Zuger Immobilien-Tycoon erhielt nicht mal eine Todesanzeige
  • Regionales Leben
Provisorisches Grabkreuz für Günter Zobel auf dem Friedhof in Oberägeri, wo er zu seiner verstorbenen Gattin gebettet wurde. (Bild: mam)

Günter Zobel gehörten Teile von Baar und Unterägeri Zuger Immobilien-Tycoon erhielt nicht mal eine Todesanzeige

4 min Lesezeit 4 Kommentare 27.07.2021, 11:47 Uhr

Chemiker, Selfmademan und Multimillionär: Günter Zobel hat mehrere Gemeinden im Kanton Zug stark geprägt. Nun ist er in völliger Stille zu Grabe getragen worden. Dass sein Andenken nicht gewürdigt wird, stösst seinen ehemaligen Angestellten sauer auf.

Vor gut einem Jahrzehnt war er dauernd in den Schlagzeilen, obwohl er sie eigentlich gar nicht suchte. Günter Zobel, Investor aus Oberägeri. Damals wurden Teile des Baarer Zentrums von Zobel neu gebaut: Erst das Gotthard-Center, welches das Hotel Ibis beherbergt, daneben das Neumühle-Areal, auf welches er das Baar-City-Hochhaus setzte.

In Unterägeri liess er das Ägerer Einkaufszentrum rund um die Migros ausbauen. Vors Seminar-Hotel, das er 2006 gekauft hatte, kam ein 1,5 Millionen Franken teurer Springbrunnen, den er aus dem eigenen Sack bezahlte. Später kaufte er auch noch das Hotel Freihof.

Über 250 Millionen im Kanton Zug investiert

Seine vielen Immobilien konzentrierte er in der Zobel Verwaltungs GmbH, das Hotelleriegeschäft lief über die SHA Seminar Hotel AG. Und die Alcor Chemie Holding AG in Walterswil erinnerte daran, womit Zobel sein Vermögen gemacht hat: Mit Chemie-Exporten nach Osteuropa.

Er habe im Kanton Zug über 250 Millionen Franken investiert, sagte er einmal dem Baarer Journalisten Wolfgang Holz, der viel über ihn schrieb und der zu ihm einen guten Draht unterhielt. Doch nun soll der Tycoon aus Oberägeri im Alter von weit über 90 Jahren gestorben sein.

Kein Hinweis in Oberägeri

Bekannt geworden ist das nicht. In den Zeitungen erschien kein Nachruf, im Handelsregister ist Günter Zobel immer noch bei seinen Firmen eingetragen, in Oberägeri, wo amtliche Todesanzeigen bei der Gemeindeverwaltung und bei der Kirche aushängen, fehlt jeder Hinweis.

Und dennoch scheint Zobels Hinscheiden Fakt zu sein. Gewährsleute berichten davon – und verärgerte ehemalige Angestellte. Besonders das Fehlen einer Todesanzeige ist ihnen sauer aufgestossen. «Ist das überhaupt legal?», fragt einer.

Seit 1964 Zuger Unternehmer

«Die Einwohnergemeinden fragen nach, ob eine amtliche Todesanzeige gewünscht wird», sagt Manuela Käch, Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde Oberägeri. «Seit Sommer 2000 ist die Publikation einer amtlichen Todesanzeige freiwillig und wird nicht mehr automatisch ausgehängt oder publiziert. Dies sei auch in Oberägeri der Fall. Zum konkreten Fall könne man aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen keine Stellung nehmen.

«Herr Zobel senior war ein sehr guter, integrer und ehrlicher Chef.»

Ein ehemaliger Angestellter

Günter Zobel wurde 1928 in Breslau in Schlesien geboren, studierte Chemie und lebte eine Weile im Rheinland, bevor er 1964 in den Kanton Zug zog. In grossem Stil lieferte er unter anderem Düngemittel in die Sowjetunion. Nach der Wende engagierte er sich eine Weile lang geschäftlich in Ostdeutschland, als er der Treuhandgesellschaft DDR-Betriebe abkaufte. Zum Teil verkaufte er sie mit Gewinn weiter. Allerdings erlitt Zobel auch Schiffbruch – beim Textil-Riesen «Märkischer Faser», die er für 5 Millionen D-Mark übernommen hatte.

Alte Chemie-Firma wird aufgelöst

Zobel schaffte es nicht, das Unternehmen auf Vordermann zu bringen, wollte es gar schliessen, worauf der Betrieb von den Angestellten über zwei Monate lang besetzt wurde. Als Zobel die Textilfirma dann doch noch an neue Besitzer weiterreichen konnte, waren 800 von 2’000 Arbeitsplätzen verschwunden. Dies und Streitereien mit Politikern um Subventionen schadeten seinem Ruf im Nachbarland. Noch um die Jahrtausendwende riefen deutsche Investigativjournalisten auf Zuger Redaktionen an, um sich über Zobels Geschäfte zu erkundigen – auch beim Autor dieser Zeilen.

