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Zuger Busfahrern stehen abends wieder alle Türen offen
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Würden nicht deutlich mehr Zuger die Umwelt schonen und weniger Staus verursachen, wenn Bus und Bahn gratis wären? (Bild: lob)

Ab Dezember kann wieder hinten eingestiegen werden Zuger Busfahrern stehen abends wieder alle Türen offen

3 min Lesezeit 04.12.2017, 05:06 Uhr

Bisher mussten alle Passagiere der ZVB ab 21 Uhr abends vorne beim Chauffeur einsteigen. Nun soll sich das ändern: Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember ist die Pflicht passé. Wird Zug abends nun zum Mekka für Schwarzfahrer?

Seit 15 Jahren herrscht für abendliche Buspassagiere die sogenannte Fronteinstieg-Pflicht. Will heissen: Ab 21 Uhr dürfen Fahrgäste nur noch die vordere Bustür benutzen, zeigen Ticket oder Abo vor, oder lösen es gleich beim Fahrpersonal.

Das reduziert die Möglichkeit schwarz zu fahren praktisch auf Null – ist aber für Taktzeiten und Fahrpläne vermutlich nicht immer förderlich. So mancher Buspassagier hat wohl schon hektisch nachgerechnet, ob es für den Anschluss noch reicht, wenn sich vorne im Bus schon wieder eine Schlange gebildet hat.

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Ein zentralplus-Leser schrieb uns, dass es nach seiner Erfahrung beispielsweise bei der Casino-Haltestelle zu langen Stoppzeiten käme, wenn viele Zusteigende ein Billett lösen müssten. Auch der Anschluss am Bahnhof sei bei Bekannten schon mal flöten gegangen. In gut zehn Tagen sagt man diesem Ordnungsprinzip nun adieu – ist das der Grund?

«Durch Blickkontakt mit den Fahrgästen wusste der Chauffeur oder die Chauffeurin immer, wer im Bus sass.»

Kathrin Howald, Mediensprecherin ZVB

Wir fragen bei der ZVB nach – und wollen erst einmal wissen, wieso die Regelung überhaupt eingeführt wurde. «2002 hat die ZVB den Fronteinstieg bei Fahrten ab 21 Uhr eingeführt, weil sich das Fahrpersonal vermehrt mit Vandalismus sowie Problemen mit im Bus essenden und trinkenden Kunden konfrontiert sah», sagt Mediensprecherin Kathrin Howald.

So hätte der Fronteinstieg die Sicherheit im Bus gesteigert: «Durch Blickkontakt mit den Fahrgästen wusste der Chauffeur oder die Chauffeurin immer, wer im Bus sass.» Mit der Einführung von Videoüberwachung im Bus hätte sich die Lage endgültig beruhigt.

Kameras sind das Zünglein an der Waage

Gerade diese Videoüberwachung habe zum neuen Reglement geführt, erkärt Howald weiter. Heute verfüge die Mehrzahl der ZVB-Busse über Kameras, mit deren Hilfe die Chauffeure den hinteren Bereich im Auge behalten können. «Die ZVB hat darum entschieden, den obligatorischen Fronteinstieg ab 21 Uhr aufzuheben.»

Alleine an den Kameras läge es aber nicht: Der Entscheid sei auch in Rücksprache mit dem Fahrpersonal erfolgt. «Das Feedback von Ihnen war durchweg positiv», sagt ZVB-Marketingleiterin Sonya Hausherr.

«Das spielt mir keine grosse Rolle – ich sitze dann so oder so hinter dem Lenkrad.»

Buschauffeur der ZVB

Bei einer Busfahrt sprechen wir kurz mit einem Chauffeur über die neue Regelung. Tolle Sache, da weniger Stress? Für ihn spiele der Entscheid keine grosse Rolle, meint der Herr in den Vierzigern. «Ich sitze dann so oder so hinter dem Lenkrad.» Die Kunden würden die Änderung aber vermutlich begrüssen, meint er mit einem Lächeln.

Auch die ZVB geht davon aus, den Kunden einen Gefallen zu tun: «Der Kundennutzen liegt darin, dass er beim Einstieg nicht mehr sein Ticket zeigen und nicht an der vordersten Türe ‹anstehen› muss», sagt Sonya Hausherr. Somit beschleunige sich auch der Fahrgastwechsel.

Kontrolleure nun auch abends gefordert

Die Fahrschein-Kontrollen sind also bald nicht mehr Sache der Person hinter dem Lenkrad. Haben Schwarzfahrer nun endgültig freie Fahrt? Mitnichten. «Neu werden abends und in der Nacht die Ticketkontrollen analog zur Kontrolle am Tag durch unsere Kundenberater und -beraterinnen durchgeführt», sagt Kathrin Howald.

«Zusätzliches Personal werden wir nicht anstellen müssen.»

Sonya Hausherr, Marketingleiterin ZVB

Braucht es nun auch zusätzliches Personal? Man benötige mehr Kräfte, diese würden aber aus dem Chauffeurpool rekrutiert, erklärt Marketingleiterin Sonya Hausherr. «Zusätzliches Personal werden wir somit nicht anstellen müssen.» Sollten doch Mehrkosten enstehen, dann in kleinem Umfang, sagt Hausherr weiter. Zugunsten des Kundennutzens würden diese auch in Kauf genommen.

Was sich mit dem neuen Fahrplan sonst noch alles ändert: Hier geht’s zum Bericht.

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