Zuger Chesslete: So richtig warm wurde es von innen
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Los Contineros, Descampados und Figorowa eröffneten mit dem gemeinsamen Monsterkonzert die Fasnacht. (Bild: sib)

40. Fasnachts-Eröffnung auf dem Landsgemeindeplatz Zuger Chesslete: So richtig warm wurde es von innen

4 min Lesezeit 08.02.2018, 11:12 Uhr

Es ist Schmudo – Tagwache auf dem Landsgemeindeplatz in Zug also. Aber die Zuger Chesslete steht dieses Jahr unter einem besonderen Stern. Es ist nämlich die 40. Ausgabe. Diese wird am Abend mit einer Jubiläumsshow inklusive Feuerwerk gefeiert. Doch wie spürbar ist das Jubiläum bereits um 5 Uhr morgens?

Schmutziger Donnerstag, Landsgemeindeplatz Zug, 4.55 Uhr. In wenigen Minuten beginnt sie also endlich, die Fasnacht. Doch so richtig stimmungsvoll ist die Angelegenheit noch nicht. Der Speaker versucht etwas nachzuhelfen und beordert die Meute in Richtung Bühnen: «Kommt alle rauf, dort spielt die Musik!» Naja, noch nicht. Aber sehr bald.

Seine nächste Durchsage hilft auch nicht wirklich, das Feuer zu entfachen. «Unser OK-Präsident Jascha Hager ist leider nicht hier. Er ist momentan in Luzern.» Einige schauen bereits entrüstet drein: Der wird doch nicht etwa die Luzerner Fasnacht vorziehen? «Er befindet sich gerade im neunten Stock», fährt der Ansager fort. Die Entrüstung auf den Gesichtern weicht einem Fragezeichen. «Er muss sich momentan einer Notoperation unterziehen lassen.» Im Publikum keimt Verständnis auf, obwohl man den Grund dafür nicht erfährt. Aber ein Dämpfer ist es natürlich trotzdem.

Rakete sorgt für Startschuss

Punkt 5 ist es soweit: Die Rakete steigt gen Himmel und sorgt mit einem lauten Knall dafür, dass auch die Fasnachtsunwütigen Kenntnis nehmen vom Start in die fünfte Jahreszeit.

Dann gehts jedoch gleich von 0 auf 100. Die drei Zuger Guuggenmusigen Figorowa, Descampados, und Los Contineros intonieren zusammen die ersten Stücke. Es ist jedoch nicht nur laut, sondern klingt erstaunlich koordiniert.

«Wir sind immer unter Strom»

Miriam Hasenmaile, Präsidentin Los Contineros

Die Fasnächtler scheinen der geballten Ladung Guuggenpower gleich zu Beginn noch nicht ganz gewachsen zu sein. Nur leicht wippend steht der grösste Teil da. Der frühmorgendliche Alkoholpegel scheint noch nicht auf dem benötigten Level zu sein.

Nach drei Stücken ist das Monsterkonzert vorbei und Figorowa übernimmt die musikalische Unterhaltung nun solo auf dem ansehnlich gefüllten Platz. Vom Jubiläum ist abgesehen von einigen Aufstellern im Hintergrund mit Impressionen aus früheren Chessleten noch nicht viel auszumachen.

Pikachus und blinkende Sonnenbrillen

Kostümtechnisch scheinen dieses Jahr zumindest in Zug keine neuen Trends sichtbar zu sein. Ganzkörprige Tier- und «Pikachugwändli» und dazu blinkende oder zumindest fluoreszierende Sonnenbrillen werden nach wie vor hoch im Kurs. Auch Feen, Super Marios sowie die drei Musketiere machen ihre Aufwartung. Das bekannteste anwesende «Fasnachtstier» ist jedoch der Letzibutzäli-Prinz Theo I.

Die Guuggenmusig Figorowa aus Zug gab vollen Einsatz bei ihrem Auftritt.

Die Guuggenmusig Figorowa aus Zug gab vollen Einsatz bei ihrem Auftritt.

(Bild: sib)

Nach den Figorowa sind Los Contineros an der Reihe, der Menge Fasnachtsklänge um die Ohren zu hauen. Beim kleinen Plausch mit dem Ansager, wird deutlich, dass auch Miriam Hasenmaile, die Präsidentin der «Contis», noch nicht ganz auf Betriebstemperatur ist.

«Contis, könnt ihr mal alle Happy Birthday singen?»

High Voltage sei ja ihr Motto dieses Jahr. Was stecke denn dahinter, will der Herr mit dem Mikro wissen. «Wir sind einfach unstoppable und immer unter Strom. AC/DC. Ich weiss auch nicht genau, was ich dazu sagen soll.» Der Ansager lässt es gut sein.

Cannabis? Um diese Zeit?

Unvermittelt steigt einem der Geruch von Cannabis in die Nase. Und das um 6 Uhr morgens. Ist das etwa der Grund für die etwas dröge Stimmung? Oder lässt die Wirkung der alkoholhaltigen Warmmacher einfach noch auf sich warten?

Hüpfen und Tanzen, noch bevor der Schmudo so richtig erwacht.

Hüpfen und Tanzen, noch bevor der Schmudo so richtig erwacht.

(Bild: sib)

Nach einem Stück der Contineros grätscht der Moderator dazwischen: «Ich habe noch etwas vergessen. Die Chesslete wird ja 40. Contis, könnt ihr mal alle Happy Birthday singen?» Dem Aufruf wird Folge geleistet und es gibt ein kleines Geburtstagsständchen. Die Mitmachquote aus dem Publikum ist jedoch überschaubar.

Holdrios auf den Kostümen

Nachdem auch noch die Guuggenmusig Cocorico aus Hünenberg mit ein paar Minuten Verspätung aufgetaucht ist, nimmt das bunte Treiben bei konstant leichtem Schneefall und Temperaturen um den Gefrierpunkt seinen Lauf.

Ein bisschen in Erinnerungen schwelgen mit den Impressionen aus vergangenen Zuger Chessleten.

Ein bisschen in Erinnerungen schwelgen mit den Impressionen aus vergangenen Zuger Chessleten.

(Bild: sib)

Nach gut einer Stunde ziehen die ersten Frühaufsteher von dannen. Neben den wärmenden Getränken werden nun die ersten Biere gekippt. Und so langsam taut die Meute tatsächlich auf. Auch wenn die Holdrios nicht immer zielsicher im Rachen landen, sondern des öftern auch auf den Kostümen.

Vom Landsgemeindeplatz in die Wärme

Die Geschehnisse verlagern sich langsam in die Roledi-Bar der Descampos oder ins Gotthärdli am See. Nur von innen wärmen reicht eben doch nicht. Es ist nach 6.30 Uhr und hier und da ruft eben doch auch die Arbeit.

Die Oohregrööbler Rotchrüüz überreichten später den Chesslete-Verantwortlichen ihre Glückwünsche.

Auf dem inzwischen halbleeren Landsgemeindeplatz kommt tatsächlich noch einmal Jubiläumsstimmung auf, als die Oohregrööbler aus Rotkreuz eine kurze Ansprache halten und der Chesslete alles Gute für die nächsten 40 Jahre wünschen.

Die Zelte mit immer lauterer Musik werden voller, der Landsgemeindeplatz leerer. Zeit, der Kälte zu entfliehen und das eingeläutete Jubiläum so richtig anzugehen. Bis zum Feuerwerk bleibt ja noch Zeit.

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