Seit Corona graust der Ampelknopf doppelt. Damit könnte bald Schluss sein.
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Seit Corona graust der Ampelknopf doppelt. Damit könnte bald Schluss sein. (Bild: Andreas Busslinger)

Keine Wartezeit mehr an der Ampel Zuger Grüne fordern grüne Welle für Fussgänger und Velos

4 min Lesezeit 5 Kommentare 19.10.2021, 04:59 Uhr

Ampeln sind auf Autofahrerinnen ausgerichtet. Fussgänger müssen den Knopf drücken und hinten anstehen. Im Kanton Zug soll sich dies jetzt ändern – dank des Einsatzes von Wärmebildsensoren.

Knopf drücken und auf Grün warten. Wie eine Fussgängerampel bedient wird, verstehen die meisten schon vor dem Kindergarteneintritt. Doch wie wäre es, wenn man weder den Knopf drücken noch warten müsste? Technisch ist die «grüne Welle für Fussgänger» bereits möglich. In einem Postulat fordern die Alternativen – die Grünen (ALG) den Zuger Regierungsrat nun auf, diese Möglichkeit genauer unter die Lupe zu nehmen.

«Ziel soll es sein, die Zahl und die Länge der Grünphasen für den Fuss- und Veloverkehr zu optimieren und damit sicherer und attraktiver zu gestalten», heisst es im entsprechenden Vorstoss. Dieser wird nächste Woche im Zuger Kantonsrat überwiesen. Die Postulantinnen verweisen dabei auf ein eindrückliches Praxisbeispiel aus Basel-Stadt.

Nie mehr warten, bis es Grün wird

In einem Pilotprojekt wurde in Basel eine «schlaue Fussgängerampel» installiert. Mithilfe von Wärmebildsensoren können Fussgänger bereits erkannt werden, wenn sie sich auf die Ampel zubewegen, worauf die Ampel umgehend eine Grünphase für Fussgänger einleitet.

Konkret wurde die Anlage mit vier Wärmebildsensoren in sechs Metern Höhe ausgestattet. Diese erfassen die Fussgänger, Velofahrerinnen und den motorisierten Verkehr lediglich mittels deren abgegebener Wärme. So wird eine anonyme Datenerhebung und Datenverarbeitung garantiert.

Die Basler Fussgängerampel erkennt dank der Sensoren aber auch, wenn jemand etwas mehr Zeit benötigt, um den Fussgängerstreifen zu überqueren – beispielsweise Schulkinder oder Senioren. Bei Bedarf kann sie deshalb die Grünphase verlängern. Umgekehrt registriert die Lichtsignalanlage auch, wenn jemand sich kurzfristig wieder von der Ampel entfernt, und kann die Grünphase sofort wieder beenden.

Im folgenden Clip wird kurz zusammengefasst, wie die Ampel aus Sicht der Fussgänger und Autofahrerinnen funktioniert:

Basel ist zufrieden mit der Ampel …

Die Wirkung dieser «Fussgänger-First-Ampel» liess sich im erwähnten Pilotprojekt klar messen. So wurde die Wartezeit für die Fussgängerinnen auf ein Drittel gegenüber der konventionellen Anmeldung mit Betätigen eines Tasters reduziert. Für den Velo- und Autoverkehr waren die Auswirkungen ebenfalls positiv, da die Gesamtgrünzeit für den Fussverkehr in der Gesamtzeit um 11 Prozent abnahm. Auch die Zahl der «Rotläufer» nahm rapide ab – da Fussgänger ja praktisch kaum mehr mit einer roten Ampel konfrontiert wurden.

Das Bau- und Verkehrsdepartement des Kantons Basel-Stadt wertet die Resultate des Versuchs als positiv. Allerdings eignet sich diese Form der Verkehrssteuerung nicht für jede Kreuzung, wie dem Abschlussbericht des Departements zu entnehmen ist. So sollte sich die Ampel etwa nicht an einem Ort befinden, wo sich generell viele Menschen aufhalten, da diese ins Blickfeld der Wärmebildsensoren kommen und ungewollt einen Signalwechsel auslösen können.

