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Zuger fahren die grössten Dreckschleudern der Schweiz
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Ist auf Zuger Strassen öfter anzutreffen als anderswo: Der Rolls Royce Cullinan. (Bild: Flickr / Alan Farrow)

CO2-Emissionen steigen wieder deutlich an Zuger fahren die grössten Dreckschleudern der Schweiz

4 min Lesezeit 22.07.2019, 08:11 Uhr

Die Autos der Schweizer werden immer grüner? Nicht wirklich. Zwar steigt der Anteil der Elektro-Autos, jedoch nehmen auch die CO2-Emissionen zu. Besonders der Kanton Zug fällt als Umweltsünder auf.

Die aktuellsten Zahlen des Bundesamtes für Energie (BFE) zeigen es schwarz auf weiss: Die Zuger sind autotechnisch die grössten Umweltsünder der Schweiz. Das BFE präsentierte kürzlich die wichtigsten Zahlen für 2018, was Neuwagen anbelangt. Resultat: Der Kanton Zug steht an der Spitze – jedoch bei den unrühmlichen Ranglisten.

So stossen die 2018 in Zug gekauften Neuwagen durchschnittlich 152 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Damit schlägt man sogar den Bergkanton Graubünden, der mit einem Wert von 149 Gramm CO2 pro Kilometer auf Rang zwei folgt. Das rühmliche Schlusslicht bildet Obwalden mit 131 Gramm.

Konflikt mit den Zielen des Bundes

Bedenklich ist, dass der aktuelle Zuger Wert für den Kanton Zug die letzten drei Jahre betrachtet einen Höchstwert darstellt – dies nachdem die CO2-Emissionen zwischen 2015 und 2017 konstant geblieben sind bei 145 bis 146 Gramm.

Seit 2015 dürfen erstmals zum Verkehr in der Schweiz zugelassene Autos im Durchschnitt maximal 130 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Die Importeure müssen diese Vorgabe als Flottendurchschnitt einhalten. Ab 2020 gilt für Personenwagen gar ein Zielwert von 95 Gramm, analog zu den Bestimmungen der EU.

Immer mehr Allradautos unterwegs

Das BFE begründet die Zunahme von Verbrauch und CO2-Emissionen einerseits mit dem weiterhin steigenden Anteil an Allradfahrzeugen. Schweizweit waren es 2018 fast die Hälfte der Neuwagen. In Zug über 63 Prozent. Einfach gesagt, sie brauchen mehr Sprit. Obenaus schwingt in dieser Statistik Graubünden mit 80 Prozent Allradautos. Mit dem Unterschied, dass diese in den Bündner Bergen eher vonnöten sind denn in den meisten Zuger Gefilden.

Als zweiten Grund macht das BFE den Rückgang der Dieselfahrzeuge geltend, sprich auf den Strassen steigt der Anteil der Benziner. Dieselautos stossen weniger CO2 aus als Benziner. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sie dafür mehr Stickstoffoxid abgeben. Zusätzlich könnte ein neues Messverfahren unter realitätsnäheren Bedingungen bei einigen Fahrzeugen zu einer leichten Erhöhung der CO2-Emissionen geführt haben, mutmasst das BFE.

Auch was den durchschnittlichen Treibstoffverbrauch anbelangt, thront Zug einsam an der Spitze mit 6,69 Litern Benzinäquivalent auf 100 Kilometer, Tendenz steigend. Ein Benzinäquivalent von einem Liter entspricht dem Heizwert eines Liters Benzin. Gemeinsam auf Rang zwei folgen Schwyz und Graubünden mit je 6,56 Litern.

Zuger Autos werden immer schwerer

Eine weitere Zahl, die aufhorchen lässt, ist, dass sich jeder 21. Zuger im vergangenen Jahr ein neues Auto gegönnt hat – nicht Kaufberechtigte eingerechnet. Diesbezüglich waren einzig die Tessiner kauffreudiger. Der Kanton Appenzell Innerrhoden wird dabei aussen vor gelassen, da dort der Grossteil der Mietautos eingelöst ist.

