Zuger Beizen werden als «Betriebskantinen» noch wenig genutzt
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Dank Berufsleuten im Ausseneinsatz bleibt die Gaststube im Restaurant Aesch in Walchwil nicht ganz leer. (Bild: pd; aufgenommen vor der Pandemie)

Büezer im Ausseneinsatz dürfen sitzend essen Zuger Beizen werden als «Betriebskantinen» noch wenig genutzt

4 min Lesezeit 06.03.2021, 14:00 Uhr

Seit Anfang Woche können Restaurants während der Mittagspause für Berufstätige im Ausseneinsatz öffnen. Zehn Gastronomiebetriebe machen im Kanton Zug momentan von dieser Möglichkeit Gebrauch. Eine erste Bilanz der Wirte ist durchzogen, der Mehrumsatz hält sich in Grenzen.

Unter gewissen Bedingungen erlaubt das Bundesamt für Gesundheit ausgewählten Gästen, wieder im Sitzen Mittag zu essen (zentralplus berichtete). Davon profitiert zum Beispiel, wer im Handwerk, auf Montage, im Landwirtschafts- oder Bausektor tätig ist. Restaurants ersetzen für die Büezer geschlossene Betriebskantinen. Im Kanton Zug müssen sich die Gaststätten dafür bei der Volkswirtschaftsdirektion anmelden. Die Liste der Restaurants für Beschäftigte im Ausseneinsatz umfasst aktuell zehn Betriebe.

Regierungsrätin Silvia Thalmann-Gut meint dazu: «Diese Lösung ist im Sinn beider Seiten, eine klassische Win-win-Situation. Zudem haben wir den Meldeprozess für die vorübergehenden Betriebskantinen so einfach und niederschwellig wie möglich ausgestaltet.»

Wenig zusätzliche Menüs verkauft

Nach der ersten Erfahrungswoche zeigt sich aber, dass das neue Angebot nur spärlich genutzt wird. Einige Neo-Betriebskantinen haben keine einzige Reservation erhalten, etwa das Restaurant im Park in Baar oder das Café Speck im Einkaufszentrum Metalli. «Für uns kommt diese Bewirtungsmöglichkeit zu spät», sagt Firmenchef Walter Speck. «Die Gäste haben sich bereits daran gewöhnt, draussen zu essen, als es noch kälter war.»

Für die meisten Betriebe sind im Moment Take-away-Gerichte das Kerngeschäft. Entsprechende Angebote sind in grösseren Orten zahlreich vorhanden. Wer darf, schätzt die neue Möglichkeit, am Tisch zu speisen, zusätzliche Gäste haben die wieder geöffneten «Betriebskantinen» kaum angelockt.

«Es war nicht nichts», resümiert Daniel Hürlimann, Pächter im Restaurant Aesch in Walchwil, «aber auch nicht berauschend.» Take-away-Stammgäste, die draussen arbeiten, seien froh, sich hinsetzen zu können. Insgesamt wurden im «Aesch» aber nur wenige zusätzliche Menüs verkauft. Zu den Besuchern gehören Handwerker, Stromer oder Kaminfegerinnen, die schon vorher gekommen sind. Die Büezer arbeiten in der Gemeinde und wohnen nur zum Teil hier. Eigenartig findet Daniel Hürlimann die Vorschrift, dass nur die Chefs reservieren können, nicht aber die Mitarbeitenden selber. Einzelne Personen hätten im Spass versucht, sich als Handwerker auszugeben. Ansonsten gab es keine Probleme wegen der unterschiedlichen Behandlung der Gästegruppen.

Mehraufwand bei grossem Gästeaufkommen

Auch im Hotel Ochsen in Menzingen war die Nachfrage eher klein. Ein Handwerker aus dem Dorf war zweimal zu Gast. «Da bei uns der Take-away relativ gut läuft, war ich immer ein bisschen im Erklärungsnotstand», berichtet die «Ochsen»-Chefin Andrea Hegglin-Manser. «Kunden, die etwas an der Bar abgeholt haben, schauten komisch, dass da einer sitzt und bedient wird. Es wissen ja nicht alle, das so etwas seit Montag möglich ist.» Wenn mehr als fünf Büezer kommen, müsste im «Ochsen» trotz beschränktem Platz eine Servicemitarbeiterin aufgeboten werden. Pro Tisch ist nur eine Person zugelassen. «Das würde sich natürlich kaum rechnen», so Andrea Hegglin-Manser. Immerhin weiss ein Betrieb durch die obligatorische Anmeldung im Voraus, wie gross der Andrang sein wird.

Für die Kontrolle sind die Gemeinden zuständig, welche die Polizei beiziehen können. Anfänglich gab es einzelne Unklarheiten bei der Umsetzung, insbesondere bezüglich des Abstands zwischen Personen am gleichen Tisch. Darauf hat die Volkswirtschaftsdirektion umgehend alle vorübergehenden Betriebskantinen nochmals auf die wichtigsten Vorgaben hingewiesen, und die Polizei hat einzelne Kontrollen vorgenommen. Insgesamt ziehen die zuständigen kantonalen Stellen eine positive Bilanz.

Weitere Restaurants kommen dazu

Die aktuell zehn Restaurants entsprechen ungefähr den Erwartungen der Volkswirtschaftsdirektion. «Per Anfang nächster Woche kommen noch einige dazu», schreibt Generalsekretär Andreas Conne, «aber viel mehr werden es voraussichtlich nicht.» Bis jetzt sind auch keine Gaststätten bekannt, die als Betriebskantinen geöffnet haben, aber aufgrund des geringen Umsatzes wieder schliessen.

Das Migros-Restaurant im Einkaufszentrum Zugerland in Steinhausen öffnet das Angebot für Berufstätige im Ausseneinsatz erst ab nächster Woche. Vereinzelte Anmeldungen für Mahlzeiten sind bereits eingetroffen, mit schlechterem Wetter dürfte die Nachfrage noch zunehmen. «Das bestehende Take-away im Zugerland ist ein echtes Bedürfnis», sagt Thomas Gawehr, Leiter Gastronomie Migros Luzern. Für Berufsleute, die im Sitzen essen dürfen, wird dieses Angebot noch attraktiver. Gawehr ist überzeugt, dass andere Gäste Verständnis aufbringen werden, wenn sie aufgrund der Auflagen des BAG nicht ins Restaurant dürfen.

Wenn öffnen, dann richtig

Fazit nach einer Woche: Die vorübergehende Nutzung von Restaurants als «Betriebskantinen» für Berufstätige im Ausseneinsatz bringt der darbenden Gastronomie keine Rettung. Und für die Betreiber ist klar: Nach dem Lockdown muss es richtig losgehen, nur dann ist eine vernünftige Personal- und Lebensmittelplanung möglich. «Vorerst ein bisschen die Terrasse öffnen, rentiert sich nicht», sagt «Aesch»-Wirt Daniel Hürlimann. «Halbbatzige Sachen bringen uns nichts.»

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