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Zuger Ausgehmeile: Letzte Hoffnung Landis & Gyr
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Gesucht: Standort für ein kleines Multiplex-Kino in Zug. (Bild: flickr/ weegeebored)

Bald nur noch ein Zuger Kino: Folgt ein Multiplex? Zuger Ausgehmeile: Letzte Hoffnung Landis & Gyr

4 min Lesezeit 21.02.2017, 13:56 Uhr

In einigen Jahren gibt’s in der Region Zug nur noch ein Kino – das Seehof. Ersatz fürs Gotthard in Zug und das Lux in Baar könnte auf dem Siemens-Areal entstehen. Dieses Quartier möchte die Stadt Zug immer noch zum Ausgehviertel umgestalten.

Hier liegt die vorerst letzte Hoffnung der Zuger Kinophilen: Auf dem Zuger Landis & Gyr-Areal neben den Bahngeleisen soll nach dem Willen der Stadt Zug ein Ausgehviertel entstehen.

In diese Vergnügungsmeile der Zukunft würde gemäss Stadtplaner Harald Klein auch ein Multiplex-Kino sehr gut passen. Ein solches wurde in den vergangenen Jahren im Raum Zug-Baar mehrfach geplant – zuletzt auf dem Unterfeld zwischen den beiden Orten (zentralplus berichtete). Bisher aber immer ohne Erfolg.

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«Es scheiterte bisher an den zu hohen Kosten oder daran, dass nicht genug Raum zur Verfügung stand», weiss Klein. Aber an und für sich liesse sich ein kleineres Multiplex-Kino in Zug wirtschaftlich betreiben, glaubt er. «Wir haben das abgeklärt.»

Urbaner Treffpunkt für Freizeit und Kultur

Die Rede ist von einem möglichen Kino-Standort bei den barackenähnlichen Industriebauten neben dem Hochhaus Park-Tower in Zugs Zentrum, an der Böschung der Bahntrasse, auf dem grossen Parkplatz im Siemens-Areal, welcher dereinst zum Theilerplatz werden soll, und in den gedrungenen Shed-Hallen im Westen des Quartiers. Dies sind die Teile des einst riesigen Landis & Gyr-Areals, die in den letzten Jahren noch nicht neu überbaut oder umgenutzt wurden.

Aber sie sollen es noch werden. Das Baudepartement der Stadt Zug ist dabei, zusammen mit den Grundeigentümern ein städtebauliches Konzept auszutüfteln. Die Studien dazu werden im Jahr 2017 durchgeführt. Darauf gestützt gibts einen Quartiergestaltungsplan, der öffentlich aufgelegt und mit der Bevölkerung diskutiert wird. Anschliessend fabriziert man einen oder mehrere Bebauungspläne, die dann die Mühlen des politischen Prozesses im Stadtparlament durchlaufen. Mit dem Baubeginn kann man gemäss Stadtplaner Harald Klein Ende 2020 oder etwas später rechnen.

Der grosse Ausreisser: Siemens kündigte 2015 an, 150 Stellen abzubauen. Siemens Building Technologies ist im Industrieareal in Zug ansässig.

Zugs künftiges Ausgehviertel: Die Überbauung Opus (links) beherbergt freilich nur Büros.

(Bild: Archiv)

Die Stadt stellt sich ein lebendiges, urbanes Quartier mit teils gemischter Nutzung im Erdgeschoss und und den angrenzenden Stockwerken vor. Es sollen Räume für Begegnung, Freizeit und Kultur sowie die Quartierversorgung entstehen. In der Mitte des früheren Fabrikareals soll der Theilerplatz entstehen sowie der nahe Siehbach offengelegt und dann ebenfalls in den öffentlichen Bereich integriert werden.