Im Kanton Zug wurde der geschäftstüchtige Unternehmer vor allem als Immobilienbesitzer bekannt, nachdem er seine Chemie-Firma verkauft hatte. Diese wird übrigens als Alcor Chemie Vertriebs GmbH momentan gerade liquidiert.

Gut vernetzt in den Gemeinden

Zobel unterhielt enge Verbindungen zum Baarer und Unterägerer Gemeindepräsidenten und engagierte sich auch bei der Entwicklung der beiden Gemeinden. «Ich will etwas bewegen», wurde er einmal zitiert.

Das Seminarhotel Unterägeri gehörte Zobel seit 2006 – ein wichtiger Betrieb fürs Ägertal und für den Zuger Tourismus.

In Zobels Händen wurde vieles zu Gold, was er anfasste. Im Bereich der Verpflegungs- und Beherbungsbranche brockte er sich aber auch die eine oder andere Knacknuss ein. Mindestens legen dies die Ereignisse nahe, seit Sohn Dieter Zobel die Geschäfte des Familienimperiums führt. Das Restaurant Baar-City steht schon jahrelang leer, ebenso das Restaurant des Hotels Freihof. Und ums Seminarhotel ranken sich immer wieder dunkle Gerüchte.

Dieter Zobel war im Rahmen dieser Recherche nicht erreichbar, äussert sich aber auch sonst kaum in den Medien. Tut er es doch, sind seine Auskünfte wenig erhellend. Ein Bekenntnis zur lokalen Community gibt er im Gegensatz zu seinem Vater nicht ab. Es macht den Anschein, als ob er herausfordernde Unternehmungen gerne auf Eis legt.

In dankbarer Erinnerung

Im Seminarhotel ist es in den vergangenen Jahren zu häufigen Personalwechseln gekommen. Zobel junior und seine Geschäftsführerin würden dort ausgesprochen unzimperlich agieren, sagen ehemalige Angestellte. Dass der Sohn als Angehöriger die Publikation einer Todesanzeige verhindert haben soll, stösst ihnen nun besonders auf. Denn sie haben Günter Zobel in dankbarer Erinnerung behalten.

«Herr Zobel senior war ein sehr guter, integrer und ehrlicher Chef», sagt einer von ihnen. Er habe dafür gesorgt, dass die Angestellten ihren Lohn stets pünktlich erhielten. Bei schwierigem Geschäftsgang sei das Hotel mit Immobilienerträgen der Zobels quersubventioniert worden, um dies sicherzustellen.

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4 Kommentare
  1. peter zenk, 22.08.2021, 20:50 Uhr

    Habe 3,5 Jahre im Seminarhotel als Leiter Technik/Unterhalt gearbeitet.
    Durfte dort Herrn Zobel kennenlernen und auch in seinen Privatvillen Reperaturen durchführen, bei dessen Ausführungen er vor Ort war.
    Er war stets freundlich und dankbar und man merkte ihm an, dass er nie von oben herab dachte!
    Ein sehr beeindruckender und feiner Mensch, den ich stets in guter Erinnerung behalten werde!!

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  2. Hans Hurter, 28.07.2021, 10:52 Uhr

    Der von Ihnen erwähnte Sohn Dieter Zobel, der keine Todesanzeige veröffentlicht haben wollte, ist dies Prof. Dr. iur. Dieter Zobel, an der Universität Zürich?

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  3. Ehemalige Angestellte, 27.07.2021, 18:04 Uhr

    Als ehemalige Angestellte der Zobels kann ich dies nur unterstreichen. Noch viel mehr, Herr Günter Zobel war nicht nur ein exzellenter Geschäftsmann. Er war eine Person mit einem sehr grossen Herz und hat die Art und Weise seines Todes und auch wie er teilweise davor behandelt wurde in keiner Art und Weise verdient. Er war eine Persönlichkeit, von welcher sein Sohn und dessen GF nur träumen können und nie erreichen werden. Mit Unwissen und fehlender Ausbildungen kann man ein solches Imperium nicht führen, dies waren stets die Worte von Günter Zobel. In unseren Herzen wird er weiterleben.

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  4. Gery Weber, 27.07.2021, 15:10 Uhr

    Vielleicht war die Todesanzeige der LZ für die Erben schlichtweg zu teuer 😉

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