Zuger Polizei kauft teure iPhones – Bund will günstigere Variante prüfen
  • Politik
Die neuen iPhones sind mit Kameras ausgerüstet, welche die bisherige Kameraausrüstung überflüssig machen sollen. (Bild: Apple)

Richtlinie wurde Anfang 2020 angepasst Zuger Polizei kauft teure iPhones – Bund will günstigere Variante prüfen

3 min Lesezeit 1 Kommentar 21.11.2020, 16:42 Uhr

Wenn es ums Smartphone geht, setzt die Zuger Polizei auf das iPhone 11. Man sei gezwungen, auf Apple-Produkte zu setzen, hiess es im Februar auf Anfrage. Jetzt zeigt sich: Das stimmt so nicht (mehr) ganz – und günstigere Alternativen könnten schon bald möglich sein.

Alle Mitarbeiter der Zuger Polizei haben heute ein iPhone 11 – damit sie in Notlagen rund um die Uhr erreichbar sind. Nachdem die 2015 angeschafften Geräte den technischen Anforderungen nicht mehr genügten, mussten Februar 2020 neue her. Um genau zu sein: Es wurden 350 iPhones 11 angeschafft. Hinzu kommen 20 iPhones 11 pro (zentralplus berichtete).

Die Geräte sind vergleichsweise teuer: Das iPhone 11 ist im offiziellen Apple-Shop im Einzelverkauf ab 809 Franken zu haben, die Pro-Ausgabe ab 1199 Franken. Auf Nachfrage von zentralplus hiess es im Februar, die Zuger Polizei sei an eine entsprechende Richtlinie des Eidgenössischen Polizei- und Justizdepartements (EJPD) gebunden.

«Diese schreibt vor, dass die im Polizeialltag erforderlichen Zugriffe auf Informatikanwendungen des EJPD nur von iOS-Geräten aus erfolgen dürfen», erklärte Gregor Bättig, Chef Kommandobereiche bei der Zuger Polizei. Jetzt zeigen Recherchen von zentralplus: Diese Information war bereits zum Zeitpunkt der Anschaffung nicht mehr aktuell.

Richtlinie wurde überarbeitet

Zwar hatte es diese Richtlinie bis vor Kurzem gegeben. Sie basierte auf einer 2011 in Auftrag gegebenen Sicherheitsanalyse des EJPD. In dieser wurde eruiert, welche Risiken und Schwachstellen bei der Verwendung von iOS bestehen und welche Massnahmen erforderlich sind, um diese zu abzuschwächen.

Bereits ab 2015 gab es Anfragen, ob auch Android-Geräte für derartige Zugriffe verwendet werden können. Zum damaligen Zeitpunkt konnte das EJPD nicht darauf eingehen, weil «die Sicherheit von Android damals nicht auf einem vergleichbaren Niveau war wie iOS», wie es von Seiten des EJPD heisst.

Android habe aber rasch aufgeholt. Deshalb liess das EJPD 2019 eine neue Sicherheitsanalyse mit Einbezug von iOS und Android erstellen. zentralplus beschaffte sich diese – basierend auf dem auf Bundesebene geltenden Öffentlichkeitsprinzip.

Die von der Zuger Polizei ins Feld geführte Richtlinie wurde aufgrund der Studie um die Zulassung von Android erweitert – und bereits per Anfang 2020 in Kraft gesetzt. Seither kann auch Android für Abfragen von EJPD-Informationssystemen verwendet werden.

Apps funktionieren nur auf Apple-Produkten

Wusste man davon bei der Zuger Polizei nichts? Eine konkrete Antwort ist darauf seitens der Medienstelle nicht zu erhalten. Sie verweist aber auf den zweiten Grund, weshalb sie iPhones angeschafft hat. Und zwar arbeitet die Zuger Polizei mit verschiedenen Anwendungen, die nur auf dem iOS-Betriebssystem funktionieren würden. Diese seien teilweise vom Bund und teilweise vom Verbund zur Harmonisierung der Schweizer Polizeiinformatik entwickelt worden.

Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) habe 2010 entschieden, dass bei den polizeilichen Anwendungen auf eine Android-Fähigkeit aus finanziellen Gründen, aber auch zur technischen Vereinfachung und Sicherstellung der Betriebs- und Datensicherheit, verzichtet werde.

Das heisst: Android-Geräte einzusetzen, wäre vom Sicherheitsaspekt her möglich. Aber bislang nur theoretisch. Dass der Bund dennoch ausschliesslich iOS-Geräte einsetzt, hat auf der Ebene der nationalen Politik jüngst Verwunderung ausgelöst. Nationalrätin Daniela Schneeberger (FDP, BS) wollte in einer Interpellation wissen, wie viel es kosten würde, wenn andere, alternative Geräte beschafft werden könnten.

Bund geht über die Bücher

Die Antwort des Bundesrates liegt seit dieser Woche vor. «Wenn mehrere Betriebssysteme unterstützt werden sollen, fallen die Kosten dafür mehrfach an», heisst es darin. Deshalb habe die Bundesverwaltung bisher nur Mobilfunkgeräte eines Betriebssystems im Einsatz.

Das könnte sich allerdings bald ändern. Das Service Management des Informatiksteuerungsorgans des Bundes (ISB) überprüft bis Mitte 2021, ob es für die Bundesverwaltung wirtschaftlich sein könnte, ein zweites Betriebssystem zu integrieren und zu unterstützen.

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1 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 22.11.2020, 12:52 Uhr

    Schwerter zu Pflugscharen! Unter diesem Motto könnte man Arbeitsplätze in der schweizerischen Kriegsmaterial-Industrie in IT-Entwicklungsjobs umwandeln und ein eigenes Handy (Helvetiphon) mit eigenem Betriebssystem entwickeln, natürlich ohne Hintertüre zu Geheimdiensten. Das Helvetiphon könnte sogar ein Exportschlager werden, sofern die Crypto-Affäre nicht die helvetische Glaubwürdigkeit völlig versaut hat.

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