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Zug wünscht sich jetzt auch eine «Europaallee»
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Die Stadt Zug will verdichten. Sind hier nicht zwei gute Beispiele bereits vorhanden? Das ehemalige Marc Rich Gebäude (in blau) soll aber fallen. (Bild: anm)

Abriss Marc Rich-Gebäude Zug wünscht sich jetzt auch eine «Europaallee»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 03.04.2014, 13:08 Uhr

Der blaue Glaskubus der Zuger Kantonalbank an der Baarerstrasse hat ausgedient. Die Bank will das ehemalige Marc Rich-Gebäude abreissen und einen Neubau erstellen. Doch damit nicht genug: Die Stadt ist der Meinung, dass mehrere Nachbars-Gebäude auch «modernisiert» werden sollten. zentral+ über die Wünsche nach einer «Zuger Europaallee».

Neuer, höher, dichter. So könnte das Ziel des Bebauungsplans «Baarerstrasse West/Bahnhof» kurz zusammengefasst werden. Denn ginge es nach der Stadt, sollten sämtliche Liegenschaften an der Baarerstrasse zwischen Gotthard- und Gubelstrasse sowie ein weiteres Gebäude an der Baarerstrasse 15/17 einer Modernisierung unterzogen werden. Sie würde hier am liebsten eine Reihe von Neubauten sehen. Die Zuger Kantonalbank möchte das für ihren Sitz – das blaue Glasgebäude – ebenfalls.

Auf die Frage, was die Stadt Zug auf dem Gebiet plane, teilt das Baudepartement mit: «Es wird mehrheitlich eine Neubebauung des Areals geplant. Der Bebauungsplan sieht eine Verdichtung dieser Zentrumbebauung vor, in Kombination mit einer Verbesserung der Freiräume, Zugänge zum Bahnhof und der Aufenthaltsqualität.» Von der Nutzung her strebt die Stadt Zug eine Mischung aus Detailhandel, Dienstleistungen und Wohnen an.

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«Die höhere Ausnützung würde einen Mehrwert bringen»

zentral+ wollte wissen, ob es an diesem Ort neue Hochhäuser geben wird. Dazu sagt Stadtrat André Wicki, Vorsteher Baudepartement: «Es gibt verschiedene Vorschläge. Insgesamt steht aber sicher verdichtetes Bauen im Zentrum. Das ist auch der Auftrag des Kantons.» Dies mache in Bahnhofsnähe auch Sinn, so Wicki, die höhere Ausnützung würde einen Mehrwert bringen. Er ergänzt: «Wir bewegen uns für dieses Gebiet bezüglich der Dichte in ähnlichen Dimensionen wie beim Projekt Europaallee in Zürich.»

Welche Häuser sind betroffen?

Zum Perimeter des Bebauungsplans Baarerstrasse West/Bahnhof gehören fünf grosse Gebäudekomplexe. Es sind dies die Liegenschaften an der Baarerstrasse mit den Hausnummern 15 bis 47. In diesen Gebäuden finden sich verschiedene Nutzungen: Wohnungen, Bürogebäude, Detailhandel und Dienstleistungen. In den Erdgeschossen sind heute hauptsächlich Detailhandelsgeschäfte untergebracht. So zum Beispiel der Schuladen Vögele, Cachet, Swisscom Shop, der Bike-Shop Welcome. An der Strasse zu Hause sind aber beispielsweise auch die Migros Bank, die Verkehrsschule Zug und die «Neue Zuger Zeitung».

In Zürich baute die SBB – ebenfalls direkt neben dem Hauptbahnhof – ein Shoppingcenter, Büroräumlichkeiten für 6000 Bankangestellte, ein Hotel sowie teure Stadtwohnungen und Lofts. Über das Projekt Rösslimatt in Luzern, das der Europaallee ebenfalls gleichen soll, berichtete zentral+ bereits ausführlich.

Zu solchen Bauprojekten sagt Philipp Klaus, Dozent für Soziologie in der Architektur an der ETH Zürich: «Die Europaallee bedeutet «Klotz an Klotz, grossbürgerliche Architektur die keinen Halt gibt, jeder Blick flutscht sozusagen weg an den monotonen und repetitiven Elementen.» Das Gebiet sei nur als Gesamtskulptur zu betrachten, «als Ensemble von Klötzen, wie Spielzeug, nur nicht so verspielt. Es ist elitär.» Auf Zürich bezogen sagt Klaus, dass die 400 Wohnungen und Lofts im gehobenen Standard auch ihre Auswirkungen auf die Bewohnerstruktur der Europaallee zeigen würden: «Bezüglich Wohnen gibt es keine soziale Durchmischung im Areal.»  

Zuger Kantonalbank will einen Neubau

Sollte sich in Zug tatsächlich ein ähnliches Vorhaben durchsetzen, dürfte das blaue Glasgebäude der Zuger Kantonalbank an der Baarerstrasse 37 als Erstes fallen. Ursula Ineichen, Mediensprecherin der Zuger Kantonalbank, bestätigt, dass bei der Filiale an der Baarerstrasse 37 ein Neubau vorgesehen ist.

Sowohl die Zuger Kantonalbank als auch die Stadt Zug betonen aber, dass es noch lange nicht soweit sei. Ineichen sagt: «Es bestehen derzeit keine konkreten Pläne.» Und die Stadt weist darauf hin, dass die einzelnen Bauten in unterschiedlichen Zeiträumen realisiert würden. Dies sei abhängig von den Entscheiden der einzelnen Grundeigentümer. Der Bauchef André Wicki betont: «Die planerischen Grundlagen halten nur fest, was maximal realisiert werden kann, verpflichten den jeweiligen Grundeigentümer aber nicht zur Realisation eines Neubaus.»

