Zuger Politiker sollen mehr Lohn erhalten
  • Politik
Das Zuger Stadtparlament tagt derzeit mit Corona-Abstand – und bald mit höherer Entschädigung? (Bild: jal)

Obwohl Sitzungsgeld «am oberen Limit» ist Zuger Politiker sollen mehr Lohn erhalten

3 min Lesezeit 3 Kommentare 01.07.2020, 05:00 Uhr

Ein Abschiedsgeschenk der anderen Sorte: Kurz vor seinem Rücktritt forderte ein Zuger FDP-Politiker höhere Entschädigungen für die Stadtparlamentarier. Der Vorschlag stösst auf offene Ohren – obwohl die Zuger bereits heute vergleichsweise gut dastehen.

Eigentlich ist es wenig charmant, für sich selbst öffentlich mehr Lohn zu fordern. Das findet auch der Zuger FDP-Politiker Stefan Moos. Sein Vorteil: Er ist letztes Jahr aus dem Stadtparlament zurückgetreten und gerät daher nicht in den Verdacht, fürs eigene Portemonnaie zu politisieren. Moos verlangte kurz vor seinem Abgang nämlich eine höhere Entschädigung für die 40 Mitglieder des Grossen Gemeinderates (GGR).

139.65 Franken erhält derzeit jeder Zuger Stadtparlamentarier pro Sitzung. Zu wenig, findet FDP-Politiker Moos. Bis auf die Teuerung sei die Entschädigung fast 20 Jahre lang nie erhöht worden. Und sie liege deutlich unter jener der Zuger Kantonsräte, die pro halben Tag Sitzung 184 Franken erhalten. Obwohl die Arbeit im Kantonsparlament, wo Stefan Moos seit 2018 ebenfalls sitzt, nicht wesentlich aufwändiger sei als auf städtischer Ebene. «Deshalb ist eine Angleichung an die Entschädigung des Kantonsrates gerechtfertigt.»

Ein paar Franken mehr

Das Büro des Grossen Gemeinderates teilt diese Ansicht nur teilweise. Einer wesentlichen Erhöhung der Sitzungsgelder – Stefan Moos schwebte ein Aufschlag von 20 Prozent vor – sehe man kritisch entgegen. «Mit dem Teuerungsausgleich ist die Entschädigung nach Ansicht des Büros vergleichsweise sachgerecht und befindet sich auch im Rahmen der anderen Städte beziehungsweise Gemeinden.»

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Es beruft sich dabei auf einen Vergleich mit ähnlich grossen Gemeinden. Beim Sitzungsgeld zahlen die meisten zwischen 80 und 130 Franken für eine dreistündige Sitzung, «womit das Sitzungsgeld in der Stadt Zug eher am oberen Limit anzusiedeln ist», so das Büro. Abseits der nackten Zahlen sei zudem klar, dass bei einem politischen Engagement die finanzielle Entschädigung nicht im Zentrum stehen dürfe.

Auf der anderen Seite hält das Büro fest, dass der Aufwand für die Vorbereitung der Sitzungen in Zug weniger stark entschädigt werde als anderswo. Und insgesamt sei der Aufwand der Parlamentsarbeit in den letzten Jahren stetig gestiegen.

Geld sollte nicht im Zentrum stehen

Das Büro des GGR schlägt deshalb eine leichte Erhöhung der Sitzungsgelder vor. Die Grundpauschale und der jährliche Zustupf für die Fraktionen sollen hingegen deutlich steigen. «Dies lässt sich damit begründen, dass der Vorbereitungsaufwand in den letzten Jahren stark gestiegen ist und die politische Arbeit in den Fraktionen geschieht, diese aktuell jedoch vergleichsweise tief entschädigt wird.»

Konkret werden folgende Erhöhungen vorgeschlagen:

In der Vergangenheit habe die Stadt viele Ideen diskutiert, wie sie ihre Gewinne verteilen will, begründete Stefan Moos sein Anliegen. Im Unterschied zur Verwaltung haben die Politiker noch nie «Boni» erhalten, obwohl auch sie wichtige Arbeit zugunsten der Stadt leisteten.

Das Stadtparlament wird nach den Sommerferien entscheiden, ob es sich ab 2021 mehr Lohn genehmigen will.

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3 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 02.07.2020, 18:35 Uhr

    Man/frau muss die Lohnerhöhung als symbolischen Akt verstehen. Das Motto von Stadt und Kanton Zug heisst schliesslich: Darfs es bitzeli meh sii? Die Führung bei diesem Akt hat treffenderweise ein FdP-Zeremonienmeister übernommen, welcher auch noch im Kantonsrat tätig ist und dort – so vermute ich – einen finanziellen Zustupf an das gestresste Gesundheitspersonal erfolgreich abgewehrt hat. Auch dem zweiten Zuger Motto ist damit Genüge getan: Sälber frässe macht feiss!

  2. Chilan Kukukmatz, 01.07.2020, 18:12 Uhr

    Die Politiker sind im Allgemeinen zu teuer im Verhältnis zu dem, was sie leisten. Überall Probleme: Asylwesen, Schulen, öffentlicher Verkehr, Löhne der Arbeiter, Strassen, Klima, Corona, Gesundheitswesen, Überbevölkerung. Ich frage mich, wo die Politiker denn ihre Aufgaben gemacht haben. Und jetzt wollen die noch mehr Lohn. So eine Frechheit.

    1. Mueller-Knecht Irma Maria, 02.07.2020, 04:27 Uhr

      Stimmt, es ist mehr als eine Frechheit; dass diese Herren & Damen für’s rumsitzen & bla bla bla mehr Lohn fordern! Ehrenamtlich ist sinnvoller & lobenswerter!

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