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Zuger Biologe: «Der Wolf strahlte viel Ruhe aus»
  • Gesellschaft
Vor Kurzem wurde im Gebiet Menzingen ein Wolf gesichtet. (Bild: Fotolia/ Montage: wia )

Beunruhigte Bauern in Edlibach nach Wolfssichtung Zuger Biologe: «Der Wolf strahlte viel Ruhe aus»

5 min Lesezeit 25.05.2018, 05:02 Uhr

Vor einigen Tagen wurde in der Zuger Gemeinde Menzingen ein Wolf gesichtet. Während sich der Biologe Beat von Wyl eines besonderes Erlebnisses erfreuen darf, ist das Wissen um diesen Wolf für umliegende Bauernbetriebe weit weniger angenehm.

Der Wolf ist nun auch im Kanton Zug angekommen. Jedenfalls mit ziemlicher Sicherheit. Vor Kurzem wurde das Tier in der Nähe der Strafanstalt Bostadel gesichtet (zentralplus berichtete).

Beat von Wyl ist der Glückspilz, der den Menzinger Wolf entdeckt hatte. Der Biologe war im Auftrag des Kantons Zug in Menzingen unterwegs, als er das Tier während der Autofahrt in einem Waldstück sichtete. «Ich dachte erst, es handle sich um einen grossen Hund. Doch hat mich das Verhalten des Tiers stutzig gemacht. Erst da realisierte ich, dass es sich um einen Wolf handeln könnte», sagt von Wyl. Und er präzisiert: «Das Tier strahlte viel Ruhe aus. Es hat zwar gezögert, als es mich sah, war aber keineswegs hektisch.»

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Von Wyl fuhr weiter, drehte jedoch um, worauf er den Wolf erneut sah und mit dem Handy gar ein paar Fotos machen konnte. «Hunde sind bekanntlich auf den Menschen bezogen. Wenn sie frei herumlaufen, dann haben sie oft einen gewissen ‹Zug› drauf, suchen nach etwas oder gehen einer Spur nach», so der Biologe. Nach der Sichtung informierte er darum den Wildhüter.

«Zu wissen, dass es sich um einen Wolf handelte, war ein schönes Gefühl.»

Beat von Wyl, Biologe

Auch wenn von Wyl aufgrund seiner Arbeit häufig draussen in der Natur anzutreffen ist, war dies die erste Begegnung, die der Giswiler mit einem Wolf in freier Laufbahn hatte. «Ich habe es zwar im ersten Moment nicht realisiert. Doch als nach einigen Tagen vom Wildhüter der Bescheid kam, dass es sich um einen Wolf handelte, war das schon ein schönes Gefühl», sagt von Wyl.

Noch immer ist von Wyl beruflich in derselben Gegend zugange. Ist er nun, nach diesem besonderen Zusammentreffen, aufmerksamer unterwegs? «Ich bin jemand, der immer Augen und Ohren offen hat. Das Beobachten gehört zu meinem Beruf. Trotzdem habe ich die Begegnung im Hinterkopf. Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass ich den Wolf ein zweites Mal sehe.»

Keine Panik, aber dennoch Respekt

Für die Bauern, die in der Gegend um Edlibach wirtschaften, löst der Wolf weniger positive Gefühle aus. Niklaus Elsener und seine Frau betreiben in der Nähe des Weilers den sogenannten «Schäflihof». Und wenn es auch in der Schweiz hie und da vorkommt, dass Wölfe Nutztiere wie Schafe oder Ziegen reissen, so ist Elsener aktuell ziemlich entspannt. «Wir haben einen Elektrozaun, ausserdem übernachten die Schafe, die wir melken, im Stall», sagt er.

«Womöglich streift der Wolf schon seit Längerem herum, ohne dass überhaupt jemand etwas bemerkt hätte.»

Niklaus Elsener, Edlibacher Schafbauer

«Dennoch ist man nun sicher aufmerksamer. Insbesondere gibt es eine Schafgruppe, zu der wir nicht direkten Sichtkontakt haben. Zu der schauen wir nun etwas mehr», so Elsener. Er relativiert jedoch: «Womöglich streift der Wolf schon seit Längerem herum, ohne dass überhaupt jemand etwas bemerkt hätte. Darum lohnt es sich nicht, in Panik auszubrechen. Solange der Wolf nichts reisst, kann ich mit ihm leben.» So sei denn vorerst auch nicht geplant, dass der Bauer Massnahmen treffe wie etwa höhere Zäune oder Herdenschutzhunde.

