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«Zuger haben manchmal ein Imageproblem»
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Politgeograph Michael Hermann empfindet grosse Sympathien für den Kanton Zug. (Bild: zvg)

Politologe Michael Hermann über Tiefsteuerkanton «Zuger haben manchmal ein Imageproblem»

3 min Lesezeit 02.06.2017, 09:41 Uhr

Michael Hermann ist der bekannteste Politikwissenschaftler der Schweiz. In Zug referierte er am Donnerstag über die Politik im Zeitalter des Populismus. zentralplus wollte von Hermann wissen, was er eigentlich über das «System Zug» denkt. Seine Antworten überraschen.

zentralplus: Herr Hermann, Zug wird immer als Vorzeigekanton gepriesen. Zumindest aus bürgerlicher Zuger Sicht. Ist Zug tatsächlich die bessere Schweiz?

Michael Hermann: So, wie die Schweiz in Europa dasteht als Wohlstandsinsel, so steht der Kanton Zug sicher als Wohlstandsinsel in der Schweiz da. Dieses Modell ist allerdings nicht überall in der Schweiz kopierbar, denn der Erfolg des Zuger Modells beruht eben auch einfach darauf, dass es viele andere Kantone nicht so machen.

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zentralplus: Wie meinen Sie das?

Hermann: Na ja, wenn beispielsweise der Kanton Uri das Zuger Modell der Steueroase kopieren würde, würde es nicht funktionieren, weil Uri einfach zu weit von den Wirtschaftszentren entfernt liegt. Auch im Kanton Bern oder Sankt Gallen würde es nicht klappen, weil diese Kantone viel zu gross sind und zu wenig zentral liegen. Ausserdem würden dort zu viele Steuerausfälle generiert werden. Die Grösse und die Lage spielen also eine wichtige Rolle für den Erfolg so eines Konzepts. Wobei das liberale Zuger Modell mit Holdingsteuern eigentlich in Zürich erfunden wurde, dort aber nicht politisch umgesetzt werden konnte. Das früher katholisch-konservative Zug hat sich dann von diesem System überzeugen lassen.

Hermann kennt Land und Leute

Michael Hermann ist ein Geograph und Politikwissenschaftler. Der 45-Jährige ist Leiter der Forschungsstelle sotomo und lehrt am Geographischen sowie am Politikwissenschaftlichen Institut der Universität Zürich. Nach der Erlangung des Diploms als Geograph gründete er zusammen mit Heiri Leuthold am Geographischen Institut der Universität Zürich die Forschungsgruppe sotomo – Sozialtopologie und Modernisierung. Mit der Publikation des «Atlas der politischen Landschaften» begründete Michael Hermann seine Karriere als Kommentator der eidgenössischen Politik in Zeitungen, Radio und Fernsehen.

zentralplus: Zug als reicher Kanton beschwert sich aber jedes Jahr über die steigenden NFA-Zahlungen. Zu Recht? Oder wie sehen Sie diesen Mechanismus von Ausgleichszahlungen?

Hermann: Würde Zug sich nicht beschweren, würde es bedeuten, dass die Ausgleichszahlungen zu niedrig angesetzt sind. Sprich: Dann wäre der NFA zu wenig effizient. Schliesslich leben ja genügend Gutverdienende in Zug, die weniger gut Verdienenden in ärmeren Kantonen unter die Arme greifen können. Allerdings ist Zug eben nicht mehr nur eine Steueroase wie Schwyz, Nidwalden und Obwalden. Zug hat sich längst zu einem selbstständigen und gut funktionierenden Wirtschaftszentrum entwickelt. Schwyz beispielsweise hat dagegen eine eher schwache Wirtschaft und lebt nur von den Steuereinkünften Reicher oder solcher, die in Zürich arbeiten gehen.

zentralplus: Was heisst das konkret?

«Zug hat ein urbanes Profil und nicht nur in Terrassenhäusermonokulturen investiert wie etwa in Schwyz.»

Hermann: Das heisst konkret, die Zuger haben mit ihrem Geld etwas gemacht und nicht nur in Terrassenhäusermonokulturen investiert wie etwa in Schwyz. Zug hat ein urbanes Profil und beispielsweise in eine Stadtbahn investiert. Zug ist selbst zum Zentrum geworden.

zentralplus: Müsste man aber nicht endlich politisch eine Obergrenze für den NFA einführen?

Hermann: Nein, das sehe ich grundsätzlich nicht so. Denn die Idee des NFA ist es ja, dass reiche Kantone schwache Kantone unterstützen, um einen Einkommensausgleich zu erzielen. Andererseits wird dieses politische Instrument natürlich zu einer Gefahr, wenn damit dynamische Wirtschaftsregionen wie Zug durch solche finanziellen Belastungen ausgebremst werden, nur um periphere Strukturen zu unterstützen.

zentralplus: Was gefällt Ihnen am Kanton Zug besonders, den Sie ja auch schon häufiger besucht haben?

«Zug hat eine hohe Lebensqualität.»

Hermann: Man merkt eben, dass Zug schon eine alte Steueroase ist und, wie gesagt, aus seinem Geld etwas gemacht hat. Das zeigt sich auch in der jüngsten Entwicklung um die Etablierung eines Hochschulstandorts. Zug hat eine hohe Lebensqualität. Andererseits ist der Gegensatz spannend zwischen der schönen Natur der Hochmoore auf dem Zugerberg und des Zugersees und der urbanen Verdichtung in der Ebene zwischen Baar, Zug, Cham und Rotkreuz.

zentralplus: Zum Schluss noch eine rein politische Frage an den Politikwissenschaftler. Gibt es denn einen Zuger Politiker, den Sie sich als künftigen Bundesrat vorstellen könnten?

«Zuger haben manchmal ein Imageproblem, weil sie aus einem reichen Kanton kommen.»

Hermann: Irgendwann gibt es sicher einen. Aber so etwas lässt sich natürlich nicht planen. Ausserdem haben Zuger manchmal ein Imageproblem, weil sie eben aus einem reichen Kanton kommen. Aber ein Politiker wie Gerhard Pfister ist sicher ein cleverer Mann und hat als Parteipolitiker für die CVP schon viel erreicht. Er hat es jedoch kategorisch ausgeschlossen, Bundesrat werden zu wollen.

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