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Zuger Köchin zaubert uns ein Menü mit dem, was trotz Krise niemand kauft
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Champignons in der Dose, in diversen Versionen. Was sie gemein haben: Niemand will sie. (Bild: wia)

Teil 1: Kochen mit unbeliebten Ladenhütern Zuger Köchin zaubert uns ein Menü mit dem, was trotz Krise niemand kauft

5 min Lesezeit 30.03.2020, 11:45 Uhr

Hilfio, die Restaurants sind zu. Und samstags im Coop sind die Gestelle wie leergefegt. Doch gewisse Lebensmittel bleiben hartnäckig liegen. Was kann man daraus zubereiten? Die Küchenchefin des Zuger Restaurants Meating verrät es uns.

Die Schweizer haben ihre grosse Liebe zu Büchsenfutter entdeckt. Die leergefegten Regale im Baarer Coop jedenfalls suggerieren es. Keine Dosenerbsen mehr, keine Ravioli, erst recht keine gehackten Tomaten.

Auch bei Frischprodukten zeigt sich das Phänomen. Die Corona-Krise weckt in uns den Überlebenstrieb, man will gewappnet sein für den totalen Lockdown. Wenn alles schief läuft, will man zumindest eine Woche über die Runden kommen, ohne das Haus verlassen zu müssen. Falsch ist das nicht, solange man nicht palettweise Büchsen hortet und 400 Liter Mineralwasser.

Interessanterweise gibt es jedoch trotzdem Lebensmittel, die in Hülle und Fülle in den Ladenregalen liegen bleiben, obwohl links und rechts alles leergeräumt ist.

Als Beispiel:

Champignons in der Dose, in diversen Versionen.

Champignons in der Dose. Wer das kauft? Genau: Niemand. Wer Pilze mag, kauft sich die frischen Exemplare, die nicht nur deutlich besser schmecken, sondern erst noch aus der Schweiz kommen. Entsprechend fristen deren konservierte Artgenossen ein trauriges Dasein. Bis jetzt!

Astrid Oehen, die Küchenchefin des Restaurant Meating in Zug, sagt dazu: «Dosenchampignons sind der Grund, warum die meisten Menschen Pilze nicht mögen. Der Geschmack entspricht nicht dem richtigem Geschmack der Champignons. Kein Wunder, will die niemand.»

Trotzdem kreiert sie todesmutig ein Rezept für uns. Und das geht so:

Cremiges-Risotto mit Champignons für zwei

100 g Dosen-Champignons
50 ml Champignon-Fond (Abtropffond)
1 EL Rapsöl
½ TL Butter
150 g Risotto-Reis
50 ml Weisswein
Salz, Pfeffer
250 ml Gemüsebouillon
1 Schalotte oder ½ Zwiebel
1 Knoblauchzehe
50 g Parmesan
½ TL Butter
¼ Bund Petersilie gehackt

Die Champignons in ein Sieb geben und das Wasser in einer Schale auffangen. Die Champignons halbieren und in Viertel schneiden. Die Schalotten schälen, fein würfeln und zusammen mit dem Rapsöl in einem Topf erhitzen.

Die Butter, den Knoblauch und die Champignons mit in den Topf geben und so lange anschwitzen, bis die Zwiebeln glasig sind.

Den Risotto-Reis ebenfalls hineingeben und für drei Minuten mit anschwitzen, währenddessen gut umrühren. Anschliessend mit Weisswein ablöschen und mit einer guten Prise Salz und Pfeffer würzen. Die Gemüsebrühe und das Champignon-Wasser aus dem Glas beziehungsweise aus der Dose werden separat erhitzt und nach und nach beigegeben.

Zuletzt (nach etwa 20 Minuten Kochzeit) kommen Parmesan, Butter und Petersilie in das Champignon-Risotto. «Nun kann dem Genuss des cremigen Risottos nichts mehr im Wege stehen», sagt Oehen.

Als vitaminreiche Beilage gibt’s…

Kefen. Iiiiih? Tut uns leid, aber die Gemüsetheke ist relativ leer und mehrere Packungen gefrorenen Kefen liegen unangetastet im Kühlregal.

Gähnende Leere. Mittendrin: eine Menge Tiefkühl-Kefen.

Astrid Oehen sagt dazu: «Tiefkühl-Kefen, ich denke, da haben viele Leute schlechte Kindheitserinnerungen, ähnlich wie bei Rosenkohl. Hätten wir jetzt Herbst oder Winter, dann wäre es der Rosenkohl, der da liegt», sagt sie lachend.

