Zuger Heilmittelinspektor sieht sich als Opfer einer  Verschwörung
  • Gesellschaft
Es braut sich was zusammen in Zug: Heilmittelinspektor Ludek Cap ist überzeugt, dass Mängel in einer Arztpraxis vertuscht werden sollten. (Bild: Symbolbild)

Jetzt zeigt er auch noch die Staatsanwältin an Zuger Heilmittelinspektor sieht sich als Opfer einer Verschwörung

3 min Lesezeit 6 Kommentare 22.09.2020, 13:15 Uhr

Ludek Cap arbeitete jahrzehntelang für den Kanton. Inzwischen scheint der Heilmittelinspektor das Vertrauen in sämtliche Zuger Behörden verloren zu haben. Nachdem er den Kantonsarzt, den Gesundheitsdirektor und den Gesamtregierungsrat wegen Amtsmissbrauchs angezeigt hat, nimmt er nun die Staatsanwaltschaft ins Visier.

Alle gegen einen. Oder einer gegen alle? In der Zuger Gesundheitsdirektion ist seit Ende Juli Feuer im Dach. Anfang August wendete sich der langjährige Heilmittelinspektor Ludek Cap mit alarmierenden Vorwürfen an die Öffentlichkeit. Er sei von oberster Stelle daran gehindert worden, eine Kontrolle in einer Zuger Arztpraxis durchzuführen, behauptete er.

Nachdem er diese gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten trotzdem vollzog, habe er schwere Mängel entdeckt. Die Sicherheit von Patienten sei gefährdet. Doch statt den Arzt zur Rechenschaft zu ziehen, hätten Kantonsarzt und Gesundheitsdirektor ihn – Ludek Cap – per sofort freigestellt.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist an einigen Vorwürfen nichts dran

Das war die Ausgangslage. Inzwischen ist der Knatsch ein Fall für die Zuger Justiz. Ludek Cap hat zahlreiche Strafanzeigen eingereicht. Gegen den Kantonsarzt, den Gesundheitsdirektor, die Direktion des Inneren und den Gesamtregierungsrat.

Die Zuger Staatsanwaltschaft hat entschieden, zwei der Anzeigen nicht weiter zu verfolgen. Regierungsrat, Gesundheitsdirektor und Kantonsarzt hätten sich nicht des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht. Aus Sicht der Untersuchungsbehörde ist das dermassen offensichtlich, dass sie gar nicht erst ein Strafverfahren eröffnet hat (zentralplus berichtete).

Beschwerde und Anzeige

Ludek Cap will das nicht akzeptieren. Er hat angekündigt, gegen den Entscheid der sogenannten Nichtanhandnahme eine Beschwerde beim Zuger Obergericht einzureichen. Er fordert, dass die Vorwürfe von einem ausserkantonalen Staatsanwalt untersucht werden (zentralplus berichtete).

Nun geht er sogar noch einen Schritt weiter. Er hat die zuständige Staatsanwältin angezeigt. Er wirft auch ihr Amtsmissbrauch vor. Darüber hinaus habe sie sich mit ihrem Entscheid der Begünstigung, der Verletzung der Sorgfaltspflicht und der Gefährdung von Patienten schuldig gemacht.

«Ich lasse nicht zu, dass die Korruption obsiegt.»

Ludek Cap

Aus Sicht der Staatsanwältin kann sich die Gesundheitsdirektion mit der Freistellung des Heilmittelinspektors nicht des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht haben. Die Behörde sei in diesem konkreten Fall eine ganz normale Arbeitgeberin, weshalb der Vorwurf der widerrechtlichen Kündigung in einem arbeitsrechtlichen Verfahren geklärt werden müsse (zentralplus berichtete).

Ist die Staatsanwältin befangen?

«Die Tatsache, dass eine leitende Staatsanwältin sich auf das Arbeitsrecht anstelle des Strafrechts fokussiert und die weiteren Straftatbestände ausblendet, stellt ihre Unbefangenheit infrage», schreibt Cap in der Strafanzeige. Sie kenne den Kantonsarzt, weil die beiden im Zusammenhang mit der Untersuchung aussergewöhnlicher Todesfälle regelmässig zusammenarbeiten würden.

Mit der Nichtanhandnahme habe sie den Leiter der Zuger Arztpraxis begünstigt und damit wiederum dabei geholfen, die Gesundheit von Patienten zu gefährden. Zur Motivation seines Kampfes schreibt Cap: «Ich lasse nicht zu, dass die Korruption obsiegt.»

Bei der Oberstaatsanwaltschaft ist die Strafanzeige bislang noch nicht eingetroffen – weshalb man dazu auch noch nichts sagen kann. Dennoch stellt sich die Plausibilitätsfrage: Begünstigt die Staatsanwaltschaft wirklich den Zuger Hausarzt? Es scheint fraglich. Immerhin hat sie gegen den Mann aufgrund der Strafanzeige von Ludek Cap ein Strafverfahren eröffnet. Sie will die Vorwürfe gegen den Arzt demnach vertieft prüfen (zentralplus berichtete).

