Zuger Eigengewächse schiessen den EVZ zum Sieg
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Torschütze Livio Stadler (Mitte) drückte dem Spiel vom Dienstag den Stempel auf. (Bild: Claudia Thoma/freshfocus)

Ein klares Votum für die Nachwuchsförderung Zuger Eigengewächse schiessen den EVZ zum Sieg

5 min Lesezeit 13.01.2021, 09:47 Uhr

Der souveräne Leader der National League lässt sich weder durch die zähen Lakers aus Rapperswil noch durch einen Spielunterbruch wegen der fehlerhaften Zeitnahme aus dem Konzept bringen. Den Unterschied machen dabei zwei Tore binnen 73 Sekunden der beiden ehemaligen EVZ-Nachwuchspieler Yannick Zehnder und Livio Stadler.

In einer Zeit, in der heiss und kontrovers über die geplante Ligareform diskutiert wird und die Zukunft der Nachwuchsförderung allgemein sowie das Fortbestehen der EVZ Academy im Speziellen ungewisser denn je scheint, liefern die früheren EVZ-Junioren Yannick Zehnder und Livio Stadler erstklassige Argumente für eine starke Nachwuchsförderung. Die beiden «Ur-Zuger» waren gleich für alle drei Tore besorgt. So geschehen am Dienstagabend gegen die Rapperswil-Jona Lakers.

Dass die Schweizer Spieler beim EVZ die Tore schiessen, ist kein Ausnahmefall. Seit der kanadische Center Ryan McLeod am Mitte Dezember von den Edmonton Oilers zurückberufen wurde, bestritt der EVZ nun zehn Spiele mit nur drei Ausländern.

Schweizerische Zuverlässigkeit

Das fiel jedoch nicht im geringsten ins Gewicht, denn die schweizerischen Cracks hielten die Torproduktion wacker und zuverlässig aufrecht. Von den 36 erzielten Toren in diesen 10 Partien steuerten die heimischen Spieler stolze 29 Treffer bei, was über 80 Prozent entspricht. Bemerkenswerte acht dieser 29 Torerfolge (27,6 Prozent) gelangen alleine dem Stürmer Yannick Zehnder.

«Es ist einfach geil.»

Yannick Zehnder

Der gebürtige Zuger erfreut sich einer blendenden Form und hat aktuell einfach einen Lauf. Dem Hattrick im letzten Heimspiel gegen Fribourg-Gottéron (6:3) liess Zehnder einen Doppelpack zum 3:1 Sieg gegen die Rapperswil-Jona Lakers folgen. In bisher 24 Spielen der Saison 2020/21 sammelte der 23-Jährige bereits 18 Skorerpunkte (12 Goals/6 Assists). Eine beachtliche Quote. Seine Ausbeute der letzten Saison 2019/20 von 11 Zählern (6 Goals/5 Assists) hat er längst deutlich übertroffen.

«Es macht einfach Spass, in dieser Sturmlinie zu wirbeln»

Weshalb läuft es denn dem Zuger Stürmer derzeit so gut? «Es ist einfach geil, in dieser Sturmlinie neben Carl Klingberg und Yannick-Lennart Albrecht zu wirbeln. Wir wissen genau, wo der Mitspieler steht. Das Timing passt ebenfalls ideal und so finden wir einander quasi blind», sagte Zehnder nach den Spiel.

Wenn’s läuft, dann läuft’s. Wie gut sich die Sturmpartner finden, bewies die Entstehung des ersten Zuger Tor des Abends. In einem Energieanfall tankte sich der Schwede Klingberg durch die gegnerischen Reihen bis vor das Gehäuse der Rosenstädter.

Zwar brachte er den Puck nicht an Gästekeeper Melvin Nyffeler vorbei, sicherte sich das Spielgerät jedoch gleich wieder und legte dann quer durch den Slot auf Zehnder, welcher mit seinem Direktschuss Nyffeler «zwischen den Hosenträgern» erwischte. Dieser Ausgleichstreffer zum 1:1 in der 36. Minute war eminent wichtig und liess den EV Zug allmählich in Fahrt kommen.

Das Heimteam lässt sich durch längeren Spielunterbruch nicht aus dem Tritt bringen

Jedoch wurden die Zuger Angriffsbemühungen plötzlich minutenlang unterbrochen, in der 46. – oder war es in der 47.? – nein, es war in der 48. Spielminute. Dies allerdings nicht etwa, weil die Lakers den Gastgeber nun in die Defensive drängten, sondern weil die Zeitnehmer ein Problem zu lösen hatten, einmal mehr.

