Zuger Jäger und Landwirte spannen zusammen, um Rehkitze zu retten
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Dank dem Einsatz der ehrenamtlichen Rettungskräfte wurde dieses Jungtier vor dem Tod bewahrt. (Bild: zvg / ZKPJV)

Hightech-Drohne als Lebensretter Zuger Jäger und Landwirte spannen zusammen, um Rehkitze zu retten

4 min Lesezeit 01.05.2021, 12:30 Uhr

Wenn Bauern im Frühsommer mit ihren Mähdreschern zu Werke gehen, endet das für viele frisch geborene Rehkitze tödlich. Darum haben Zuger Jäger im Verbund mit Landwirten und dem Kanton ein Projekt ins Leben gerufen, das die jungen Tiere dank modernster Drohnen-Technik vor dem Tod retten soll.

Rehkitze haben einen grossen Jöö-Effekt. Umso tragischer ist es, wenn man die niedlichen Jungtiere im Frühling von Maschinen getötet auf den gemähten Wiesen vorfindet. «Das Klagen eines sterbenden Rehkitzes geht durch Mark und Bein», sagt der Zuger Jäger Beda Schlumpf, er ist Präsident des Zuger Kantonalen Patentjägervereins (ZKPJV).

Besonders viele Tiere sterben im Zeitraum zwischen Mai und Juni in den ersten drei Wochen nach der Geburt. Die Rehgeissen führen ihre Jungtiere in die Wiesen, wo es Nahrung im Überfluss gibt. Leider deckt sich diese Zeit meistens mit den ersten Mäh-Einsätzen der Landwirte. Weil sich der Fluchtinstinkt der Rehkitze aber erst nach rund drei Wochen entwickelt, drücken sich die Tiere auf den Boden und verharren regungslos – bis es zu spät ist und sie in die nahende Maschine geraten.

Pro Jahr kommen so um die 1’700 Jungtiere in der Schweiz ums Leben. Mindestens. Denn gemäss Beda Schlumpf ist die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch. «Man geht davon aus, dass 50 Prozent der Fälle nicht gemeldet werden.» Und dies, obwohl ein zerfahrenes Rehkitz meldepflichtig wäre.

Jäger, Bauern und Kanton spannen zusammen

Seit diesem Jahr läuft deshalb im Kanton Zug eine neue Form der Rehkitzrettung. Mit aufgerüsteten Mavic-Drohnen, sogenannten Bambi-Kits, fliegen die Retter über Wiesenabschnitte und schauen mittels Wärmebildkamera, ob sich im hohen Gras Rehkitze befinden. Diese werden dann mit Holzharassen am Rande des Feldes in Sicherheit gebracht. Spätestens nachdem der Bauer die Fläche gemäht hat, werden die Tiere wieder freigelassen. Wo sich 2020 noch das Amt für Wald und Wild (AFW) für die Einsätze verantwortlich zeigte, liegt die Hauptarbeit heuer beim ZKPJV.

«Für uns Jäger ist das eine Herzensangelegenheit.»

Beda Schlumpf, Präsident Zuger Kantonaler Patentjägerverein

Ein Team von 24 Piloten – 22 Jäger, ein Landwirt und ein externer Pilot – beteiligen sich heuer an dem Projekt, ehrenamtlich. «Die Jäger investieren rund 300 Stunden in diese Aufgabe», so Jäger Beda Schlumpf. «Für uns ist das eine Herzensangelegenheit.» Nebst den Rettungseinsätzen kommt auch noch die Ausbildung dazu – jeder Teilnehmer hat eine Schulung im Umgang mit der Drohne erhalten.

Die Schulung umfasst drei Module zu je zwei Stunden und wird vom Amt für Wald und Wild durchgeführt. Für die Zuger Rehkitzrettung stehen derzeit drei Drohnen bereit. Zwei davon haben der ZKPJV und der Zuger Bauernverband für je 10’000 Franken pro Stück selbst angeschafft. Eine dritte Drohne wird vom Kanton zur Verfügung gestellt.

Ehrenamtliche Retter

Der Einsatz des Rettungsdienstes ist für die Zuger Landwirte kostenlos. Während neun Wochen im Mai und Juni steht das Team mit zusätzlichen Helfern auf Abruf bereit. «Idealerweise melden die Landwirte die Fläche, die sie mähen möchten, einige Tage oder Wochen im Voraus an», erklärt Schlumpf. Spätestens am Vortag des Mähens muss eine definitive Anmeldung erfolgen. Am kommenden Morgen, zwischen 6 und 10 Uhr, zieht dann ein Zweiergespann aus einem Piloten und einem Rehkitz-Berger los und fliegt die vereinbarte Fläche ab.

Die Jungtiere bleiben aufgrund ihrer regungslosen Haltung oft unbemerkt.

«Denselben Dienst hat das AFW schon in vergangenen Jahren angeboten», erinnert sich Schlumpf. Die Jäger waren im Kanton Zug damals noch mehrheitlich ohne Hightech unterwegs, sondern konventionell zu Fuss. «Das Problem ist, dass man einen halben Meter neben einem Rehkitz vorbeigehen kann und es nicht bemerkt.» Darum ist die Wärmebildkamera der Drohne ein wahrer Segen, weil darauf das Jungtier als Wärmequelle erscheint. Dank Einsätzen wie diesen wurden gemäss dem Portal rehkitzrettung.ch im vergangenen Jahr schweizweit 1’410 Jungtiere gerettet. Als Vergleich: Im ersten Jahr der Statistik 2012 wurden lediglich 21 gerettete Tiere verzeichnet.

Freuen tut sich Beda Schlumpf nicht nur über jedes gerettete Jungtier, sondern auch über die breite Unterstützung, die dem Projekt entgegengebracht wird. So beteiligen sich nebst WWF, Pro Natura, Landi Hünenberg und dem Zuger Lotteriefonds auch der Detailhändler Coop an der Rehkitzrettung in Zug.

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