<p>Eine Gruppe Asylsuchender im Deutschunterricht in der Durchgangsstation Steinhausen. Heute gehen die Bewohner im alten Kantonsspital in Zug in den Unterricht.</p>
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Eine Gruppe Asylsuchender im Deutschunterricht in der Durchgangsstation Steinhausen. Heute gehen die Bewohner im alten Kantonsspital in Zug in den Unterricht. (Bild: Sozialamt Kanton Zug / Patrick Hürlimann)

Regierungsrat will Projekt verlängern Zuger Integrationsklasse steht auf dem Prüfstand

3 min Lesezeit 2 Kommentare 29.01.2019, 17:45 Uhr

Im Herbst 2016 wurde die kantonale Integrationsklasse in der Stadt Zug eröffnet. Dort werden junge Asylbewerber auf die Einschulung in ihren Wohngemeinden vorbereitet. Trotz grosser Herausforderungen fällt das Fazit positiv aus. Nun muss der Kantonsrat über die Fortführung entscheiden.

Vor gut zwei Jahren startete die erste Integrationsklasse in Zug. Im Herbst 2016 traten sechs Schüler den Unterricht an der Baarerstrasse beim Guthirt an. Ein Pilotprojekt, das Kindern und Jugendlichen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich helfen soll, den Anschluss im Schweizer Schulsystem zu finden (zentralplus berichtete).

Esther Brandenberg, die Prorektorin der Stadtzuger Kindergärten und Primarschulen, hat die Integrationsklasse aufgebaut und ist mit den Lehrpersonen und dem Schulleiter im ständigen Austausch. «Zurzeit besuchen siebzehn Kinder die Integrationsklasse», erklärt Brandenberg. Am Anfang seien es nur sechs Schüler gewesen.

Die Integrationsklasse wird als eine Gesamtschule geführt. «Der ganze Schulstoff vom Kindergarten bis zur 6. Primarstufe wird in einer Klasse vermittelt», sagt Brandenberg. «Innerhalb der Klasse wird jedoch mit dem individuellen Niveau jedes Kindes gearbeitet.»

«Praktisch allen Kindern muss das lateinische Alphabet beigebracht werden.»

Esther Brandenberg, Prorektorin Stadtzuger Kindergärten und Primarschulen

Ziel der Integrationsklasse sei es, den Schülern den Anschluss an die Regelklasse in den Wohngemeinden zu ermöglichen. Dies gestalte sich aber sehr zeitintensiv: «Praktisch allen Kindern muss das lateinische Alphabet beigebracht werden», sagt Brandenberg. Die meisten würden aus Syrien, Eritrea, Afghanistan oder dem Iran stammen.

«Aber auch die emotionalen Vorgeschichten, welche die Flüchtlingskinder in die Schule mitbringen, stellen eine Herausforderung dar», meint die Prorektorin. Bei der Bewältigung des Schultages sei deshalb die Beziehung zu den Lehrpersonen zentral. Brandenberg fasst zusammen: «Die Arbeit mit den Schülern in der Integrationsklasse ist bereichernd, aber auch herausfordernd.»

«Der Ansatz hat sich bewährt»

Der Zuger Bildungs- und Kulturdirektor Stephan Schleiss (SVP) ist von der Integrationsklasse überzeugt: «Der Ansatz ist robust und hat sich bewährt.» Als er die Kinder das letzte Mal gesehen hätte, seien diese zu seiner Freude gerade daran gewesen, die Jasskarten zu lernen.

Die Klasse sei aus einer Krise heraus entstanden, als die Gemeinden Mühe hatten, der steigenden Anzahl Flüchtlingskinder gerecht zu werden. «Der Hauptzweck war, dass man gemeindeübergreifend eine separative Klasse einführt, um die Regelklassen in den Gemeinden zu entlasten.» Dieses Ziel sei mit der Integrationsklasse bis jetzt erfüllt worden.

Die Integrationsklasse befindet sich in der ehemaligen Ludothek an der Baarerstrasse in Zug.

Die Integrationsklasse befindet sich in der ehemaligen Ludothek an der Baarerstrasse in Zug.

(Bild: slam)

«Entscheidend ist, dass wir die Schüler nach einer gewissen Zeit wieder in die Regelklassen der Gemeinden zurückführen können», sagt Schleiss. Die Perspektive dürfe nicht aus den Augen verloren werden, äussert sich der Neo-Landammann. «Langfristig sind die – zumindest grösseren – Gemeinden wohl gut beraten, wenn sie selber wieder Kleinklassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse aufbauen.»

Keine zweite Klasse geplant

Dazu meint die Prorektorin Esther Brandenberg: «Die Zusammenarbeit mit den Rektoraten der Gemeinden funktioniert gut. Es findet ein frühzeitiger Austausch zwischen den Lehrpersonen der Integrationsklasse und dem Rektorat statt, bevor das Kind in die Gemeindeschule integriert wird.»

Die Eröffnung einer zweiten Integrationsklasse sei im Moment kein Thema. «Es bringt nichts, eine zweite Klasse zu eröffnen, da nicht absehbar ist, wie sich die Schülerzahl kurz- und längerfristig entwickeln wird», sagt Brandenberg. Ab einer gewissen Anzahl Schüler können jedoch die Personalressourcen zeitlich beschränkt erhöht werden. Seit 2016 sind die Asylzahlen im Kanton Zug wieder rückläufig, wie aus verschiedenen Berichten hervorgeht.

An der kommenden Kantonsratssitzung Ende Januar wird eine beantragte Verlängerung und Änderung des Beschlusses betreffend der Integrationsklasse an die Kommission für Bildung überwiesen. Der Regierungsrat beantragt die Verlängerung des entsprechenden Beschlusses um weitere fünf Jahre. Ausserdem plant er eine Erhöhung des monatlichen Beitrags um 2’000 Franken auf insgesamt 22’000 Franken, wie einem Bericht der Regierung zu entnehmen ist.

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2 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 29.01.2019, 18:20 Uhr

    Abgesehen von dem was wir für Migranten veranstalten: Denkt irgend einer der Bildungspolitiker überhaupt an den einheimischen begabten Schüler, der völlig unter die Räder kommt und benachteiligt wird, weil immer alle Anderen zuerst kommen und die Lehrer für ihn keine Zeit haben. Man würde besser dieses Problem lösen als sich um Migranten zu kümmern.

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    1. Hans Peter Roth, 31.01.2019, 13:29 Uhr

      Da stellt sich nicht die Frage «entweder-oder» sondern ein «sowohl-als auch».

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