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Zuger Krankenschwester zieht auf Whatsapp über schwangere Psychiatriepatientin her
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Die Fachfrau Gesundheit machte sich auf Whatsapp über ihre Patienten lustig. (Bild: Symbolbild/ber)

«Bitz behindered, weisch» Zuger Krankenschwester zieht auf Whatsapp über schwangere Psychiatriepatientin her

4 min Lesezeit 1 Kommentar 27.11.2019, 14:00 Uhr

Sie leitete vertrauliche Gesundheitsdaten weiter und spottete über die Menschen, die sie pflegen sollte. Davon ist die Zuger Staatsanwaltschaft überzeugt. Nun muss sich eine 26-jährige Fachfrau Gesundheit vor dem Strafgericht verantworten.

Wie kann man nur so zynisch sein? Diese Frage stellt sich unweigerlich, wer die Anklageschrift über die junge Frau liest, die am Mittwochnachmittag vor dem Zuger Strafgericht steht.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Fachfrau Gesundheit (FaGe, früher: Krankenschwester) vor, das Berufsgeheimnis verletzt zu haben. Ein Jahr lang soll sie immer wieder sensible Patientendaten mit Freundinnen ausgetauscht und sich auf Whatsapp über die Krankengeschichte lustig gemacht haben.

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Die Frau arbeitete in einer psychiatrischen Klinik. Im November 2016 wurde dort eine Patientin behandelt, die unter anderem mit Konzentrationsproblemen zu kämpfen hatte. Bei der Morgenrunde sollte die damals 23-Jährige Pflegerin mit ihr ein Gedächtnisspiel machen – was die Patientin schnell frustrierte.

«Leck, die isch so am Arsch.»

Chatverlauf

«Si hed mi höt Morge so richtig gnervt», schrieb die Fachfrau Gesundheit entnervt einer Kollegin, die in einer anderen Klinik arbeitet. «Huere müehsam», sei die Patientin gewesen. Zur Illustration schickte sie mutmasslich per Whatsapp zwei Fotos von einem Computerbildschirm, auf denen nicht nur der Name der Patientin zu lesen war, sondern auch deren psychiatrische Diagnose.

Die Frau hat eine Persönlichkeitsstörung: «Hahahaha»

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass dieses rücksichtslose Verhalten kein Einzelfall war. Als sie eine ehemalige Patientin am Bahnhof sah, soll sie ebenfalls an die Kollegin geschrieben haben. «Leck, die isch so am Arsch» und «Wie lang gahds echt, bis si wieder chund» stand in den Nachrichten, die gesichert werden konnten.

Auch eine andere Patientin nannte sie namentlich gegenüber einer Bekannten. Mehr als 90 Kilogramm sei diese schwer, machte sie sich lustig. Und dann habe sie auch noch eine «shizo afektivi persönlicheitsstörig oder so hahahahaha», wie es in der Nachricht heisst. Über eine Patientin mit Drogenproblemen soll sie geschrieben haben: «Krasss… voll abdrüffned… scheisse» und «Mer cha sich s’lebe scho selber kabut mache».

«Da esch d’höll los, hahaha»

Chatverlauf

Teils hielt die Frau ihre Kollegin offenbar den ganzen Tag auf dem Laufenden darüber, was in der Klinik gerade abging. Brühwarm erzählte sie morgens von einem Selbstmord, der sich ereignet hatte. Und am Nachmittag teilte sie mit: «Allllteee eini schwanger da.»

Die betroffene Patientin wusste zum Zeitpunkt selber noch nichts von der Schwangerschaft. Der zuständige Arzt hatte mit der Pflegerin gerade besprochen, wie man es ihr möglichst schonend beibringen sollte. «Da esch d’höll los, hahaha», liess die Fachfrau Gesundheit daraufhin ihre Kollegin wissen. Die Patientin sei «älter, aber bitz behinderet, weisch», also «minderintelligent und so». Sie habe über eine Datingapp einen Mann kennengelernt. Der höhnische Kommentar der FaGe: «Hahaha, gad schwanger».