Die Zuger Autos werden nicht bloss emissionsreicher, sondern auch teurer und schwerer. Das Leergewicht der Zuger Neuwagen stieg seit 2014 stetig an auf inzwischen durchschnittlich 1’837 Kilogramm. Dies entspricht einem Volvo-SUV des Modells XC60. Schweizweit ist dies – natürlich – Bestwert.

Anteil der E-Autos steigt

Den Durchschnittspreis eines Neuwagens erhebt das BFE erst seit 2017. Zug konnte dabei seine Spitzenposition im Vorjahr verteidigen. Der durchschnittliche Fahrzeugpreis stieg dabei in einem Jahr von 55’000 auf 62’000 Franken an. Dafür bekommt man wiederum beispielsweise einen Volvo XC60.

Was also tun, um die Zuger für emissionsärmere Autos zu sensibilisieren? Der zuständige Regierungsrat Florian Weber (FDP), betont, dass die Baudirektion grossen Wert auf die Information und Beratung der Bevölkerung lege. «Auf der Website des Amts für Umwelt findet man verschiedene Informationen und Links, beispielsweise zur Energieetikette für Fahrzeuge oder zur Auto-Umweltliste des TCS», so Weber.

Warum ausgerechnet Zug?

Das Spektrum der Aktionen reiche von Podiumsdiskussionen zum Thema Elektromobilität bis zu Informationsanlässen für Garagisten. Weber weiter: «2017 lancierte die Baudirektion mit den anderen Zentralschweizer Kantonen die Kampagne ‹E chline Schritt›, welche mit verschiedenen Aktionen für nachhaltigen Konsum und Schonung der Ressourcen sensibilisiert.»

Über die Gründe, weshalb ausgerechnet die Zuger solch grosse Umweltsünder sind, könne man laut Weber nur spekulieren. «Die hohe Kaufkraft mag dazu beitragen. Vielleicht spielt es auch eine Rolle, dass die Bevölkerung in Zug sehr international ist», mutmasst der Walchwiler.

Nicht ganz alle BFE-Zahlen werfen einen dunklen Schatten über Zug. Das Bundesamt weist auch den Anteil der Elektrofahrzeuge unter den Neuwagen aus. Immerhin zeigt auch in diesem Bereich die Zuger Kurve steil nach oben. Der Anteil stieg seit 2014 von 0,55 auf 4,33 Prozent an. Für einmal bedeutet dies jedoch nicht den Platz an der Sonne. Diesen nimmt Basel-Stadt mit 5,23 Prozent ein. Für Zug reicht es aber immerhin für die ersten fünf.

Nicht bloss ein Statussymbol

Laut Weber bescheinigen Studien dem «kleinräumigen, urbanen Kanton Zug» gute Voraussetzungen für die Verbreitung der Elektromobilität. Er glaube deswegen nicht, dass die Zugerinnen und Zuger ein Elektroauto primär als Statussymbol kaufen, sondern weil sich damit die kurzen Distanzen gut bewältigen liessen und die CO2-Emissionen damit gesenkt werden.

Von Seiten des Kantons sei man im Rahmen seiner Möglichkeiten aktiv. Weber spricht das Parkhaus an der Aa in Zug an, welches über eine öffentlich zugängliche Ladestation für Elektroautos verfügt. «Zudem stehen den Mitarbeitenden Elektrovelos und zunehmend auch Elektroautos zur Verfügung», ergänzt der 38-Jährige.

Ausserdem sei die Baudirektion daran, ein Mobilitätskonzept zu erarbeiten. Weber: «Dort werden Themen wie Shared Mobility, Mobility Pricing oder steuerliche Anreize für schadstoffarme Fahrzeuge geprüft.»

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