Zuger Goalie-Talent muss die EVZ Academy retten
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EVZ-Goalie Luca Hollenstein: Was für eine berufliche Zukunft steht dem 19-Jährigen bevor? (Bild: Claudio Thoma/freshfocus)

Anspruchsvolle Zeiten für Luca Hollenstein Zuger Goalie-Talent muss die EVZ Academy retten

5 min Lesezeit 20.01.2020, 11:08 Uhr

Der bloss 1,78 Meter grosse Luca Hollenstein ist ein nationales Goalie-Talent. Doch die Selbstverständlichkeit eines Hexenmeisters, mit der er noch im Herbst das Tor der Zuger beschützte, scheint verflogen. Nun muss Hollenstein vorerst das schmerzhafte 1:5 in Langnau wegstecken. Denn auf ihn wartet eine wichtige Mission.

Es ist viel passiert in der Zeit zwischen dem Zuger 5:3-Sieg in Lugano und dem 1:5 am letzten Samstag in Langnau. Der «Dreier» im Südtessin markierte Hollensteins letzten Einsatz im Dress des meistgenannten Titelanwärters 2019. Man schrieb den 8. Dezember. Es war die Zeit, als Hollenstein mit seinen grossen Leistungen fette Schlagzeilen in nationalen Zeitungen produzierte.

Der «Nuller» im Emmental, der zweite im siebten Spiel der Zuger während eines neuen Jahrzehnts, ist Hollensteins Rückkehr ins EVZ-Tor. Er stapfte mit einer ernüchternden Abwehrquote von 72,2 Prozent vom Eis. Schon an der U20-WM über die Zeit des Jahreswechsels konnte der Schweizer Goalie seine atemberaubende Flughöhe nicht halten. Es ist spürbar ruhiger geworden um Hollenstein in diesen Tagen und Wochen.

Nach wie vor gute Goalie-Werte

Aber es gibt nicht den geringsten Anlass für den 19-jährigen Bündner, sich deshalb schlecht zu fühlen. Hollenstein steht nach neun Einsätzen für die Zuger in der höchsten Spielklasse noch immer bei guten 91,3 Prozent Abwehrquote und hat dabei weniger als 2,5 Gegentore pro Match kassiert. «Selbst ein grosses Talent, wie er es in seinem Alter ist, kann nicht dieses Toplevel über eine lange Saison halten», weiss EVZ-Sportchef Reto Kläy.

«Wir brauchen Punkte in der Swiss League, darum kommt Hollenstein momentan mehr dort zum Zug.»

EVZ-Sportchef Reto Kläy

Es ist kein Misstrauensvotum der Zuger Organisation, wenn Hollenstein künftig weniger im Rampenlicht der ersten Mannschaft erscheinen wird. Sein Auftrag in nächster Zeit ist für den EVZ vielleicht noch wichtiger: Er muss mit der in den Kampf gegen den Abstieg verwickelten Academy unbedingt den Klassenerhalt in der Swiss League schaffen. Sonst ist das Zuger Nachwuchskonzept gescheitert. Kläy sagt: «Wir brauchen Punkte in der Swiss League, darum kommt Hollenstein momentan mehr dort zum Zug.»

Hollenstein auf Genonis Spuren

Hollenstein erlangt für den Zuger Talentpool also in etwa die gleich grosse Bedeutung wie Leonardo Genoni für die erste Mannschaft: Beide müssen sie Grosses leisten, um ihren Teams das grosse Ziel zu ermöglichen: der Academy den Ligaerhalt, dem Fanionteam den Meistertitel. Selbstredend: Hollensteins Mission ist um ein Vielfaches weniger publikumswirksam.

