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Zuger Busse auf Google – und was sagt der Datenschutz?
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Bald auch in Echtzeit auf Google Maps: Die Zuger Busse (Bild: zVg). (Bild: zVg)

ZVB publizieren Busverspätungen auf Google Maps Zuger Busse auf Google – und was sagt der Datenschutz?

3 min Lesezeit 1 Kommentar 20.10.2016, 13:30 Uhr

Die ZVB arbeiten mit Google zusammen, um in der App «Google Maps» anzuzeigen, ob Busse pünktlich verkehren. Damit machen sie das Leben der Zuger ÖV-Benutzer ein Stück angenehmer. Sie locken aber auch User auf die Seiten von Google und machen sie damit noch abhängiger vom Internet-Riesen.

Die Zugerland Verkehrsbetriebe ZVB brechen auf in den digitalen Raum. Wenn Zuger in Zukunft erfahren wollen, wann ihr Bus kommt oder ob er Verspätung hat, dann können sie das bequem auf dem Smartphone abrufen. Google Maps zeigt per Klick auf das Busstation-Icon Abfahrtszeiten der verkehrenden Busse und Störungen im Verkehr an. «Dank der Zusammenarbeit mit Google können wir unseren Kunden heute schon etwas bieten, was bei anderen erst in ein paar Jahren kommen wird», sagt Unternehmensleiter Cyrill Weber.

Vor zirka einem Jahr begann Google laut dem Fachportal «9to5Google» damit, Abfahrtszeiten und allfällige Verspätungen des öffentlichen Verkehrs auf ihrer Karten-App zu sammeln und zur Verfügung zu stellen. Nun haben die ZVB als erstes Transportunternehmen der Schweiz dieses Angebot genutzt: Die Abfahrtszeiten der Zuger Busse sind auf Google Maps in Echtzeit abrufbar.

Die verkehrenden Busse an der jeweiligen Station sind mit Echtzeit-Abfahrtsdaten einsehbar.

Die verkehrenden Busse an der jeweiligen Station sind mit Echtzeit-Abfahrtsdaten einsehbar.

(Bild: Screenshot)

Die gefrässige Krake

Google ist eine Datenkrake: Ihr Geschäft ist es, Informationen anzuhäufen, neu zu kombinieren und verwertbar zu machen. Sie tue das durch drei Dinge, erklärt ETH-Informatik-Ingenieur und Co-Präsident der Piratenpartei Stefan Thöni. Google kennt dich wegen deiner Suchanfragen. Google kennt dich wegen der Google-Apps, die du benutzt. Und Google hat Verträge mit Drittanbietern, die ihnen ebenfalls Daten liefern. «Welche Daten da genau fliessen, kann man aber nicht sagen», sagt Stefan Thöni. Konkret bei der ZVB sind es wohl tatsächlich bloss die Busverspätungen. Eine anschauliche Demonstration, was Google mit Daten so alles kann, bietet eine kleine Linksammlung (siehe weiterführende Links).

Zuger ÖV-Benutzer füttern die Datenkrake

Informationen über verspätete Zuger Busse? Das sei wohl tatsächlich nicht ganz so problematisch, meint auch Stefan Thöni. Das Problem sei viel grundsätzlicher. «Wenn Anbieter wie die ZVB zu Google gehen und Kooperationen eingehen, dann wächst deren Datenberg natürlich enorm», stellt Stefan Thöni fest. Die User werden durch Angebote wie Zuger Fahrpläne in Echtzeit auf Google Maps gelockt und mehren dort durch ihr Verhalten den Datenberg der Krake. Dass die Initiative für solche Projekte ursprünglich von Google kommt, ist daher nicht erstaunlich.

«Wenn öffentliche Dienste auf Angebote von Google zurückgreifen, wird es immer schwieriger, auszuweichen», sagt Stefan Thöni. Es entstehe eine grosse Abhängigkeit.

«Kein Problem», sagt die Datenschützerin

Die Datenschutzbeauftragte Claudia Mund beruhigt: «Daten sind erst problematisch, wenn Personen bestimmbar werden.» Alleine hinter den Abfahrtsplänen der Zuger Busse sind bestimmt keine einzelnen Personen zu erkennen. Durch den individuellen Zugriff auf die App könnte sich das ändern. Trotzdem: «Aus datenschützerischer Sicht sehe ich hier kein Problem», sagt deshalb Claudia Mund.

Wieso haben denn die ZVB nicht eine eigene App entwickelt oder sind eine Zusammenarbeit mit der SBB eingegangen? Cyrill Weber von der ZVB dazu: «Bis der Dienst so auf der SBB-App funktionieren würde, geht es noch ein wenig. Schritt für Schritt kommt das schon noch.» Die ZVB sei einfach zu klein für eine eigene App, meint Weber. «Die meisten haben aber Google Maps auf dem Smartphone. «Das ist für die Kunden angenehmer als noch eine App mehr.»

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1 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 20.10.2016, 15:25 Uhr

    Die Busse haben , wenn überhaupt zwei oder drei Minuten Verspätung. Was um Gottes Willen nützt mir da eine App. Wenn ich wegen drei Minuten Probleme habe, liegt das Problem wohl eher bei mir als bei der ZVB

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