mutter, 14-jähriges Mädchen? Seid ihr sicher, dass eure exklusive Info, die sonst nirgends so steht, stimmt?

    1. Wolfgang Holz, 17.08.2017, 15:10 Uhr

      Sehr geehrter Herr HansF,
      Sie haben natürlich recht. Das geht nicht. Vielen Dank für Ihren Hinweis. Die drei Kinder begleiteten die junge Frau. Die 14-Jährige ist selbstverständlich nicht die Tochter der 25-Jährigen.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.