Kanton Zug rechnet mit dritter Corona-Welle
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(v.l.) Jonas Zollinger (Hirslanden Andreas-Klinik), Matthias Winistörfer (Zuger Kantonsspital), Martin Pfister (Gesundheitsdirektor) und Rudolf Hauri (Kantonsarzt) informierten über die Lage. (Bild: mam)

Lage derzeit stabil Kanton Zug rechnet mit dritter Corona-Welle

4 min Lesezeit 9 Kommentare 11.11.2020, 15:11 Uhr

In den Zuger Spitälern befinden sich derzeit rund 30 Corona-Patienten auf der Bettenstation, fünf Personen werden intensiv betreut. Die Kapazitäten sind noch nicht ausgelastet. Trotz der leichten Zuversicht sprechen die Gesundheitsexperten bereits von der dritten Welle.

Der Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister hat am Mittwochnachmittag zusammen mit Kantonsarzt Rudolf Hauri und den beiden Spitaldirektoren Jonas Zollinger (Hirslanden Andreas-Klinik) und Matthias Winistörfer (Kantonsspital Zug) über die aktuelle Lage der Covid-Situation im Kanton informiert. Zwar scheinen sich die Fallzahlen zu stabilisieren, «die Lage ist aber nach wie vor angespannt», sagte Pfister. Es sei noch zu früh, Zuversicht zu zeigen.

Auch Kantonsarzt Hauri erkennt in den Zahlen eine gewisse Stabilität. Diese hat er schwarz auf weiss: In den vergangenen sieben Tagen wurden im Kanton Zug jeweils zwischen 37 und 95 Neuinfektionen pro Tag gemeldet. Täglich müssen rund 500 Personen in Isolation, gut 400 in Quarantäne. «Knapp 40 Prozent der Erkrankten sind in einem Alter, in dem die Wahrscheinlichkeit grösser ist, dass der Krankheitsverlauf schwerer wird», sagt Hauri.

«Ein grosser Teil der Fälle konnte nicht rekonstruiert werden.»

Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri

Wegen des schnellen Anstiegs in den vergangenen Wochen kam auch das Contact Tracing und die Rückverfolgung der Ansteckungsketten an den Anschlag. Die Lungenliga konnte nicht mehr mithelfen, der Kanton musste das Contact Tracing plötzlich allein stemmen und der Überblick über die Orte, wo sich die Patienten angesteckt hatten, ging zwischenzeitlich verloren. Mittlerweile konnten wieder einzelne Cluster rekonstruiert werden, erklärt Hauri. In den kommenden Wochen wollen die Gesundheitsexperten die Rückverfolgung der Ansteckungen wieder in den Griff bekommen.

Fest steht aber schon jetzt: Nach wie vor ereignen sich die meisten Ansteckungen im Freundes- und Familienkreis statt, sagt Hauri. In den vergangenen Tagen sei es auch in kleineren Sportvereinen, vor allem im Amateur-Bereich, zu Ansteckungen gekommen. «Ein grosser Teil der Fälle konnte aber nicht rekonstruiert werden.»

«Das Gesundheitswesen ist leistungsfähig, auch bei Fällen, die nichts mit Corona zu tun haben.»

Matthias Winistörfer, Direktor des Zuger Kantonsspitals

Trotzdem scheinen die Spitäler die Lage im Griff zu haben: Bisher hätten keine Eingriffe abgesagt werden müssen, einige seien jedoch auf den Frühling verschoben worden, sagt etwa Jonas Zollinger, Direktor der Hirslanden Andreas-Klinik. Auch Matthias Winistörfer, Direktor des Zuger Kantonsspitals, erklärt, dass noch Kapazitäten vorhanden seien. Dies, obwohl auch Patienten aus dem Kanton Schwyz in Zug untergebracht gewesen seien. Derzeit befänden sich 29 Personen auf der Bettenstation, vier Personen auf der Intensivstation. Zehn weitere Personen sind ebenfalls in stationärer Behandlung, bei ihnen liegen die Testresultate aber noch nicht vor.

«Das Spital ist nicht am Anschlag», sagt Winistörfer. Auf der Bettenstation könnten kurzfristig 40 weitere Patienten behandelt werden. In den vergangenen Tagen seien zudem 20 nicht dringende Eingriffe verschoben worden. Winistörfer warnt jedoch, nicht zu zögern, wenn jemand Beschwerden hat. «Das Gesundheitswesen ist leistungsfähig, auch bei Fällen, die nichts mit Corona zu tun haben.»

Kommt die dritte Welle im Frühling?