Hollenstein (1,78 Meter) und Genoni (1,82 Meter) – sie passen zueinander wie Brüder im Geiste. Beide haben sie nicht die Körpergrösse, um eine Karriere in der National Hockey League, der besten Liga der Welt, zu machen. Aber der 32-jährige Genoni ist seinen Weg gegangen. Mit fünf Meistertiteln und dem Gewinn der WM-Silbermedaille mit der Schweiz ist er einer der absolut besten Torhüter, die das Schweizer Eishockey je hervorgebracht hat.

«Das kann ich sowieso nicht ändern. Das muss ich mit Schnelligkeit und Positionsspiel kompensieren.»

EVZ-Torhüter Luca Hollenstein

Hollenstein wandelt auf seinen Spuren. Er hat schon an der U18-WM und an der U20-WM 2018 den mit NHL-Gardemassen versehenen und als grösseres Talent eingestuften Akira Schmid (1,95 Meter) in den Schatten gestellt. Schmid wurde im Gegensatz zu Hollenstein gedraftet und wird früher oder später seine Chance als Teamkollege von Nico Hischier bei den New Jersey Devils erhalten.

Körpergrösse: Was soll’s?

Mit dem Defizit der Körpergrösse geht Hollenstein offensichtlich gelassen um. Er sagt: «Das kann ich sowieso nicht ändern. Das muss ich mit Schnelligkeit und Positionsspiel kompensieren.»

«Luca wurde viel fokussierter und fleissiger in den Trainings. Harte Arbeit zahlt sich eben aus.»

U20-Nationaltrainer Thierry Paterlini

Thierry Paterlini, der frühere Schweizer Nationalstürmer, kennt Hollenstein bereits aus der Schweizer U18. Dem 44-Jährigen ist aufgefallen, dass «Luca viel fokussierter und fleissiger in den Trainings wurde. Harte Arbeit zahlt sich eben aus».

Simon Pfister ist der 34-jährige Goalietrainer des EVZ. Er lobt die Spielintelligenz seines jungen Schützlings und dessen Positionsspiel. «Im Stickhandling hat Luca Hollenstein noch grosses Potenzial, aber das verbindet ihn mit vielen Torhütern unseres Landes.»

Genoni kann Hollenstein dabei ein guter Lehrmeister sein. Im Umgang mit seinem klobigen Goaliestock scheint er bisweilen mehr Gefühl zu haben als der eine oder andere Feldspieler, mit dem er während seiner langen Karriere zusammenspielte.

Junge Goalies dürfen Fehler machen

Pfister lobt Hollensteins Mut, die Scheibe mit dem Stock zu spielen. Selbst im Wissen darum, dass dieser noch Steigerungspotenzial habe. «Das ist der richtige Weg, sich zu verbessern. Unsere Goalies müssen das Vertrauen von uns Trainern und der Mannschaft erhalten, dabei auch Fehler machen zu dürfen.»

«Wenn Luca noch etwas länger auf den Beinen bleibt, hält er noch mehr Schüsse.»

EVZ-Goalietrainer Simon Pfister

Weil Pfister als Goalietrainer nie zufrieden sein darf mit einem seiner Schützlinge, sieht er auch bei Hollensteins Positionsspiel zwischen den Torpfosten grosses Potenzial. «Wenn Luca noch etwas länger auf den Beinen bleibt, hält er noch mehr Schüsse.»

Im EVZ ist man davon überzeugt, dass der «kleine» Hollenstein alle Voraussetzungen mitbringt, um dereinst ein ganz Grosser zu werden. Vielleicht gar in der atemberaubenden Dimension eines Leonardo Genoni. Deshalb ist der Vertrag mit Hollenstein in Zeiten Schweizer Goalie-Not im letzten Herbst wohlweislich vorzeitig um zwei Jahre bis 2022 verlängert worden.

Der Vertrag von Hollensteins Lehrmeister Leonardo Genoni endet 2024. Die beiden werden sich gegenseitig herausfordern. Es ist und bleibt ein spannendes Projekt, das man inner- und ausserhalb von Zug mit Argusaugen verfolgen wird.

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