Es ist auffällig und schlicht peinlich, in welcher Regelmässigkeit solche Pannen mit der Zeitnahme in der Bossard Arena zu beklagen sind. Mit Verlaub, das ist einer professionellen Organisation wie der des EVZ, die sonst in allen Belangen hervorragende Arbeit verrichtet, absolut unwürdig. 

Der Steigerungslauf der Zentralschweizer setzte sich zu Beginn des Schlussdrittels fort. «Im ersten Drittel hatten wir zwar viele Schüsse (19:9), jedoch meistens eher von aussen», erklärte Yannick Zehnder. «Ab dem zweiten und besonders im dritten Spielabschnitt gelang es uns immer besser, in gefährlichere Positionen zu kommen und den Gegner einzuschnüren.»

Solche Vorkommnisse hemmen den Spielfluss. Der Unterbruch dauerte derart lange, dass die Spieler auf beiden Seiten Runden drehen mussten, um sich wieder warmlaufen zu können.

In 73 Sekunden vom 1:1 zum 3:1

Dieser unangenehm lange Spielunterbruch schien den Gästen mehr zuzusetzen. Das Heimteam hingegen liess sich nicht aus dem Tritt bringen und drückte gleich wieder auf die erstmalige Führung. Diese wurde letztlich von eher unerwarteter Seite bewerkstelligt. Nach sehenswerter Vorarbeit von Gregory Hofmann und Jan Kovar legte der Zuger Topskorer den Puck in den Slot, wo der Verteidiger Livio Stadler in den freien Raum lief und die Scheibe in die Maschen zimmerte.

Der tschechische Assistgeber sicherte seinem Teamkollegen sogleich den Puck als Erinnerung, denn Stadlers 2:1 war nicht nur das Game Winning Goal (spielentscheidendes Tor), sondern auch der erste Torerfolg überhaupt in der höchsten Spielklasse für den 22-Jährigen aus Steinhausen.

«Wir haben Livio in der Garderobe hochleben lassen.»

Yannick Zehnder

Die Art und Weise, wie seine Mitspieler diesen besonderen Moment in Stadlers Eishockeylaufbahn mit ihm zusammen bejubelt und gefeiert haben, spricht Bände für den Charakter dieser Mannschaft.

«Ich habe mich fast mehr über sein Goal gefreut als über meine zwei Tore», strahlte Yannick Zehnder auch nach dem Match noch. «Wir haben Livio in der Garderobe hochleben lassen und ihn zum teaminternen Player of the Game (Spieler des Abends) gekürt.» Die offizielle Ehrung des Player of the Game auf dem Eis hatte zuvor Zehnder selbst in Empfang genommen, im zweiten Heimspiel in Folge.

«Die Gegener sollen es hassen, gegen uns zu spielen.»

Solche Szenen der Freude mit Stadler und die Äusserungen Zehnders lassen erahnen, wie grossartig der Geist und der Zusammenhalt in dieser Mannschaft sein muss.

Natürlich freut sich der gebürtige Kolinstädter ebenfalls, dass mit Livio Stadler und mit ihm selbst zwei EVZ-Eigengewächse dem Spiel gegen die Lakers mit allen drei Toren den Stempel aufzudrücken vermochten. «Es ist toll, dass die jungen Spieler hier eine echte Chance bekommen und sich beweisen können.» Mit Stadler und Zehnder werden zehn Spieler mit Vergangenheit im EVZ-Nachwuchs und/oder der EVZ Academy regelmässig von Dan Tangnes im Fanionteam eingesetzt. Zehnder selbst übernimmt mehr und mehr Verantwortung und ist beispielsweise im Powerplay inzwischen gesetzt.

OYM scheint sich auszuzahlen

Den guten Lauf des Teams mit nunmehr 16 Spielen ohne Niederlage nach 60 Minuten erklärt sich der 23-Jährige hauptsächlich mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen und dadurch, dass sie sich konsequent an ihr System halten. Der Stürmer nennt aber auch die harte Arbeit Tag für Tag als Grund.

Mit der einmaligen Kombination von Athletik und Eishockey im OYM investieren die Spieler langfristig, um in der entscheidenden Phase der Meisterschaft bereit zu sein, sowohl physisch als auch mental. «Wir sind nie zufrieden», sagt Zehnder, «und wir heben nicht ab. Diesen Lauf wollen wir noch lange weiterziehen. Die Gegner sollen es hassen, gegen uns zu spielen.»

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