… macht sie aber (noch) nicht zum Standard

Die Stadt Basel sieht deshalb vorerst davon ab, die intelligente Fussgängerampel zum Standard zu machen. Mittlerweile ist jedoch eine zweite Ampel mit der gleichen Technik ausgestattet worden. Beide befinden sich nun im regulären Betrieb und werden von der Bevölkerung positiv aufgenommen, wie es beim Bau- und Verkehrsdepartement auf Anfrage heisst.

Die Kosten für das Upgrade der Anlage – sprich die Erneuerung des Steuergerätes und der Software der Ampel – belaufen sich auf rund 20’000 Franken. Das ist knapp 17 Prozent teurer als ein Ersatz mit der konventionellen Lösung.

Zug: Takt der Ampeln an Velos anpassen

Von «grünen Wellen» sollen in Zug nebst den Fussgängerinnen aber auch die Velofahrer profitieren. Das Postulat wurde vom ALG-Kantonsrat Luzian Franzini, zusammen mit Tabea Zimmermann Gibson und Andreas Hürlimann, verfasst. Franzini erklärt auf Anfrage ihre Forderung betreffend Veloverkehr so: «Die Wärmebildsensoren haben die Möglichkeit, Velofahrende als solche zu erkennen. Diese Möglichkeit könnte beispielsweise genutzt werden, um die Ampeln für diese Verkehrsteilnehmer schneller umzuschalten.»

Für die ALG wären aber auch andere Verbesserungsansätze als die Wärmebildsensoren denkbar: «Beispielsweise könnten die Takte von aufeinander folgenden Ampelanlagen auf das Tempo von Velos angepasst werden», erklärt Franzini. «So können für Velofahrer grüne Wellen ermöglicht werden, von denen auch andere Verkehrsteilnehmer profitieren könnten.»

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5 Kommentare
  1. smokymale, 20.10.2021, 10:34 Uhr

    Nein wirklich, auch Fussgänger können mal stehen bleiben und etwas warten. Leider haben sie mittlerweile die schlechte Angewohnheit überall und immer einfach weiterlatschen egal ob grün oder rot, ob ein Auto naht oder nicht. Velofahrer sind genau dieselben, kennen alle keine Verkrehrsregeln und solchen soll man noch entgegen kommen – wäre wohl das dümmste was man machen könnte.

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    1. Hans Peter Roth, 20.10.2021, 13:23 Uhr

      Am besten verzichten egomanische AutofahrerInnen ganz auf ihr Billet und lösen stattdessen ein Abo für den Autoscooter an der nächstgelegenen Chilbi. Dort gibt es weder Ampeln noch lästige Fußgänger, und beim Vortritt gelten nur physikalische Regeln.

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  2. lulu, 19.10.2021, 14:13 Uhr

    Wie oft bin ich schon «gefühlte» zwei bis drei Minuten als Fussgänger vor Rot gestanden? Und kam war ich in der Strassenmitte und schon musste ich mich beeilen, weil «meine» Ampel schon auf Gelb geschaltet war. Und dabei bin ich nicht im Schneckentempo unterwegs…

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  3. Alois Iten, 19.10.2021, 08:45 Uhr

    Das Problem der Zuger Linken und Grünen ist ja nicht, dass sie zu wenig will, verlangt oder fordert. Sondern dass ihre Ideen zumindest zum Teil nicht tauglich sind. Basel hat Trams mit eigenen Gleisen, Zug hat zumindest in der Innenstadt kaum eigene Busspuren. Schon mal überlegt, was geschieht, wenn die Staus in Zug noch länger werden? Dann werden sich 100 Passagiere im Bus sicher freuen, wenn sie eine Viertelstunde länger benötigen, weil irgendwo ein Fussgänger über die Strasse watschelt. Und damit ärgern sich auch die Velofahrer. Denn die steigen bekanntlich sofort um, wenn ein paar Regentropfen fallen oder die Temperaturen unter 10 Grad sinken.
    Verkehrsprobleme lassen sich dort, wo der Platz so eng ist, nicht lösen, indem man den einen Verkehrsträger gegen einen anderen ausspielt.

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    1. mpf77777, 19.10.2021, 16:14 Uhr

      Bei der Versuchsampel in BS wurden die Grünzeiten auch für Autofahrer:innen länger. Dank neuen Technologien ist hier sogar eine «Win-Win» Situation möglich.

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