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6 Kommentare
  1. Angelo Balmer, 09.10.2020, 15:23 Uhr

    Unglaublich, was da abläuft. Ich kenne Hr. Dr. Cap persönlich, weil er auch in unserem Geschäft Kontrollen durchgeführt hat. Immer sehr streng, genau aber sachlich. Und wenn ich ihn mit Kollegen seiner Zunft vergleiche, kommt Hr. Cap sogar sehr gut weg, weil er auch Augenmass walten liess.
    Sehr interessant finde ich auch, dass in Zug selber die Sache gar nicht gross in den Medien erscheint. Tja, die sind wahrscheinlich auch zu sehr verbandelt mit den von Hr. Cap angeklagten Personen und Instanzen.
    Wenn man diesen Fall „Cap“ mit der Causa „Spiess-Hegglin“ vergleicht, wo es ja lediglich um zwei Menschen ging, ist es schon erstaunlich, dass der Fall „Cap“ nicht das schweizweite Interesse erreicht. Denn im Fall „Cap“ geht es um die Gesundheit aller. Und, einer der „Angeklagten“ ist notabene der Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärzte Schweiz, die uns ja durch die aktuelle Corona-Panemie führen.
    Tia, komische Sache die schon sehr viele Fragen aufwirft.
    Beste Grüsse
    Angelo Balmer

  2. Daniel J, 25.09.2020, 07:39 Uhr

    Dass bei der Gesundheitsdirektion etwas Komplett schief läuft, ist sehr gut daran ersichtlich, was im Restaurant Aabaechli in der Aabachstraße in den Gebäuden des Kantons Zug los ist. Es scheint, dass sie sich nicht darum kümmern, was das Bundesamt für Gesundheit definiert. Im Restaurant sitzen alle 30 cm bis 1 m nebeneinander. Die Mitarbeiter des Restaurants scheinen ihre Hände nicht zu desinfizieren. Es gibt auch keine Registrierung und das Restaurant ist für alle geöffnet. Rund 30 Personen sitzen mit einem Abstand von maximal 30 cm am selben Tisch. Sogar die kantonalen Angestellten haben sich viel über diese Tatsachen beschwert und niemand kümmert sich darum. Am besten ist es, wenn Ihre Redaktion zum Mittagessen geht und sich ein eigenes Bild macht. Das kann wirklich nicht der Fall sein!

    Auch scheinen wohl die Medien befangen, da diese Information scheinbar keinen Interessiert!

  3. Hauenstein Sepp, 23.09.2020, 17:23 Uhr

    Finden Sie es nicht auch anmassend, dass Regierungsrat Martin Pfister offensichtlich sein Amt missbraucht um einen alten Kumpel zu begünstigen, in dem er die Spielregeln aushebelt? Und dann noch so dreist ist und seine eigenen langjährigen und gewissenhaften Mitarbeiter auf die Strasse setzt statt sich zu entschuldigen? Herr Pfister gehört abgesetzt! Genau so wie sein Hampelmann Hauri, eines Kantonsarztes unwürdig. Darüber sollte dieses Medium berichten! Nicht Herrn Cap, der sich zurecht mit Händen und Füssen gegen diese Ungeheuerlichkeit wehrt!

    1. Redaktion Lena Berger, 23.09.2020, 17:34 Uhr

      Vielen Dank für den Kommentar. Die Vorwürfe von Herr Cap lassen in der Tat aufhorchen. Wenn sich das Ganze so abgespielt hat, klingt das Verhindern der Kontrolle auch für mich nach Begünstigung. Da sich aber weder Herr Pfister noch Herr Hauri bislang zu den Vorwürfen geäussert haben, hüte ich mich davor, mir ein abschliessendes Bild zu machen.

      Diese Haltung hat mich die jahrelange journalistische Begleitung von Strafprozessen gelehrt. Wir oft dachte ich nach dem Plädoyer eines Staatsanwalts schon, dass ein Beschuldigter definitiv hinter Gitter gehört? Und dann hörte ich mir das Plädoyer der Verteidigerin an – und war mir plötzlich gar nicht mehr sicher. Das ist der Grund, weshalb ich mich mit einer persönlichen Meinung in den Artikeln über den vorliegenden Fall zurückhalte.

  4. grubma, 22.09.2020, 20:23 Uhr

    Logisch, dass die Staatsanwaltschaft nicht gegen den eigenen Apparat loszieht. Wen wundert das noch? Säuhäfeli, Säudeckeli! Eine unabhängige Instanz soll ran an die Fakten, man möge dies Ludek Cap gönnen. Recht und Gerechtigkeit scheinen einmal mehr auseinanderzuklaffen. Das Vertrauen in die Zuger Behörde war noch nie so angekratzt wie heute! Wie lange schauen wir noch zu?

  5. Matthias Jauch, 22.09.2020, 16:32 Uhr

    «Ich lasse nicht zu, dass die Korruption obsiegt.»
    Herr Cap, ich kann nachfühlen – aber meines Erachtens ist die Korruption nirgends grösser in der Schweiz als im Kanton Zug. Ich befürchte da haben Sie keine Chance!
    Trotzdem: Viel Glück im Kampf gegen diesen korrupten Filz.

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