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Zuger Landwirte: Am meisten Mängel, am wenigsten Sanktionen
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Wie kommt's dazu? Zuger Landwirte: Am meisten Mängel, am wenigsten Sanktionen

4 min Lesezeit 08.07.2019, 05:00 Uhr

Der Kanton Zug scheint auf den ersten Blick der Musterknabe zu sein in Sachen Landwirtschaft. Nur gerade bei vier Prozent der Betriebe wurden 2017 Subventionskürzungen verhängt. Ein zweiter Blick auf die Statistik verrät jedoch etwas ganz anderes.

Irgendwas läuft da ziemlich schief bei den Zuger Bauern. Dieser Eindruck jedenfalls entsteht, wenn man kürzlich erschienene Medienberichte liest. Von eklatanten Verstössen gegen den Tierschutz ist da die Rede, von skandalösen Zuständen auf Schweizer Höfen.

Gemäss Agrarbericht 2018 erfüllt durchschnittlich jeder sechste Ganzjahresbetrieb die Bestimmungen – etwa in Sachen Tierschutz – nicht vollständig. Stellen Kontrolleure Mängel fest, können diese Subventionskürzungen beschliessen. Diese beliefen sich 2017 auf insgesamt 7,9 Millionen Franken.

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Bei insgesamt rund 45’000 Betrieben wurden über 7’000 Kürzungen ausgesprochen. Also bei über 16 Prozent der Betriebe. Dabei gibt es von Kanton zu Kanton gewichtige Unterschiede. So etwa musste im Kanton Genf jeder vierte Betrieb Subventionskürzungen in Kauf nehmen. Auch der Kanton Zug fällt in der Statistik auf. Und zwar zunächst im positiven Sinne. Denn nur gerade bei 4 Prozent der Betriebe wurden Kürzungen verhängt, also bei jedem 25. Hof nur.

Musterknabe Zug?

Thomas Wiederkehr kontrolliert die Zuger Landwirtschaftsbetriebe im Auftrag des Kantons. Er ist der Ansicht, dass der Statistik in diesem Fall nicht zu viel Gewicht beigemessen werden sollte: «Die Werte schwanken von Jahr zu Jahr.»

Auf die Frage nach den Gründen, welche im Kanton Zug 2017 zu Subventionskürzungen geführt haben, erklärt Kontrolleur Wiederkehr: «Häufig geht es beispielsweise um mangelhafte Aufzeichnungen oder fehlerhafte Pufferstreifenbewirtschaftung, also den Zonen entlang Hecken oder Waldrändern.» Weiter nennt er ungenügende Einstreu bei Nutztierhaltungen, überschrittene Nährstoffbilanz, die Nichterfüllung der Futterration oder auch Tierschutzaspekte.»

Zug hat also die schweizweit tiefste Rate an Sanktionen. Sind die Zuger Landwirte demnach die Musterknaben der Schweizer Bauern?

Wiederkehr findet, nicht unbedingt: «Zwar mögen nur 4 Prozent unserer Höfe Kürzungen erfahren, doch ist die durchschnittliche Höhe der Kürzungen mit 1’120 Franken  höher als im Schweizer Schnitt.»

Vernachlässigung des Tierwohls wird stark gebüsst

Der zuständige Zuger Amtsleiter Roger Bisig präzisiert: «Gerade wenn Bedingungen in Sachen Tierwohl nicht erfüllt werden, können schnell massive Kürzungen entstehen.» Insbesondere bei grösseren Betrieben mit viel Vieh. Denn sanktioniert werde unter anderem pro Tier. 

«Wären es total über das ganze Jahr und den ganzen Kanton fünf Mängel weniger, wären wir schon unterdurchschnittlich.»

Thomas Wiederkehr, Zuger Landwirtschaftskontrolleur

Auch eine weitere Statistik im Agrarbericht 2018 macht stutzig. Nämlich jene, in der es um den ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN) geht. Diesen müssen alle Landwirte erfüllen, welche Direktzahlungen erhalten wollen. Diesbezüglich wiesen Zuger Höfe bei Kontrollen auf Ganzjahresbetrieben im Vergleich überdurchschnittlich viele Mängel auf.

Will heissen: Von den 133 kontrollierten Betrieben wiesen 28 Mängel auf, was 21 Prozent entspricht. Kein anderer Kanton verzeichnete 2017 derart viele Mängel. (Der Durchschnitt  liegt bei 14 Prozent.)

Der kleine Kanton macht sich bemerkbar

Wie kommt es zu dieser Diskrepanz innerhalb des Kantons Zug? «Es handelt sich dabei um eine statistische Schwankung, die sich aufgrund der geringen Zahl der Betriebe stark ändern kann», schätzt Thomas Wiederkehr ein. «Wären es total über das ganze Jahr und den ganzen Kanton fünf Mängel weniger, wären wir schon unterdurchschnittlich», sagt er. Der Kanton Zug analysiere die Werte über die Jahre und stelle fest, dass der Kanton Zug über alle Tabellen gesehen relativ konstant bleibe.

Man darf nicht die einzelne Zahl auf die Goldwaage legen.»

Roger Bisig, Leiter Amt für Landwirtschaft

Weiter gibt Wiederkehr zu bedenken: «Ein Grund für eher hohe Zuger Werte ist, dass wir ein sehr umfassendes Kontrollpaket haben. Wenn andere Kantone die vielen Kontrollpunkte auf drei Kontrollen aufteilen, wo wir nur eine machen, stört das natürlich die Statistik.»

Das sieht auch Amtsleiter Roger Bisig so. «Auch wenn die Statistik im Ganzen aussagekräftig ist, darf man nicht die einzelne Zahl auf die Goldwaage legen.»

Bisig hat ausserdem zwei weitere mögliche Antworten darauf, warum die Bauern im Kanton Zug zwar am wenigsten Sanktionen in Kauf nehmen mussten, jedoch bei den Mängeln die Nase vorn haben.

«Zum Einen kann es sich um kleinere Mängel handeln, welche die Minimumgrösse von 200 Franken unterschreiten und deshalb nicht zu Buche schlagen. Zum Anderen gibt es Bauern, die sind bereits im Pensionsalter, führen jedoch noch immer einen Landwirtschaftsbetrieb.» Diese müssen gemäss Bisig zwar die Normen gemäss ÖLN erfüllen, bekämen jedoch keine Direktzahlungen mehr. «Entsprechend können sie auch keine Kürzungen erfahren», so der Amtsleiter.

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