Eigentlich zu Unrecht, wie sie weiter erklärt: «Das Beste an Kefen ist, dass sie viele wertvolle Inhaltsstoffe aufweisen. Neben Vitamin C enthalten Kefen viel Provitamin A, Folsäure sowie die Mineralstoffe Kalium, Phosphor und Magnesium.»

Als Beilage zum Risotto gibt’s deshalb:

Kefen-Rüeblisalat

Dieser könne auch mit Dosenchampignons anstelle von Rüebli gemacht werden, sagt Oehen einleitend. Wir belassen’s bei den Rüebli. Man nehme für zwei Personen:

1 ½ EL Balsamico-Essig
1 Bund Basilikum, frisch
200 g Kefen
1 Knoblauchzehe
3 ½ EL Olivenöl
½ Prise Pfeffer
15 g Pinienkerne
150 g Rüebli
½ Prise Salz
½ Prise Zucker

Die Kefen kurz in kochendem Salzwasser blanchieren. Anschliessend umgehend in kaltem Wasser abschrecken und abtropfen lassen. Die Rüebli schälen und in feine Scheibchen schneiden. Den Knoblauch schälen.

Die knackigen Pinienkerne in einer Pfanne ohne Zusatz von Öl für einige Minuten anrösten. Den frischen Basilikum waschen, trocken schütteln und die Blätter von den Stängeln abzupfen.

Für das Dressing den Knoblauch in eine Schüssel pressen und mit dem Balsamico verrühren. Das Öl langsam eingiessen und gut mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker verrühren. Den Balsamico mit den Kefen und den Rüebli in die Schüssel geben und gründlich mit dem Dressing vermengen. Umgehend servieren, mit den gerösteten Pinienkernen garnieren und geniessen.

Die überraschend ungeliebte Ananas zum Dessert

Zeit fürs Dessert. Was uns beim Einkauf auffällt: Die Box, in der frische Ananas liegen, ist gestossen voll. Offenbar will aktuell noch niemand zu dieser tropischen Frucht greifen. Vielleicht, weil’s noch zu kalt ist draussen, werweisst Astrid Oehen. Jedenfalls gibt’s aktuell genug davon.

Warum will keiner Ananas?

Ebenfalls erstaunlich: Im Guetsli-Gestell liegt nicht mehr allzu viel, doch ist das Regal mit den «MC Vitie’s Digestive»-Keksen noch voll.

«Der Grund, warum die als Ladenhüter bleiben, ist sicherlich der Preis. Die Wiener Kringel daneben haben die gleiche Anzahl Gramm und sind einiges günstiger», so Oehen. Sie hat denn sogleich einen Plan, wie sie die beiden Lebensmittel verbinden kann.

Der Grund, dass die Digestives liegenbleiben, dürfte wohl der Preis sein.

Ananas-Mascarponecreme mit MC-Vitie’s-Crumble

Obacht, jetzt wird’s schick. Und etwas schnapsig.

Zutaten für 2 Gläser:

180 g Mascarpone
15 g Puderzucker
½ Vanilleschote
15-20 ml Milch
20 Mc-Vities Kekse
Saft einer Orange und Zeste
1 Limette
100 g Ananaswürfel frisch
etwas dunkle Schokolade
als Deko ein paar Minzblättchen

Zubereitung:

Den Mascarpone zusammen mit Puderzucker und Vanillemark in eine Schüssel geben. Die Schale einer halben Limette reiben, dazugeben und den Saft aus beiden Limetten darüber pressen. Alles mit dem Handrührgerät oder dem Schneebesen vermengen, dabei langsam die Milch dazugeben, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Die Creme abschmecken und kurz beiseite stellen.

In jedes Glas ein bis zwei Kekse Mc Vitie’s bröseln. Den Orangenlikör und Orangensaft inklusive Zeste vermischen und gleichmäßig auf alle Gläser verteilen.

Die Creme auf die betrunkenen Kekschen verteilen. Die Ananaswürfel dekorativ auf der Creme anrichten. Etwas dunkle Schokolade darüberraspeln und mit einem Minzblättchen dekorieren.

Bis zum Servieren im Kühlschrank aufbewahren, rät die «Meating»-Küchenchefin.

Bon Appétit!

Und wer noch nicht genug hat: Weil uns Astrid Oehen so viele aufregende Rezepte geliefert hat, werden wir «Kochen mit unbeliebten Ladenhütern» gleich in mehreren Etappen veröffentlichen. Unter anderem wird die Köchin folgende wichtige Frage beantworten: Was zum Teufel macht man aus Dosen-Jackfruit?

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