Zuger Läden sollen eine zusätzliche Stunde erhalten
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Im Kanton Zug ist man sich einig: Die Öffnungszeiten der Läden sind überholt. (Bild: Google Earth/Mirjam Fetz)

Wochentags bis 20 Uhr Zuger Läden sollen eine zusätzliche Stunde erhalten

3 min Lesezeit 2 Kommentare 18.08.2020, 05:00 Uhr

Eine Initiative verlangt, dass Läden im Kanton Zug länger offen haben dürfen. Die vorberatende Kommission stellt sich hinter das Begehren, will aber nicht so weit gehen wie der Regierungsrat.

Veränderte Haushalte, flexible Arbeitszeiten und moderne Familienstrukturen – der Wandel der Zeit schlägt sich im gesellschaftlichen Leben nieder. Und damit ändert sich auch das Konsumverhalten. Gerade deshalb wollen die Zuger Jungfreisinnigen, die JSVP des Kantons Zug und die Zuger JGLP mit ihrer Initiative den Läden ermöglichen, unter der Woche und am Samstag länger zu öffnen (zentralplus berichtete). Der Regierungsrat geht sogar noch weiter und will gänzlich liberale Ladenöffnungszeiten (zentralplus berichtete).

Die vorberatende Kommission hat sich nun mit den beiden Vorschlägen auseinandergesetzt. Sie entschied sich schliesslich für die Initiative «+1» und empfiehlt diese dem Kantonsrat zur Annahme. Demnach sollen Läden unter der Woche von 6 bis 20 Uhr offen haben dürfen, am Samstag bis spätestens 18 Uhr. Der Gegenvorschlag des Regierungsrates orientierte sich an anderen Kantonen und sah eine maximale Öffnungszeit von 6 bis 23 Uhr vor, auch samstags.

Verlängerung soll Ungleichbehandlung verhindern

Die Initianten glauben, dass die Anpassung überfällig ist, um den Bedürfnissen der heutigen Gesellschaft zu entsprechen. Auch der Regierungsrat glaubt an einen positiven Effekt: So würden längere Öffnungszeiten dem aktuellen Lebens- und Arbeitsrhythmus entsprechen. Ausserdem seien damit flexiblere Arbeitszeiten und mehr Teilzeitstellen möglich. Familie und Beruf könnten besser vereinbart werden.

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Nicht zuletzt soll die Anpassung auch der Benachteiligung der Geschäfte gegenüber jenen an Bahnhöfen, Tankstellen oder in umliegenden Kantonen mit liberaleren Öffnungszeiten entgegenwirken. In der Stadt Zürich beispielsweise haben einzelne Läden sogar bis 22 Uhr offen. Solche Angebote würden auch kantonsübergreifend genutzt, ist im Bericht der Kommission festgehalten.

Läden müssen nicht länger offen haben, wenn sie nicht wollen

Dass längere Öffnungszeiten den Schutz der Arbeitnehmenden gefährde, glaubt die Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut nicht. Er sei durch Gesamtarbeitsverträge und das Arbeitsgesetz gewährleistet.

Dennoch gab es innerhalb der Kommission auch Mitglieder, die sich gegen längere Öffnungszeiten aussprachen. Kleinere Geschäfte hätten keinen Bedarf, länger offen zu haben, so ihr Argument. Die Arbeitnehmenden hätten zudem ein Recht auf Erholung. Verlängerte Öffnungszeiten führten zudem zu mehr Lärm und Littering, so die Gegner.

Die Befürworter wiesen jedoch darauf hin, dass die Geschäfte nicht länger offen haben müssen, wenn sie nicht wollten. Ausserdem würde eine Verlängerung um eine Stunde auch kleinen Läden zugutekommen. Komplett liberale Öffnungszeiten würden hingegen nur grösseren Geschäften nützen.

Wie lange man im Kanton Zug künftig einkaufen kann, wird am 27. August im Kantonsrat diskutiert – womöglich hat dann das Volk das letzte Wort.

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2 Kommentare
  1. transit, 18.08.2020, 14:58 Uhr

    Frage mich grad ob diese JSVP und JGLP Mitglieder in die Läden stehen würden. Hier denkt wieder mal keiner ans Verkaufspersonal das nochmals eine Stunde länger arbeiten muss.
    Warum brauchen Herr und Frau Schweizer immer längere Öffnungszeiten? Die, welche das befürworten sind doch genau die, die anstatt um 18.50h noch husch in den Laden stürmen dann 19.50h kommen und sich ewig Zeit für ihren Einkauf lassen – alles schon selber erlebt. Mir tut das Verkaufspersonal leid

  2. Hans Peter Roth, 18.08.2020, 12:15 Uhr

    Mein Gegenvorschlag: Arbeitszeiten generell reduzieren (bei gleichem Lohn). Dann haben die Konsumneurotiker mehr Zeit, um zwischen den Regalen herumzulungern, Anna und Otto Normalverdiener (darunter auch die Kassiererinnen vom Shoppy-Poppy) haben mehr Freizeit, um sich mit den Kindern zu beschäftigen, die Arbeitslosenzahlen dürften weniger schnell ansteigen, und sogar die Jungfreisinnigen haben mehr Zeit, um sinnlose Initiativen herauszutüfteln.

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