«Mittlerweile glaube ich fast, dass ich die Herdenschutzhunde hier mehr benötige als auf der Alp.»

Saro Keinath, Bauer aus Menzingen

Deutlich weniger entspannt ist Saro Keinath, ein Menzinger Bauer, der Schafe hält. «Vor ein paar Jahren habe ich mir Herdenschutzhunde zugetan. Eigentlich für die Alp. Mittlerweile glaube ich aber fast, dass ich sie hier mehr benötige», sagt er bezüglich der Wolfsichtung. «Ich habe schon vor ein paar Jahren gesagt, dass der Wolf in spätestens zehn Jahren bei uns ist. Nun ist das gar noch früher passiert als erwartet», so Keinath.

Dieses Foto konnte der Biologe Beat von Wyl vom Wolf machen.

Dieses Foto konnte der Biologe Beat von Wyl vom Wolf machen.

(Bild: zVg)

Steigt nun der Arbeitsaufwand?

Und das gefällt ihm gar nicht: «Wenn man hört, dass im Ausland sogar Pferde und Rinder vom Wolf angegriffen werden, mache ich mir schon Sorgen. Einerseits um die Tiere, anderseits aber auch um den Arbeitsaufwand. Wenn wir dauernd am Zäunen und Rennen sind wegen des Wolfs, lohnt sich der Betrieb irgendwann nicht mehr.»

Keinath ergänzt: «Es reicht ja schon, dass ich die Herdenschutzhunde im Griff haben muss.» Denn die Maremmano-Hunde sähen nicht nur den Wolf als Feind, sondern auch den Wanderer.

«Was, wenn es mal weniger Wild hat in der Gegend? Dann kommen dem Wolf die Schafe gerade recht.»

Saro Keinath, Edlibacher Bauer

Noch hat der Wolf in der Gegend nichts verbrochen. «Auch glaube ich nicht, dass er hier in der Gegend bleibt», so der Schafbauer. «Doch was, wenn es mal weniger Wild hat in der Gegend? Dann kommen ihm die Schafe gerade recht», gibt Keinath zu bedenken.

In der Gegend, in welcher der aktuelle Wolf zweimal angetroffen wurde, gibt es einige Strassen, Dörfer und auch kleinere Städte. Dieser Lebensraum reiche dem Wolf jedoch längst, so David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz. Er schätzt ein, dass es sich bei besagtem Wolf um einen sogenannten Jährling, ein letztjähriges Jungtier, handelt, welches von seinem Rudel möglicherweise zur Abwanderung gezwungen wurde.

Einzelwölfe wandern weit und schnell

Gerke erklärt: «Einzelne Wölfe leben grossmehrheitlich nicht stationär. Gerade Rüden wandern häufig weit und sehr schnell. Dies mit dem Ziel, ein Weibchen zu finden. Ich gehe davon aus, dass das beim Zuger Wolf nicht anders ist.»

Die Angst gewisser Bauern sei laut Gerke berechtigt. «Schafe passen sehr wohl ins Beuteschema des Wolfs. Insbesondere, wenn sie ungeschützt sind. Darum lohnt es sich für Bauern allenfalls, sich Elektrozäune oder Herdenschutzhunde anzuschaffen.»

Gerade bei Einzeltieren sei das Risiko grösser, dass Nutztiere wie Schafe oder Ziegen gerissen würden. «Letztes Jahr hat ein einzelner Wolf über 50 Tiere gerissen. Er hatte offenbar gelernt, wie man Zäune überwindet. An Orten, wo Wölfe in Rudeln leben, gibt es meist viel weniger Schäden. Und das, obwohl dort sehr wohl auch Nutztiere gehalten werden», erklärt Gerke.

Deutlich mehr Wölfe, konstant hohe Schäden

Auch, wenn die Statistik in der Schweiz Aussergewöhnliches aufweist. Gerke sagt: «Heute leben in der Schweiz drei bis vier Rudel, dazu kommen ein paar Einzeltiere. Insgesamt sind das etwa 40 Wölfe. Vor fünf Jahren war es noch die Hälfte.» Beschaue man sich die Schadensstatistik, falle zwar auf, dass es eine unregelmässige Verteilung gebe. So seien letztes Jahr 200, im Jahr davor 400 Nutztiere gerissen worden. «Doch hat sich die Zahl unter dem Strich eingependelt. Es gibt keine steigende Tendenz der Schadensfälle. Sehr wohl aber bei der Zahl der Wölfe», sagt der Präsident der Gruppe Wolf Schweiz.

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