Zuger Bauforscher haben Freudentränen in den Augen
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Der Umbau des Altstadthauses «Taube» offenbarte einen unerwarteten Geldsegen aus alter Zeit. (Bild: zVg)

2016: Ein grosses Jahr für die Archäologie Zuger Bauforscher haben Freudentränen in den Augen

2 min Lesezeit 13.01.2017, 12:28 Uhr

Spuren zweier mittelalterlicher Stadtkatastrophen im ehemaligen Gasthaus «Zur Taube», seltene Wandmalereien beim Kolinplatz, Siedlungsreste aus der Bronzezeit in der Gemeinde Cham und ein Kupferbeil aus der Pfahlbausiedlung Riedmatt mit Verbindungen zur Gletschermumie «Ötzi»: Das Jahr 2016 war archäologisch und bauhistorisch ertragreich und spannend. Das Amt für Denkmalpflege und Archäologie präsentiert diese Höhepunkte nun vor Publikum.

«Dass Archäologie und Bauforschung sehr publikumswirksam sein können und diese historischen Disziplinen alles andere als verstaubt daher kommen, stellt das Zuger Amt für Denkmal-pflege und Archäologie immer wieder unter Beweis», schreibt ebendieses Amt in einer Mitteilung. Es bezieht sich mit der Aussage auf die «Highlights des vergangenen Jahres». Diese werden an einer Veranstaltung Ende Januar präsentiert, Öffentlichkeit sei dazu herzlich eingeladen.

Der Kanton Zug besitze reichhaltige und vielfältige historische Bauten und archäologische Fundstätten. Diese seien durch die hohe Bautätigkeit allerdings stark bedroht. «Nur die wenigsten Objekte können erhalten werden. Insofern betreiben wir eine Art kulturhistorische Sterbebegleitung», sagt Amtsleiter Stefan Hochuli und verweist auf Entdeckungen und Untersuchungen, die im Jahr 2016 für Aufsehen sorgten.

Lebendiges Bild der Vergangenheit dank vielfältiger Funde

Diverse Umbauten in der Zuger Altstadt haben zu Bauuntersuchungen und Ausgrabungen geführt. Im ehemaligen Gasthaus «Zur Taube» konnten die Spuren von gleich zwei mittelalterlichen Stadtkatastrophen gefasst werden. Im Bereich Kolinplatz/Kirchengasse habe sich die einmalige Gelegenheit geboten, Einblick in die Entstehung eines ganzen Gebäudegevierts zu erhalten. Auch seien völlig überraschend seltene Wandmalereien zum Vorschein gekommen.

Die Renaturierung des verlandeten Bibersees in der Gemeinde Cham liege bereits zwei Jahre zurück. Damals hätten die Archäologen bei den Baggerarbeiten zahlreiche kostbare Objekte aus verschiedenen Zeitepochen sicherstellen und nun die letzten damals geretteten Fundgegenstände im Labor bearbeiten können. Die Restauratorinnen nahmen sich noch weiterer Kostbarkeiten an: Aus der Rettungsgrabung «Huobweid» in Hünenberg von 2009 stammt eine römische Brosche mit sehr gut erhaltener Glaseinlagen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr.

Eine weitere Scheibenfibel stammt aus dem Kiesabbaugebiet «Oberwil-Aebnitwald» in der Gemeinde Cham und zeigt eine bemerkenswert schöne Tierdarstellung mit Resten von Glas und ist ungefähr 1000 Jahre alt. Die wissenschaftliche Auswertung «Morgarten-Funde» aus dem Jubiläumsjahr 2015 konnte 2016 ebenfalls abgeschlossen werden. Sie erhellt 2000 Jahre Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Ägerital. Auch andere Auswertungsarbeiten führten zu überraschenden Entdeckungen. So scheine zwischen dem Kupferbeil aus der jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlung Zug-Riedmatt (Rettungsgrabung 2008) und dem Kupferbeil der Gletschermumie «Ötzi» enge Verbindungen zu bestehen; ihre Herkunft liege in Italien.

Und weil das Amt für Denkmalpflege und Archäologie seine Euphorie nicht für sich behalten möchte, lädt es die Zuger Bevölkerung auf einen öffentlichen Vortrag zum Thema ein:

Datum: Sonntag, 22. Januar 2017, 15.00 Uhr
Veranstaltungsort: Wilhelm-Gebäude, Hofstrasse 20, Aula (vis-à-vis Museum für Urgeschichten)
Referent: Dr. Stefan Hochuli, Leiter Amt für Denkmalpflege und Archäologie
Eintritt: frei

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