Investoren hüllen sich in Schweigen

Gebaut würde freilich auf privatem Grund – das heisst, Immobilienentwickler müssten auch damit einverstanden sein. Auf dem Siemens-Areal sind dies: der Baarer Generalunternehmer Alfred Müller, der Land in der Nähe des Bahnhofs besitzt, die SBB neben den Gleisen, die Immobilienfirma Park Lane, die den heutigen Parkplatz und künftigen Theilerplatz plus angrenzende Gebiete gekauft hat, die Credit Suisse, welche die Shedhallen im Westen des Gebiets ihr eigen nennt, sowie, zu einem kleinen Teil, auch das High-Tech-Unternehmen OVD Kinegram, ebenfalls im Westen in der Nähe der Gartenstadt angesiedelt.

Sie alle haben Vorstellungen, was sie in wenigen Jahren dort gern bauen würden, reden aber nicht darüber, da sie mit der Stadt Zug vereinbart haben, ihr die Kommunikation in dieser Sache zu überlassen.

Büros bringen Geld

Man darf aber davon ausgehen, dass sie nicht ins Areal investiert haben, um Gutes zu tun, sondern um Geld zu verdienen. Und am meisten Geld ist mit Büros zu verdienen. Dann kommen Wohnungen und dann erst Gewerbeflächen oder verschiedene öffentliche Nutzungen wie Restaurants, Hotels oder Kinos.

«Natürlich möchten die Unternehmen eine möglichst grosse Flexibilität bei der Nutzung», sagt Stadtplaner Harald Klein, der einräumt, dass nicht alle Nutzungsarten den Investoren die gleiche Rendite einbringen.

Versprechungen reichen nicht

«Die Stadt beharrt darauf, dass nicht nur Wohnungen und Büros erstellt werden», meint er. «Im Nutzungskonzept sind sowohl preisgünstige Wohnungen wie auch preisgünstige Gewerbeflächen enthalten.» Diese sollen das Quartier beleben helfen. Spezifische Nutzungen wie Kinos oder Hotels sollen entweder vertraglich gesichert oder im Bebauungsplan festgeschrieben werden.

«Die Stadt beharrt darauf, dass nicht nur Wohnungen und Büros erstellt werden.»

Harald Klein, Zuger Stadtplaner

Kunststück: In den letzten Jahren hat sich die Stadt Zug mehrfach über den Tisch ziehen lassen. So wurde sowohl fürs Hochhaus Uptown beim Eishockeystadion wie auch für den Park Tower gleich am Bahnhof ursprünglich ein Hotel versprochen – jedoch nie realisiert. «Es war auch nicht im Bebauungsplan vorgeschrieben», wirft Klein ein. Und macht geltend, dass man sich verbessert habe. Im Bebauungsplan fürs alte Kantonsspital über dem Zugersee sei im südlichen Teil eine Hotelnutzung festgeschrieben. «Wer dieses Gelände kauft, weiss also, dass er ein solches realisieren muss.

Bis jetzt ist nicht viel los

Doch zurück zum Landis & Gyr-Areal. Dort ist im Norden des Gebietes Siemens Gebäudetechnik dabei, einen neuen Firmensitz zu errichten. Der ganze Südwesten, Süden und das Zentrum des Areals wurde in den letzten Jahren schon neu bebaut oder renoviert. Freilich ist die öffentliche Nutzung bisher äusserst überschaubar. Von ein paar Schulräumen und dem Betreibungsamt abgesehen, gibt es ein Restaurant und ein Nachtlokal, sonst aber lediglich zwei Bäckereien, welche die Legionen von Büroarbeitern mit Gipfeli und Kaffee versorgen, sowie eine Apotheke. Der zentrale Bereich des Areals, die Überbauung Opus, ist eine reine Dienstleistungswüste, in der ausser den Wasserpflanzen im Teich des Innenhofs nur Büros gedeihen.

Es fällt derzeit schwer zu glauben, dass sich im u-förmigen, zu überbauenden Rest des Siemens-Areals ein lebendiges Ausgehviertel entwickeln könnte, wie es sich die Stadtoberen einst gewünscht haben.

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