Das Projekt befindet sich zurzeit in der Bereinigungs- und Überarbeitungsphase. Im Sommer soll eine Jury das Richtprojekt verabschieden und dann wird die Stadtplanung Zug die Änderung des Bebauungsplans erarbeiten. Der überarbeitete Bebauungsplan kommt anschliessend zur Vorprüfung zur Baudirektion und erst dann wird darüber im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug beraten.

Aufstocken war nicht möglich

Warum denn eine Überarbeitung? Das Projekt ist schon älter. Die Zuger Kantonalbank beabsichtigte zunächst, das ehemalige Marc Rich Gebäude an der Baarerstrasse 37 aufzustocken. Das Vorhaben wurde im März 2011 jedoch sistiert, weil eine Aufstockung wegen der Statik, des Feuerschutzes und der Erdbebensicherheit nicht möglich war. In einer Medienmitteilung schrieb die Stadt 2011: «Es wird daher ein Neubau ins Auge gefasst.»

Weiter schreibt die Stadt, dass die Zuger Kantonalbank sie ersucht habe, den Bebauungsplan Baarerstrasse West/Bahnhof zu überarbeiten, um die planerischen Voraussetzungen für diese Entwicklung zu schaffen. Die Stadt geht auf das Gesuch der Bank ein: «Der Stadtrat erachtet eine Verdichtung an dieser Lage als sinnvoll. Ebenso stehen die übrigen angefragten Grundeigentümer innerhalb des Bebauungsplangebiets einer Überarbeitung des Bebauungsplans grundsätzlich positiv gegenüber.»

Wer ist die Drahtzieherin?

Auf die Anfrage, ob die Zuger Kantonalbank die treibende Kraft für eine Erneuerung des betreffenden Gebietes sei, sagt Ursula Ineichen: «Nein, die Stadt Zug ist in diesem öffentlich rechtlichen Verfahren federführend, nicht die Zuger Kantonalbank.»

Das schrieb auch die Stadt in der Medienmitteilung 2011: «Die Überarbeitung soll unter der Federführung der Stadt erfolgen und dem Prinzip der Gleichbehandlung aller Grundeigentümer Rechnung tragen.» Weil aber die Stadt den Bebauungsplan aufgrund eines Gesuchs der Bank überarbeitet, darf die Frage gestellt werden, wer die eigentliche Drahtzieherin ist: Die Stadt oder die Kantonalbank? Sicher ist, dass es die Eigentümer anderer Liegenschaften an der Baarerstrasse weniger eilig haben.

Der Traum könnte auch platzen

Zwei weitere Eigentümer von Liegenschaften, die im Bebauungsplan drin sind, sind die Migros Pensionskasse (Haus Nr. 25/27/47) und die Zuger Pensionskasse (Haus Nr. 19/21/23). Die Migros Pensionskasse gibt auf Anfrage nur kurz und knapp bekannt, dass bei ihren Liegenschaften keine Neubauten geplant seien. Daniel Zülle, Leiter Immobilien der Zuger Pensionskasse, sagt: «Solange noch kein Bebauungsplan vorliegt, planen wir nichts. Die Federführung der Planung liegt bei der Stadt.» Mögliche Vorhaben seien noch in weiter Ferne auch wenn dereinst ein verbindlicher Bebauungsplan vorliegen sollte.

Die Eigentümer der Liegenschaft der Baarerstrasse 41 verweisen bei der Anfrage an die Stadt und die Verwaltung der Baarerstrasse 43 will keine Auskunft geben. Wie die Recherchen ergeben, sind nicht alle Eigentümer gleichermassen an einem Fortschritt des Projekts interessiert sind. Oder sie möchten ihre Pläne lieber noch geheim halten.

Laut Baudepartement der Stadt Zug finden die Gespräche jedoch mit unterschiedlichen Besitzern statt: «Grundeigentümer und Vertreter der Stadt Zug diskutieren über die verschiedenen Varianten der Weiterentwicklung». Dabei werde versucht, alle – teilweise unterschiedlichen – Interessen und Vorstellungen zu berücksichtigen und in ein Gesamtprojekt von hoher Qualität zu überführen.

Die Mediensprecherin der Zuger Kantonalbank sagt: «Wir sind mit dem Vorgehen der Stadt und dem Fortschritt des Verfahrens zufrieden.»

Auch dieses Gebäude ist im Perimeter des Bebauungsplans enthalten. Die Migros Pensionskasse ist die Eigentümerin. (Bild: anm)

Auch dieses Gebäude ist im Perimeter des Bebauungsplans enthalten. Die Migros Pensionskasse ist die Eigentümerin. (Bild: anm)

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1 Kommentare
  1. Thomas Kessler, 28.06.2014, 09:52 Uhr

    Mir gefällt es das um den Bahnhof herum neu gebaut wird! Ich fände es besser das Gebäude welches gegenüber vom Metalli steht abzureisen. also das wo der Swisscomladen drin ist. Schliesslich ist Zug ein Internationales Pflaster und es kommen Menschen aus aller welt hier her

    Auch würde ich mir wünschen das mal sowas wie die Asia Spa in Zürich auch hier gibt. EIn Grosses Fitness Studio mit ca 4000qm und dazu ein schönes Thermalbad mit grossen Saunalandschaften