Zuger FDP fordert Millionenkredite fürs Gewerbe
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Schluss mit Dinieren in stilvoller Umgebung, wie hier im «Schiff» in Zug. Restaurants bleiben zu. (Bild: zvg)

Damit den Zuger Firmen das Geld nicht ausgeht Zuger FDP fordert Millionenkredite fürs Gewerbe

4 min Lesezeit 1 Kommentar 16.03.2020, 18:32 Uhr

Schon vor dem Notstand sind einige Betriebe ins Straucheln geraten. Jetzt fragt sich erst recht: Reicht die Wirtschaftshilfe des Bundes? Vier freisinnige Zuger Parlamentarier wollen für lokale Betriebe zusätzliche finanzielle Garantien vom Kanton.

Hiobsbotschaften aus dem Hotelgewerbe und den Gastwirtschaften: Im Durchschnitt wurden gemäss HotellerieSuisse fast die Hälfte der Übernachtungen für März und April bereits storniert, die Hälfte der Betriebe rechnet im kommenden Monat mit Liquiditätsengpässen.

Auch Restaurants hätten damit massiv zu kämpfen, dass auch weniger einheimische Gäste zum Essen kämen, sagt Patricia Hofstetter, Geschäftsführerin von Zug Tourismus. Das Seminarhotel Unterägeri soll zehn Mitarbeitende auf die Strasse gestellt haben, sagt eine Gewährsperson. Diese Meldung ist nicht zu überprüfen, weil die Direktorin auf keine Kontaktversuche reagiert.

Mittel für Kurzarbeitsentschädigungen

Doch diese Ereignisse stammen aus der vergangenen Woche – mit dem «Lockdown», den der Bundesrat am Montag bekannt gegeben hat, werden zwar keine Hotels, aber die Betriebe der Gastronomie schliessen müssen. Nicht nur für sie stellt sich die Frage, wie sie die kommende Zeit ohne Einnahmen werden überleben können.

10 Milliarden Franken will der Bund bekanntlich für die Wirtschaftshilfe lockermachen. Mit 2 Milliarden soll die Liquidität von Unternehmen vorübergehend gestützt werden, 8 Milliarden sollen für Kurzarbeitsentschädigungen eingesetzt werden.

Amt für Wirtschaft wird zum Call Center

«Kurzarbeitsentschädigungen sind ein hervorragendes Instrument», sagt der freisinnige Hünenberger Kantonsrat Beat Unternährer. Selber Unternehmer in der exportorientierten Maschinenbaubranche kennt er die Schwierigkeiten aufgrund von Reisebeschränkungen für die eigenen Angestellten.

Beim Amt für Wirtschaft und Arbeit laufen derzeit die Telefonleitungen heiss. «Hier ist es derzeit wie in einem Call Center», sagt Leiter Bernhard Neidhart. Mehrere Mitarbeiter seien vollständig damit beschäftigt, Anfragen zu beantworten und die notwendige Verfügungen zu sprechen.

Viele haben noch nie Kurzarbeit beantragt

Wie viel Kurzarbeit genau beantragt wurde, darüber wird derzeit noch keine Statistik geführt, welche Branchen betroffen sind, nicht genauer analysiert. Klar ist einzig, dass die Nachfrage riesig ist und darunter viele Betriebe sind, die noch nie Kurzarbeit beantragt haben. Es besteht ein entsprechendes Informationsbedürfnis, um die Anträge richtig auszufüllen.

«Wir haben im Moment alle Hände voll damit zu tun, Kunden zu bedienen, die um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen und auf Unterstützung angewiesen sind», sagt Neidhart. «Statistiken erstellen wir, sobald wir dazu kommen.» Genauere Zahlen stellt er für kommende Woche in Aussicht.

Separates Zuger Hilfspaket tut not

Angesichts dessen passt es, dass Beat Unternährer ein spezielles Unterstützungspaket für lokale Zuger Unternehmen will. Zusammen mit den FDP-Kantonsräten Michael Arnold aus Baar, Cornelia Stocker und Helene Zimmermann aus Rotkreuz  fordert er die Zuger Regierung in einem Postulat auf, in Zusammenarbeit mit «lokalen Banken ein Lösungspaket für Überbrückungskredite für lokales Gewerbe auf die Beine zu stellen».

«Die Corona-Krise trifft lokale Unternehmen – etwa im Tourismus, dem Detailhandel, der Kultur oder der Kinderbetreuung – sehr hart», argumentieren die Parlamentarier. Die politischen Entscheide der letzten Tage hätten ihre Situation «verschärft». Es treffe auch Unternehmen, die vor der Krise gut gearbeitet haben.

Maximal 10 Millionen Franken

Die vier Freisinnigen wollen aber nicht wahllos Wirtschaftshilfen fürs Gewerbe. Sie wollen Instrumente, die nach ihrer Ansicht «ordnungspolitisch vertretbar» sind und sich mit ihren liberalen Idealen vereinbaren lassen.

Konkret heisst das, dass der Kanton keine eigenen Mittel für Überbrückungskredite einsetzt, sondern lediglich Garantien für geliehenes Geld gewährt – und zwar maximal 10 Millionen Franken.

Kredite sollen an zukunftsfähige Firmen gehen

«Für uns ist es wichtig, dass der Kanton bei der Kreditvergabe mit privaten Profis zusammenarbeitet und nicht selber investiert», sagt Unternährer. So soll erreicht werden, dass das Zuger Gewerbe Zugang zu zusätzlichen Krediten in der Not bekommt. Betriebe, die schon vor der Krise «notleidend» waren, sollen hingegen nicht mit staatlichen Garantien gefördert werden.  Dies sollen lokale Geldinstitute mit ihren Fachkenntnissen beurteilen, daher soll das Hilfspaket des Kantons zusammen mit ihnen geschnürt werden.

Das Postulat der freisinnigen Zuger Kantonsräte soll bei der nächsten Parlamentsdebatte dringlich behandelt werden. Falls der Kantonsrat länger pausiert, wird dem Vorstoss der Charakter eines öffentlichen Appells zukommen – die Zuger Regierung wird sich schon vor der nächsten Debatte mit möglichen Massnahmen auseinandersetzen müssen, falls sie rechtzeitig fruchten sollen.  

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1 Kommentare
  1. CScherrer, 18.03.2020, 13:54 Uhr

    Die FDP mal wieder! Fährt in der Regel grosse Unternehmen ziemlich fahrlässig an die Wand (swissair, ubs etc.) und zieht dann dem Steuerzahler das Geld aus der Tasche. Auch die FDP muss verstehen, dass es jetzt mal an der Zeit ist, dass die Banken – insbesondere die UBS – erkenntlich zeigt und der Wirtschaft auf die Beine hilft.

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