Zuger finden die Schweizer Antwort auf Aperol Spritz
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Alexander (links) und Albert Tichelli in der Brennerei von Daniel Hecht. (Bild: zvg)

Mount Rigi: Jugend in Walchwil inspirierte Likörproduzenten Zuger finden die Schweizer Antwort auf Aperol Spritz

3 min Lesezeit 01.10.2020, 18:20 Uhr

Er schmeckt nach Minze oder Zitrone und erinnert nur leicht an Kirschwasser. Alexander und Albert Tichelli haben einen Aperitif kreiert, um die alte Handwerkskunst des Schnapsbrennens zu ehren. Aber vor allem wollen sie Fruchtbrand für Frauen und Junge zugänglicher machen.

Es begann vor einigen Jahren im Brennhäuschen des historischen Zurlaubenhofs in Zug. Alexander Tichelli (40) und Albert Tichelli (71) tüftelten hier an einer Rezeptur für einen Likör, aus dem sich Aperitifs mischen lassen. Ihre Mission: dem Kirsch ein neues Gesicht zu geben.

«Wir mögen die traditionellen Dinge aus der Region. Und wir lieben Kirsch», sagt Alexander Tichelli. Aber die herkömmlichen Fruchtbrände würden fast nur noch von Liebhabern getrunken. «Freunde aus Amerika haben uns auch gefragt, ob Schweizer Frauen wirklich Kirsch trinken.» Als Antwort haben Vater und Sohn Tichelli den Aperitif Mount Rigi geschaffen. Sie vertreiben ihn seit Februar 2019 von ihrer gleichnamigen Distillerie, dem Zurlaubenhof in Zug, aus.

Zentralschweizer Grundstoffe

Da das hellgelbe Getränk schon einige Freunde gefunden hat und bereits einige Tausend Flaschen in die gut sortierten Getränkehandlungen der ganzen Schweiz gingen, musste die Produktion verlagert werden. «Es wird Zentralschweizer Kirsch verarbeitet und das soll auch so bleiben», erzählt Tichelli. Und man arbeite auch mit lokalen Produzenten zusammen – aktuell etwa dem Sempacher Brenner Daniel Hecht.

Wir verköstigen Mount Rigi zusammen mit Prosecco als Spritz. Und schmecken im Gaumen Melisse und etwas Zitrone. Kirschnoten sind wenige zu spüren. Wir meinen aber eine Mandelnote zu bemerken, die bei diesem Brand oft vorkommt.

Holunder und Rosenmelisse

«Ja, die Kirschbasis ist sehr sublim», bestätigt Alexander Tichelli. Und erklärt den Herstellungsprozess: Kräuter werden mazeriert, also in Alkohol eingelegt. Das entzieht ihnen Aroma und Farbe. Dann bringt man das Mazerat mit dem Kirschwasser zusammen und lässt es ruhen. Beigefügt wird Zucker und Wasser – schliesslich soll ein Likör mit einem Alkoholgehalt von nur 20 Prozent entstehen.

«Ich bin immer wieder überrascht, wie bekannt dieser Berg ist.»

Alexander Tichelli, Distillerie Mount Rigi, Zug

Welche Kräuter dem Mount Rigi seinen Geschmack verleihen, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. «Aber dabei sind etwa Holunder und Rosenmelisse», verrät Tichelli.

Likör ergänzt Bier

Früher war er im Baugewerbe und im Handel tätig. Mittlerweile ist er vollberuflich für seine Distillerie unterwegs. «Das ist der beste Job meines Lebens», sagt er. Ein grosser Teil seiner Tätigkeit hat dabei mit der Promotion des Getränkes zu tun. Es gilt nicht nur neue Kunden, sondern auch neue Anwendungen für den Likör zu finden.

Bei der Kirschenernte: Alexander und Albert Tichelli legen manchmal selbst Hand an.

«Anfangs wurde er meist mit Eis, on the rocks, oder zusammen mit Tonic getrunken», erzählt Tichelli. Einige Barkeeper verwenden ihn mittlerweile auch in komplizierten Cocktails. Tichelli selber mag ihn am liebsten zusammen mit Bier, Eis und Zitronenschnitz. «Das hat einen ganz eigenen Geschmack», sagt er.

Das Beste liegt am nächsten

Die Typografie und die schräge Etikettenform von Mount Rigi erinnern entfernt an den derzeit populärsten Aperitiflikör – den Aperol. Das helle Türkis der Flasche indes ruft eher Assoziationen an den Zugersee wach. «Wir haben uns lange überlegt, wie wir den Likör nennen wollen», erzählt Alexander Tichelli, der selber im Knonauer Amt wohnt.

 Am Ende setzten sich die Kindheitserinnerungen von Albert Tichelli durch. «Mein Vater ist in Walchwil aufgewachsen und hat jeden Tag auf die majestätische Silhouette der Rigi geblickt», sagt Tichelli. Am Ende sei eben oft jenes das Beste, was am nächsten liege. «Ich bin immer wieder überrascht, wie international bekannt die Rigi ist», sagt er über den Glücksgriff bei der Namensgebung.

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