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Zuger Baudirektor: «Das hat ein mittleres Erdbeben ausgelöst»
  • Politik
Wanderer können aufatmen: Auch in Zukunft werden sie ein dichtes Netz an Wanderwegen zur Vefügung haben. (Bild: zvg Kanton Zug )

Bei Wanderwegen sparen? Regierungsrat läuft auf Zuger Baudirektor: «Das hat ein mittleres Erdbeben ausgelöst»

3 min Lesezeit 10.11.2016, 10:39 Uhr

40’000 Franken wollte die Zuger Regierung sparen: Das Wanderwegnetz sollte radikal gestutzt werden. Dass das nicht gehen würde, wurde offenbar dem Baudirektor schnell klar – sein unorthodoxer Lösungsversuch wurde vom Kantonsrat allerdings nicht goutiert.

Es waren schwierige Zeiten für Zuger Wanderfreunde: Der Zuger Regierungsrat wollte im Zuge der Richtplananpassung das Wanderwegnetz von 558 Kilometer auf 384 Kilometer zurechtstutzen – und damit 40’000 Franken sparen (zentralplus berichtete). Nun können die Wanderer aufatmen. Das Netz bleibt, wie es ist.

Aber von vorne: Die Idee kam schlecht an. «Sie führte zu einem mittleren Erdbeben», sagt Baudirektor Urs Hürlimann an der Kantonsratssitzung vom Donnerstag. Und zu hastigen politischen Manövern. «Ein sehr frischer Baudirektor hat dann gespürt, dass es einen Kompromiss braucht», sagt Hürlimann und meint damit, klar, sich selber.

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«Deshalb bin ich auf die Gemeindepräsidenten zugegangen und habe einen Kompromissvorschlag vorgebracht, mit der Zustimmung der Regierung.» Der Kompromissvorschlag sieht vor, dass das Wegnetz auf 464 Kilometer gekürzt werden soll. Das Problem dabei: Das tat Hürlimann, nachdem die beiden zuständigen Kommissionen schon beraten hatten. Und scheuchte damit den Kantonsrat auf. «Slalomfahrt» und «sehr seltsames Vorgehen», moniert Stawiko-Präsidentin Cornelia Stocker (FDP), «eher unorthodoxe Beratung», urteilt Heini Schmid (CVP), Präsident der Bau- und Planungskommission. «Ich weiss gar nicht, wie die Haltungen der einzelnen Kommissionsmitglieder nun sind.»

Blosses «Abwälzen der Kosten»

Deshalb steht an der Kantonsratssitzung vom Donnerstag eine Abstimmung an, dessen Ergebnis für einmal nicht vorhersehbar ist. Die Fraktionen sind gespalten. Die SVP ist in der Frage zwar gespalten, aber Karl Nussbaumer (SVP) ist dezidiert dagegen: «Der Regierungsrat will 40’000 Franken sparen. Aber mit der Streichung von Wanderwegen und der Umgestaltung der Schilder kommen Kosten von x-tausend Franken auf den Kanton zu.» Zudem wolle die Regierung damit die Kosten für die Wege bloss auf die Gemeinden abwälzen.

Auch Hanni Schriber Neiger (ALG) kommt zum selben Schluss: «Die Wanderwege an die Gemeinden zu übergeben, bringt für diese einen unglaublichen Mehraufwand: Dann müssen die gelben Täfelchen alle durch weisse ersetzt werden. Zudem taucht dieser Weg dann in keiner kantonalen Wanderkarte mehr auf.» Zudem liessen sich so keine Kosten sparen: «Wandern ist gesund und beliebt und damit beste Gesundheitsprävention. Wir sollten eher das Angebot noch interessanter machen, als Wanderwege zu streichen.»

Für die SP ist das Streichen der Wege nicht zwingend nötig: «Wir sind keine Wanderfeinde», sagt Fraktionspräsidentin Barbara Gysel (SP). «Aber die Kürzung entspricht der regierungsrätlichen Logik.» CVP und FDP sprechen sich für den Kompromissvorschlag der Regierung aus.

Parallelle Wege: Braucht’s das?

Baudirektor Hürlimann dazu: «Es war klar, dass dieses Thema zu reden geben wird. Ich bin der Meinung, Politik sollte nach Lösungen suchen. Wir müssen zugeben, dass wir beim ersten Vorschlag zu technisch waren und zu fest optimiert haben.» Mit dem Kompromissvorschlag würde nun kein Weg verloren gehen. «Auch die gestrichenen Wanderwege blieben weiter bestehen – sie würden auch ohne die gelbe Tafel weiter von den Gemeinden gepflegt. Wenn ein Hünenberger vom Dorf hinunter in den Reussspitz gehen will, dann kennt er zehn Wege und nimmt den, der ihm am besten gefällt.» Für den Auswärtigen brauche es nicht so viele parallele Wege: «Für den Luzerner ist wichtig, wie er den besten Weg vom Zuger Bahnhof nach Menzingen findet.»

Das Argument fruchtet nicht. Aber die Abstimmung ist knapp. Der Rat entscheidet sich mit 36 zu 29 Stimmen dafür, die Wanderwege nicht zu kürzen.

Wer also in Zukunft von Hünenberg Dorf in den Reussspitz will, hat immer noch die Qual der Wahl.

Hinweis: Falls Sie nächstens die Wanderschuhe umschnallen wollen und noch nicht wissen, wohin: In unserem Wanderblog finden Sie die schönsten Routen der Zentralschweiz.

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