Zuger Polizei verschweigt die Nationalität von Straftätern weiterhin
  • Politik
Seit einiger Zeit verzichtet die Zuger Polizei in den sozialen Medien auf die Nennung der Nationalität von Straftätern. (Bild: ida)

Kantonsrat lehnt SVP-Forderung ab Zuger Polizei verschweigt die Nationalität von Straftätern weiterhin

2 min Lesezeit 4 Kommentare 27.11.2020, 17:06 Uhr

Soll die Zuger Polizei auch in den sozialen Medien die Nationalität von Straftätern nennen? Ja, meint die SVP – ist damit aber allein. Der Kantonsrat hat ihre Motion abgelehnt und damit den bisherigen Kurs der Polizei gestärkt.

Die Zuger Polizei wird in ihren Beiträgen auf den sozialen Medien die Herkunft von Straftätern auch in Zukunft nicht erwähnen. Der Kantonsrat hat dem Anliegen der SVP, die das ändern wollte, eine deutliche Abfuhr erteilt. Ihre Motion wurde mit 51 zu 17 Stimmen abgelehnt.

Damit folgte das Parlament dem Regierungsrat und dem bisherigen Kurs der Zuger Polizei. Hasstiraden und Beleidigungen hätten merklich abgenommen, seit die Polizei auf Facebook und Co. keine Nationalitäten mehr nenne, sagte Sicherheitsdirektor Beat Villiger (CVP). Die Kommentare zu kontrollieren, erachtete er nicht als geeignete Alternative. Die Polizei wolle ja in den sozialen Medien gerade den Dialog ermöglichen.

SVP schlägt vor, Kommentare zu kontrollieren

Thomas Werner (SVP) entgegnete, dass die Bevölkerung «ein Recht auf ungefilterte und transparente Information» habe. Alles andere sei «staatliche» und «skandalöse» Desinformation. Beleidigende oder rassistische Kommentare könne man zur Anzeige bringen oder mit technischen Mitteln auf den jeweiligen Plattformen eingrenzen. «Mit einer derartigen Ausrede dürfen wir uns im Kantonsrat nicht abspeisen lassen», forderte er – vergeblich.

Daniel Stadlin bezeichnete die aktuelle Praxis als pragmatisch. Die CVP-Fraktion wolle «keinen unnötigen Zündstoff für gehässige Kommentare liefern». Die Behörden würden damit auch nicht Zensur betreiben, betonte Drin Alaj (SP). Schliesslich habe die Bevölkerung Zugang zu diesen Informationen – wenn sie nicht die Beiträge auf den sozialen Medien liest, sondern die vollständigen Medienmitteilungen, in denen die Polizei die Herkunft nennt.

Luzian Franzini von der Alternative – die Grünen fragte grundlegend nach dem Nutzen dieser Information. Studien würden zeigen, dass andere Faktoren ausschlaggebend seien, ob eine Person straffällig wird. «Es wäre aus kriminologischer Sicht viel relevanter, das Einkommen und den Bildungsstand in den Polizeimeldungen anzugeben als die Nationalität.»

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4 Kommentare
  1. Urs Heinz Aerni, 06.02.2021, 16:27 Uhr

    Wie relevant sind solche Aussagen? Ein Schweizer, ein Italiener und ein Serbe hätten den Überfall begangen. So steht’s jeweils in den Zeitungen. Hilft es dem Lesenden? Nützt es? Wer will es wissen?

    Wäre es auch interessant, zu erfahren, ob bei der Schlägerei oder beim Autounfall ein Appenzeller, eine Bündnerin und ein Aargauer involviert sind? Wieso nicht? Dann müsste es heißen: Bei der Massenkollision auf der A13 zwischen Sargans und Bad Ragaz durch Nebel waren Autolenker aus Luzern, Bayern, Solothurn und Vorarlberg beteiligt. In der Zürcher Lokalpresse könnte doch darauf verwiesen werden, dass ein Unterländer, ein Säuliämtler und ein Mann aus dem Limmattal im Nachtclub nach Belästigungen des Personals verhaftet wurden.

    Und im Dorfblatt müsste folglich erwähnt sein, dass die prügelnden Gäste in der Beiz von der Hinterhofstraße, der Oberaustraße und der Mittelgasse kommen und einer sogar am Waldweg wohnt.

  2. MJ, 29.11.2020, 22:17 Uhr

    Advent, Advent, endlich gibt es eine realistische Darstellung der Zuger Polizeiarbeit – und das sogar von SRF – typisch Laien, typisch Sicherheitsassistenten.

  3. Marly Enzler, 27.11.2020, 17:27 Uhr

    Wenig überraschend, dass sich die Links-Grünen für Informationsvorenthaltung ins Zeug werfen. Genau jene Kreise, die sonst als Transparenzturbos bekannt sind. Ein Schelm, der …

  4. Paul Bründler, 27.11.2020, 17:26 Uhr

    Ich sehe das so wie Thomas Werner.
    Die Stimmbürger sollten schon erfahren, welche Auswirkungen die Einwanderungs- bzw. Asylpolitik hat.
    Nur so kann man entscheiden, wie es weiter gehen soll.
    Wir sind ja nicht Deutschland.

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