Zuger Hotelier: «Ich kann nicht einmal kostendeckend arbeiten»
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Matthias Hegglin vom City-Hotel Ochsen in Zug findet es schwierig, dass der Kanton die Corona-Hilfen für alle Branchen einstellt.

Regierung beendet Coronahilfe Zuger Hotelier: «Ich kann nicht einmal kostendeckend arbeiten»

4 min Lesezeit 3 Kommentare 18.06.2021, 05:00 Uhr

Die Wirtschaft muss wieder auf die eigenen Beine kommen, findet der Zuger Regierungsrat. Er beendet das Härtefallprogramm. Mit diesem wurden Zuger Unternehmen unterstützt, die unter den Folgen der Coronakrise leiden. Nur: Einige Betriebe sind noch längst nicht aus dem Schneider.

Die Zuger Regierung findet, es genügt. Das vom Bund initiierte Härtefallprogramm unterstützte im letzten halben Jahr knapp 600 Zuger Unternehmen mit insgesamt 104 Millionen Franken. Jetzt wird es abgeschlossen. Finanzdirektor Heinz Tännler liess sich in einer Medienmitteilung diese Woche wie folgt zitieren: «Das Zuger Härtefallprogramm war ein voller Erfolg. Es hat viele Konkurse abgewendet und die Zuger Wirtschaft stark entlastet.»

Auf Anfrage von zentralplus sagt Heinz Tännler: «Da nicht absehbar war, wie lange die Krise anhält und angesichts des langen politischen Vorlaufs für einen solchen Kredit haben wir die Summe so bestimmt, dass sie nach damaligem Wissensstand sicher ausreichen würde. Es ist somit eine Unsicherheitsreserve enthalten.» Zudem gehe es Teilen der Wirtschaft bereits besser.

Nur 80 Prozent der Gesuche gutgeheissen

Die Volkswirtschaftsdirektorin Silvia Thalmann-Gut ergänzt, dass bei den Unternehmen momentan keine «überdurchschnittliche Strukturbereinigung» spürbar sei. Heisst: Entlassungen in grösserem Ausmass sind bisher ausgeblieben. Im Gegenteil. Man stelle eine erhöhte Aktivität bei den Zuger Unternehmen fest. Die Konkurse würden sich im Rahmen von 2019 bewegen.

80 Prozent der Gesuche hat die Regierung gutgeheissen. 20 Prozent Ablehnungen, das klingt nach viel. Als Gründe nennt Tännler folgende: «In der Regel wurden Eckwerte des Bundes nicht eingehalten, insbesondere war der Umsatzrückgang nicht gross genug oder der Umsatz war sogar gewachsen.»

Teilweise handelte es sich auch um Unternehmen, die schon vor Corona nicht überlebensfähig waren. Und bei denen «wir das offensichtliche Ende mit einem Beitrag lediglich verzögert hätten», wie Tännler sagt. Wie viele effektive Missbrauchsversuche unter den abgelehnten Gesuchen sind, ist unklar. Dies, weil die Grenze zwischen mutwilligem Missbrauch, Unvermögen oder schwieriger Anspruchsermittlung nicht immer einfach zu ziehen ist. Ausserdem ist die systematische Kontrolle noch nicht abgeschlossen.

Nach Abschluss des aktuellen Härtefallprogramms will die Zuger Regierung keine weiteren Coronahilfen anbieten. Es könne nun, nach der Lockerung der Massnahmen, nicht am Staat liegen, jedes Unternehmen am Leben zu erhalten. «Die angeschlagene Wirtschaft muss sich jetzt nachhaltig erholen und neu finden können.» Dies sei langfristig nur ohne staatliche Eingriffe möglich.

Die Tourismusbranche ächzt

Das Problem: Die Taktik des Regierungsrats schert alle Branchen über einen Kamm. Dies obwohl einige Wirtschaftsteile besonders zu kämpfen haben und noch eine Weile brauchen, um wieder Fahrt aufzunehmen. So etwa der ganze Tourismussektor, die Gastronomie sowie die Kultur.

«Ich kann nicht einmal kostendeckend arbeiten.»