Trotz all dieser Zuversicht ist die Pandemie noch nicht ausgestanden. Schon diese Welle kam schnell und heftig. Laut Gesundheitsdirektor Pfister wurden am 2. Oktober erstmals 25 Fälle gezählt – in den zwei Tagen zuvor hatte es keine gegeben. Und seit diesem Zeitpunkt sank die Zahl nie mehr unter 25. Das hat gemäss Kantonsarzt Hauri auch mit der Art des Virus zu tun: «Wir sprechen hier nicht mehr vom Wuhan-Virus, das ist bei uns praktisch verschwunden.» Das neue Coronavirus sei zwar nicht aggressiver, dafür aber leichter übertragbar.

Und auch wenn die Zahlen jetzt stagnieren und die zweite Welle gemäss Hauri noch in diesem Jahr abflachen dürfte, sprechen er und Pfister bereits von der dritten Welle. «Die Sportferien werden ein neuralgischer Punkt sein», sagt Hauri. In der Schweiz werde die dritte Welle gegen den Frühling erwartet. Das hängt aber auch vom Verhalten der Bevölkerung ab.

Gesundheitsdirektor Pfister sieht jedoch auch einen Grund zur Hoffnung. «Diese Pandemie ist nicht von Dauer. Es wird eine Zeit der Normalität geben.» Dank Impfungen oder weniger aggressiven Viren könnte dies bereits im Laufe des nächsten Jahres Realität werden.

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9 Kommentare
  1. mebinger, 14.11.2020, 17:28 Uhr

    Lena Berger: Die 2769 Toten beziehen sich auf über 9 Monate und sind völlig irrelevant, da nicht mehr zwischen Grippe und Corona unterschieden wird und es sehr wahrscheinlich ist, dass die Hälfte dieser toten nicht da Geringste mit Corona zu tun haben, wir haben . Die ganze Pandemie ist ein ganz natürlicher jährlich wiederkehrender Vorgang und ein verbrecherische Fehlarm. Es sterben mehr an den Massnahme als an einem Virus

    1. Redaktion Lena Berger, 15.11.2020, 09:07 Uhr

      Ich beziehe mich auf das BAG als offizielle Quelle. Sie behaupten, die Massnahmen würden mehr Menschen töten. Woran machen Sie diese Behauptung fest?

  2. mebinger, 14.11.2020, 17:22 Uhr

    Jö, da nach der zweiten Welle dank den Massnahmen eh die halbe Schweiz suizidgefährdet oder Konkurs gegangen ist, ist es eigentlich völlig Wurst wie viele Welle noch konstruiert werden

  3. Roli Greter, 11.11.2020, 23:10 Uhr

    Der Titel ist falsch, richtig wäre: „Nur die Herren Hauri und Pfister erwarten eine dritte Welle.“ Medial wird das vermutlich schon viel früher der Fall sein 😉
    Nid übersüūre Buebe

    1. Redaktion Lena Berger, 13.11.2020, 10:52 Uhr

      Das ist so nicht richtig. Auch die Aargauer Regierung beispielweise bereitet sich auf dieses Szenario vor. Die Spanische Grippe verlief übrigens ebenfalls in drei Wellen, wie unter anderem in diesem Artikel aufgezeigt wird.

    2. Roli Greter, 15.11.2020, 09:11 Uhr

      Frau Berger, bitte bleiben sie beim Kanton Zug wie im Titel vermerkt. Dieser ist sogar wissentlich falsch, Journalismus geht anders. Ich kann Sie verstehen wenn Sie Ihren Arbeitgeber verteidigen, Ehrlichkeit und guter Journalismus würde Ihnen jedoch viel besser stehen. Wenn Sie unbedingt bei der falschen Aussage bleiben wollen müssen Sie die entsprechenden Konsequenzen tragen können.

  4. Andreas Peter, 11.11.2020, 17:22 Uhr

    Nachdem es weder eine erste noch eine zweite Welle gab, „hoffen“ wir nun auf die Dritte?
    Wir sprechen von einer „Pandemie“ an der bei uns fast niemand stirbt, mit unerhörten Gegenmassnahmen.
    Worum geht es hier eigentlich wirklich? Geldsystem?

    1. Redaktion Lena Berger, 12.11.2020, 09:59 Uhr

      Hier listet das Bundesamt für Gesundheit die Zahlen zur Covid-19 Situation in der Schweiz auf. Stand heute: 2769 laborbestätigte Todesfälle.

    2. Roli Greter, 15.11.2020, 09:13 Uhr

      Es geht schon lange nur noch darum nicht sein Gesicht zu verlieren. Dass sie Massnahmen keinen entscheidenden Einfluss haben ist mittlerweile nur noch den Ignoranten unklar, dazu gehören auch die meisten Medien. Wir wissen wohin das führen kann.

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