Zeugin bedroht und zu Boden geworfen

Ärzte, Ärztinnen und das Pflegepersonal haben jeden Tag mit schwierigen Situationen zu kämpfen. Einen gewissen Zynismus zu entwickeln, gilt fast als Berufsrisiko. Mit ihren gefühlslosen, ja menschenverachtenden Nachrichten hat die Fachfrau Gesundheit den Rahmen des Zulässigen aus Sicht der Staatsanwaltschaft aber deutlich überspannt.

Ans Licht kam das Ganze, weil eine Coiffeuse der Klinikleitung im November 2017 den Tipp gab, dass ihre Angestellte Patientendaten an Dritte weiterleitet. Dies führte aber offenbar nicht dazu, dass diese ihren Fehler eingesehen hätte. Im Gegenteil.

«Karma wird dich noch, glaub ich, komplett zerficken.»

Aus der Hass-Nachricht des Freundes

Wenige Wochen nach der Meldung wurde die Coiffeuse vor ihrer Haustüre von Unbekannten derart zusammengeschlagen, dass sie einige Tage im Spital verbringen musste. Gemäss Anklageschrift hetzte die Frau ihren damaligen Freund kurz danach auf, die «Petze» zu bedrohen. Er tat dies Ende November 2017 mit einer Instagram-Nachricht, die an Dreistigkeit nur schwer zu überbieten ist.

Dass er die Coiffeuse eine «Hexe» und «Untermensch» nannte, ist noch das harmloseste. Die Nachricht ist in der Anklageschrift vollständig zitiert. Darin kündigt der Mann an, die Frisörin an den «Haaren aus dem Laden» zu ziehen. Das Karma werde sie «komplett zerficken».

Gleichentags stand die FaGe zusammen mit ihrer Kollegin aus der anderen Klinik und deren Freund vor der Haustüre der Frisörin. Die drei sollen die Zeugin bedroht haben.

Einige Tage später, anfangs Dezember, soll auch noch die Mutter der Beschuldigten die Coiffeuse bei einer zufälligen Begegnung im Treppenhaus zu Boden gestossen haben.

Die FaGe habe dann die Gelegenheit ergriffen und ihr Opfer am Rossschwanz gezerrt, als sie sich aufrappeln wollte. Die Hairstylistin hat sich dabei gemäss Anklageschrift Prellungen und eine leichte Verstauchung zugezogen.

Bedingte Geldstrafe gefordert

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass sich die Frau der Verletzung des Berufsgeheimnisses, einer Widerhandlung gegen das Datenschutzgesetz, der Anstiftung zur Drohung und einer Tätlichkeit schuldig gemacht hat. Sie beantragt, die Frau zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à je 30 Franken zu verurteilen.

Die insgesamt 2’700 Franken soll sie aber nur bezahlen müssen, wenn sie innerhalb einer Probezeit von zwei Jahren wieder straffällig wird. So oder so bezahlen soll sie eine Verbindungsbusse von 540 Franken und eine Übertretungsbusse von 200 Franken.

Wie sich die Verteidigung zu den Vorwürfen stellt, zeigt sich in der Verhandlung am Mittwochnachmittag. Hier lest ihr den zweiten Teil dieser Geschichte.

Die Zitate aus dem Chatverlauf werden wörtlich wiedergegeben. Zum besseren Verständnis wurde aber die fehlende Interpunktion ergänzt.

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1 Kommentare
  1. LB, 27.11.2019, 17:19 Uhr

    Liebe Frau Berger und Zentraplus-Team
    Darf ich Sie bitten, das nächste Mal ein wenig besser zu recherchieren und die richtigen/ aktuellen Fachausdrücke (auch imTitel) zu gebrauchen. Eine Fachfrau Gesundheit (kurz FaGe) ist keine diplomierte Pflegefachfrau (früher Krankenschwester). Das sind zwei verschiedene Berufsgruppen mit unterschiedlichen Verantwortungsgraden in der Pflege. Wenn Sie schon über ein Thema berichten, alte und nicht mehr gängige Ausdrücke verwenden, dann bitte doch die richtigen.