Matthias Hegglin, Geschäftsführer City-Hotel Ochsen

Renya Heinrich, Geschäftsführerin von Zug Tourismus, blickt der näheren Zukunft noch besorgt entgegen. Zwar seien durch die Lockerungen da und dort positive Effekte spürbar. Doch werde es gemäss den Prognosen seitens Schweiz Tourismus und dem SECO noch länger dauern, bis die Auswirkungen der Coronakrise auf die Tourismusbranche eingedämmt sind. Sie gibt zu bedenken: «Auch wenn die klassischen Tourismusorte in der Schweiz vom Inlandboom selbst dieses Jahr noch profitieren, wird dies in Zug keinen grossen Effekt haben.» Dies, weil der Tourismus in Zug noch nicht genügend auf Freizeitgäste und Familien, sondern auf Businessgäste ausgerichtet sei.

Wie sehen es die Zuger Hoteliers? Martin Elsener, Geschäftsführer des Hotel Guggital, sagt auf Anfrage: «Zwar sind die Zahlen noch nicht gut, doch können wir so wie es ist überleben. Sollte sich die Situation wieder verschlechtern, wird es schwieriger.» Auch Elseners Betrieb hat Härtefallgelder vom Kanton erhalten. «Ich finde, der Kanton hat gut reagiert und bin dankbar für die Hilfe.»

Matthias Hegglin vom City-Hotel Ochsen in Zug sieht die Lage kritischer. «Wenn wir keine Härtefallgelder mehr erhalten, ist das sehr einschneidend», sagt er. «Wir haben uns auf Geschäftstourismus konzentriert, was im Moment sehr harzig läuft. In normalen Jahren haben wir eine Auslastung von 65 Prozent. Im Moment sind es 20 Prozent», sagt er. «Ich kann nicht einmal kostendeckend arbeiten.»

Dass der Staat nicht alle Betriebe retten kann, sei für ihn klar. Doch könne man nicht alle Branchen gleich behandeln. «Der Unterhalt eines Hotels ist sehr kostenintensiv. Gleichzeitig sagt man immer, es gebe in Zug zu wenige Hotels. Es wäre von Vorteil, wenn bis 2023 Jahren der Geschäftstourismus wieder anzieht.»

«Allgemeine Strukturveränderungen werden wir aber nicht mit Steuergeldern auffangen. Da muss sich die Wirtschaft selbst regulieren.»

Heinz Tännler, Zuger Finanzdirektor

Dass Branchen wie der Tourismus länger brauchen, um sich erholen zu können, ist dem Regierungsrat bewusst. Dennoch gelte die Aufhebung der Härtefallgelder auch für sie, «wobei die Anlaufzeiten unterschiedlich sein können», so Heinz Tännler. «Wir beobachten die Situation weiterhin und würden bei veränderten Bedingungen passende Massnahmen prüfen.»

Heisst: «Bei klar coronabedingten Problemen würden wir in Zusammenarbeit mit dem Bund Lösungen suchen. Allgemeine Strukturveränderungen werden wir aber nicht mit Steuergeldern auffangen. Da muss sich die Wirtschaft selbst regulieren.»

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3 Kommentare
  1. mebinger, 19.06.2021, 12:10 Uhr

    Zuerst fahrlässig, ohne Kontrolle Fakten alles ins Elend werfen und dann sich weigern zu helfen. dieser Regierungsrat muss sofort zurücktreten und kein Mitglied darf je wieder ein politisches Amt mehr inne haben, es ist einfach unglaublich, was hier abgeht. Ich fordere alle Gastronomen auf allen Politikern und zwar allen ein Hausverbot zu erteilen und ihnen auch kein Take Away zu gewähren, sie haben es nicht verdient irgendwie beachtet zu werden und schickt mir bitte keine Wahlwerbung, Euch wähle ich sicher nicht mehr

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  2. Franziska Wapp, 18.06.2021, 22:41 Uhr

    Es werden Entscheidungen von Politikern getroffen , die keine private finanzielle Einbussen in Kauf nehmen mussten. Die keine Ahnung , keine Kenntnisse haben, was die Gastronomie betrifft. In diese Kategorie gelten ganz viele Arbeitgeber , Selbständige und Lohnempfänger . Viele von Ihnen versuchten mit viel Kreativität und Engagement sich über „Wasser“ zu halten. Es ist beschämend, wie Politiker aus dem reichen Zug argumentierten und entscheiden.

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  3. Paul, 18.06.2021, 22:03 Uhr

    Kostendeckend arbeiten können leider viele nich obwohl alles versucht wird…… bei gewissen liegt’s aber leider auch an zu hohen Lohn welcher sie sich bezahlen.

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