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Zuger Bootshaus soll für eine halbe Million verschoben werden
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Dieses Bootshaus soll in Richtung Stadt Zug verschoben werden. (Bild: wia)

Altes Oeschwiesen-Badehaus geht auf Wanderschaft Zuger Bootshaus soll für eine halbe Million verschoben werden

4 min Lesezeit 30.11.2019, 05:00 Uhr

Strandbad-Besucher können sich bald auch auf der Oeschwiese räkeln. Der Vergrösserung der Badi steht jedoch noch ein Hindernis im Weg: ein Bootshaus der Oeschwiesen-Erben. Dieses soll nun liebevoll an den Rand des Geländes verfrachtet werden. Auch wenn sich das rein monetär kaum lohnen dürfte.

Vor wenigen Monaten kam die frohe Botschaft. Die Stadt Zug darf die Oeschwiese kaufen, einem vergrösserten Strandbad steht nichts mehr im Weg. Die Erleichterung für die Stadt und für alle, die sich einen durchgängigen Chamer Fussweg wünschten, war gross. Der Streit um die Wiese am See hatte jahrelang angedauert (zentralplus berichtete).

Bevor jedoch der Fussweg angepasst werden und die Badi-Expansion beginnen kann, ist die Stadt den Oeschwiesen-Erben noch eine Sache schuldig. Denn vor besagter Wiese steht derzeit unauffällig-auffällig ein Bootshaus im Wasser. Und dieses soll erhalten bleiben. Nur: da das Gebäude prominent am Ufer steht und den Seezugang beeinträchtigt, soll es nun an den Rand des Grundstücks in Richtung Stadt verschoben werden. Um 70 Meter, genauer gesagt.

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Die Verschiebung sei ein Wunsch der Eigentümer gewesen, den es «nach Möglichkeit» zu berücksichtigen gelte, erklärte der Stadtzuger Finanzchef André Wicki im September. Ein Wunsch, dem die Stadt gemäss Verhandlung mit einem Betrag von 150’000 Franken entgegenkommen will. Wohl nicht zuletzt, weil man den Knatsch um die Wiese endlich zu Grabe tragen wollte.

In der Stadt Zug und doch auf Kantonsgebiet

Damals war jedoch noch nicht klar, ob die Massnahme im Rahmen der Möglichkeiten stünde, denn das Bootshaus steht im Wasser und befindet sich damit auf Kantonsgebiet.

Dieser jedoch hat nun unter gewissen Auflagen die fischereirechtliche Bewilligung zur Ausführung der Verschiebung erteilt, wie einem Dokument des aufliegenden Bauplans zu entnehmen ist. Nettes Beispiel gefällig? Das Vorhaben muss beispielsweise ausserhalb der Schonzeit der Hechte ausgeführt werden.

Für die Ausführung der Verschiebung wurde die Staubli, Kurath und Partner AG beauftragt. Eine Firma, die sich insbesondere auf Wasserbauten spezialisiert hat.

«Bautechnisch ist das keine sonderlich schwierige Angelegenheit, sofern man über die richtigen Gerätschaften verfügt», erklärt Eduard Schiebelbein, der Projektverantwortliche. Doch befinde sich das Haus in einem Gewässer, weshalb entsprechende Massnahmen getroffen werden müssten, damit die Uferzone nicht beschädigt werde.

Verschiebung mittels Schiff oder Kran angedacht

«Für die Verschiebung dieses Hauses standen ursprünglich zwei Möglichkeiten zur Debatte. Einerseits die Verschiebung per Schiff, konkret vom Ponton aus.» Da der Zugersee an besagter Stelle zu wenig Wassertiefe aufweise, hätte man den Seegrund dafür jedoch lokal absenken müssen. «Dies macht jedoch sowohl ökonomisch wie ökologisch wenig Sinn. Darum haben wir uns für eine Verschiebung mittels Pneukran entschieden», so Schiebelbein.

Vom heutigen Standort (gelb) gelangt das Haus mittels Kran zu seinem neuen Wohnort (rot).

Er erklärt, wie das konkret vonstatten gehen soll: «Im Prinzip wird das Bootshaus von den Pfählen gelöst, mit denen es fixiert ist. Danach braucht es eine Traversenkonstruktion, spricht Stahlträger, welche unters Gebäude geschoben werden. Somit wird quasi das ganze Gebäude aufs Mal von A nach B gehoben.»

Aber natürlich kann man das Haus nicht einfach am Dach aufhängen.»

Eduard Schiebelbein, Projektverantwortlicher

Das hölzerne Bootshaus sieht aus der Distanz nicht sonderlich stabil aus. Hält es einen solchen Transport überhaupt aus? «Wir haben uns das Gebäude im Voraus angeschaut und keine Schäden am Tragwerk festgestellt. Aber natürlich kann man das Haus nicht einfach am Dach aufhängen», so Schiebelbein.

Besonders wertvoll sieht das Boots- und Badehaus an der Oeschwiese nicht aus. Lohnt sich eine Verschiebung überhaupt? «Es liegt an den Auftraggebern, das für sich zu entscheiden. Vielleicht lohnt sich das Projekt finanziell nicht. Doch kann es natürlich sein, dass das Haus einen emotionalen Wert hat für die Besitzer, dass sie etwa schöne Kindheitserinnerungen daran haben.» Das lasse sich monetär nicht aufwiegen.

Saftige 503’000 Franken kostet der Spass

Tatsächlich ist die Angelegenheit keine billige. 503’000 Franken wurden für die Verschiebung veranschlagt. Bis auf die 150’000 Franken, welche die Stadt übernimmt, soll die Eigentümerschaft des Hauses dafür aufkommen.

Die Verpflanzung des Hauses um 70 Meter nach Osten soll vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen und im Frühjahr 2020 vonstatten gehen – vor oder nach der Hecht-Schonzeit natürlich.

Das Bootshaus am Chamer Fussweg ist weder geschützt noch im Inventar schützenswerter Denkmäler aufgelistet. Das ist nicht verwunderlich, ist es für Aussenstehende trotz eigenartigem Charme keine Augenweide. Doch wie bereits Eduard Schiebelbein antönte: Schönheit liegt wohl auch in diesem Fall in den Augen und den Erinnerungen der Betrachter.

Bis heute können Passanten das Haus nur aus der Distanz betrachten. Noch ist die Oeschwiese mit einem Zaun abgeriegelt.

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