<p>Am Donnerstag wurde im Zuger Kantonsrat über das Sparpaket Finanzen 2019 diskutiert.</p>
  • Politik
Schön, aber eng und im Sommer heiss: Der Kantonsratssaal im Regierungsgebäude. (Bild: Kilian Bannwart)

Der alte Saal ist zu eng und stickig Zuger Kantonsräte träumen von neuem Ratsgebäude am See

5 min Lesezeit 5 Kommentare 24.11.2021, 04:59 Uhr

Die Coronapandemie hat den Zuger Kantonsrat zum temporären Umzug gezwungen. Der bisherige Standort im Regierungsgebäude war zu klein. Ohnehin habe er viele Nachteile, finden Politiker aller Parteien. Der Zuger Kantonsrat soll in ein neues Ratsgebäude ziehen – auf dem Areal des ehemaligen Kantonsspitals ins Gespräch. Kommt der Vorschlag zu spät?

Die Mängelliste ist lang. Wäre der Zuger Kantonsratssaal eine Wohnung, würde der Mieter wohl so einiges kritisieren. Das Parlament ist zwar nicht neu im Gebäude: Seit 1873 hält es seine Sitzungen im Regierungsgebäude ab. Doch nun könnte die historische Ära ein Ende nehmen. Mehrere Politikerinnen fordern ein neues Ratgebäude für den Kantonsrat.

«Im Sommer ist es oft sehr heiss. Öffnet man die Fenster, versteht man das eigene Wort fast nicht mehr», zählt SVP-Fraktionschef Philip C. Brunner einige der Nachteile des Raumes auf. Zur schlechten Akustik und fehlenden Klimaanlage kommen die knappen Platzverhältnisse. «Es ist überhaupt nicht zuschauerfreundlich», sagt Mitte-Kantonsrätin Monika Barmet. Der Saal ist sehr eng, wenn Schulklassen oder andere Gäste zu Besuch sind, umso mehr. «Wer aufsteht, löst eine Kaskade an Bewegungen aus. Es ist wirklich unwürdig», sagt Brunner.

Weil kaum elektrische Anschlüsse für die Laptops und Handys vorhanden sind, streiten sich die Parlamentarier nicht nur um inhaltliche Differenzen, sondern auch um den Strom. In den Pausen plaudern sie im Treppenhaus statt wie in Bern in der Wandelhalle. Und die Kommissionssitzungen finden mangels ständigem Kommissionszimmer mal im Gebäude der Zuger Polizei, mal in der Pädagogischen Hochschule oder beim Kaufmännischen Verband statt. 
«Die Kommissionen des Kantonsrats sind wie in einem Wanderzirkus unterwegs», beklagt Brunner. Nicht zuletzt sei die Sicherheitssituation seit dem Attentat zwar deutlich verbessert, aber nach wie vor ungenügend.

Zuger Kantonsrat soll in ein neues Ratsgebäude ziehen

Kurzum: Die Situation ist unbefriedigend. Zuger Kantonsrat soll in ein neues Ratsgebäude ziehen, finden Brunner und Barmet. In einem Postulat schlagen die beiden gemeinsam mit vier weiteren Kantonsräten einen neuen Saal auf dem Areal des ehemaligen Kantonsspitals vor. Monika Barmet verweist darauf, dass laut dem Bebauungsplan eine öffentliche Nutzung vorgesehen ist. «Jetzt ist der Moment gekommen, um zu überlegen, ob es sich für einen neuen Kantonsratssaal eignet.»

«Wir haben in Zug traditionell die Angewohnheit, immer sehr bescheiden aufzutreten. Jetzt darf es nach 150 Jahren auch mal etwas Grosszügiges für die Legislative sein.»

Philip C. Brunner, SVP-Fraktionschef

Den Initianten schwebt ein grosszügiger Eingangsbereich vor, mit genügend Sitzplätzen für das Publikum und die Medien. Der Kanton stehe finanziell so gut da, dass er sich einen «repräsentativen Neubau» leisten könne.

«Wir haben in Zug traditionell die Angewohnheit, immer sehr bescheiden aufzutreten», sagt SVP-Kantonsrat Philip C. Brunner. «Der Kanton hat in den letzten Jahren, mit Ausnahme vom Kantonsspital, Strassen- und Schulbauten, wenig grosse Würfe realisiert – jetzt darf es nach 150 Jahren auch mal etwas Grosszügiges für die Legislative sein.»

Debattieren mit Aussicht: Auf dem Areal des ehemaligen Kantonsspitals soll ein Neubau für den Kantonsrat entstehen, so der Vorschlag.

Aber nicht nur das Parlament soll den Saal nutzen können. Im neuen Raum könnten auch Kongresse, Vorträge, Seminare, Konzerte oder Kulturveranstaltungen stattfinden. Denn das jetzige Angebot in der Stadt Zug – Casino, Burgbachsaal, Siebachsaal oder Panorama24 – sei für grosse Anlässe eher bescheiden. «Wir sind das Crypto Valley, aber haben keinen adäquaten Veranstaltungsort für eine internationale Blockchain-Konferenz», nennt Brunner ein Beispiel.

Tradition und Emotionen: Nicht alle sind begeistert

Gereift ist die Idee im Zuge der Coronakrise. Monika Barmet, bei Ausbruch der Pandemie Kantonsratspräsidentin, musste auf die Schnelle eine Alternative zum Regierungsgebäude organisieren. Denn dort können die Abstände nicht eingehalten werden. «Es war wirklich schwierig, etwas Passendes zu finden», sagt die Mitte-Politikerin und bestätigt: «Es fehlt ein Raum für eine regelmässige, grössere Veranstaltung.»

Inzwischen ist der Kantonsrat fündig geworden: Er tagt meist in der Dreifachturnhalle der Kantonsschule in Zug. Doch der Aufwand für die Sitzung «extra muros» sei jeweils beträchtlich.

«Auch mir ist der Kantonsratssaal sehr ans Herz gewachsen. Aber er entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen.»

Monika Barmet, Mitte-Kantonsrätin

Jetzt steht also zur Debatte, ob der Kantonsrat überhaupt wieder zurückkehren oder zu neuen Ufern aufbrechen soll. Der Vorstoss, so viel ist klar, hat gute Chancen, an der Sitzung diesen Donnerstag überwiesen zu werden. Denn mit Brunner (SVP), Barmet (Mitte), Karen Umbach (FDP), Tabea Zimmermann Gibson (ALG), Barbara Gysel (SP) und Daniel Stadlin (GLP) haben Vertreter aller Parteien unterzeichnet.

Das heisst nicht, dass Kritik ausgeschlossen ist. «Natürlich sind nicht alle begeistert», räumt Philip C. Brunner ein. Manchen sei die Tradition und die emotionale Bindung zum Regierungsgebäude wichtig. «Auch mir ist der Kantonsratssaal sehr ans Herz gewachsen», sagt Monika Barmet. «Aber er entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen.» Jetzt, nach 150 Jahren, bestehe eine einmalige Chance, das Problem näher zu analysieren, ergänzt Brunner.

Der bisherige Saal müsse ja nicht zu einem «normalen Büro» verkommen, sondern könnte ein Ort werden für Zeremonien oder Feiern. «Heute kann der Saal ja nicht von der Öffentlichkeit genutzt werden. Das könnten wir ändern», sagt Barmet.

Kommt die Idee auf dem alten Kantonsspitalareal zu spät?

Das alles mag dafür sprechen, einen Neubau ins Auge zu fassen. Doch ein Punkt könnte sich als Nachteil erweisen: Die Planung für das ehemalige Kantonsspital-Areal an der Artherstrasse ist bereits im Gange. Im Frühling 2019 startete der Ideen- und Investorenwettbewerb für das Juwel an bester Lage (zentralplus berichtete).

Der Bebauungsplan für das alte Kantonsspital-Areal in Zug sieht eine öffentliche Nutzung vor.

Allerdings kam es zu Verzögerungen. Der Architekturwettbewerb sollte gemäss ursprünglichem Plan dieses Jahr folgen. Doch noch ist nicht einmal klar, welche Investoren zum Zuge kommen. Über den aktuellen Stand der Planung konnte die Baudirektion am Dienstag keine näheren Auskünfte geben. Klar ist: Die von den Investorenteams vorgeschlagenen Nutzungen machten Zusatzabklärungen nötig, wie aus dem aktuellen Geschäftsbericht des Kantons hervorgeht.

Philip C. Brunner geht davon aus, dass der Entscheid über den Investorenwettbewerb demnächst fallen wird. Und gerade für sie, die Investoren, wäre es eine neue Ausgangslage, falls auf dem Areal nun noch ein Haus der Politik entstehen soll. «Wir sind spät», räumt der SVP-Kantonsrat ein. «Aber besser spät als gar nie.»

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5 Kommentare
  1. Hans Peter Roth, 25.11.2021, 00:46 Uhr

    Aber Herr Brunner! Der adäquate Sitzungssaal für das Parlament des Crypto Valleys kann nur ein «Darkroom» sein.

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  2. O. Stenz, 24.11.2021, 15:46 Uhr

    Träumen darf jeder. Ich träume von einem schmucken Haus am See. So lange sie es aus ihren eigenen Mitteln finanzieren, ist es mir egal. Aber gegen den Einsatz von Steuergeldern werde ich auf die Barrikaden gehen.

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  3. Onlyone, 24.11.2021, 14:20 Uhr

    Klar. Für unsere Eliten nur das Beste. Ein goldener Thron für Jeden ist wohl das mindeste. Die Bürger haben ja genug Geld.

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  4. smokymale, 24.11.2021, 08:12 Uhr

    Ja logisch wieder mal nur das Beste vom Besten – typisch

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  5. Sakura1980, 24.11.2021, 07:09 Uhr

    Der Kanton Zug hat genügen Geld, jedoch haben wir ins unserem Amt auch wenig Platz und sind überarbeitet. Mehr Personal wird nicht bewilligt und eine bessere Platzsituation ist nicht absehbar. Der KR sollte bescheiden bleiben, schliesslich tagt er nicht täglich.

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