Zug will Steuern senken – ALG befürchten höhere Mietzinsen
  • Politik
Die Situation auf dem Zuger Wohnungsmarkt würde sich durch eine Steuersenkung verschärfen, argumentieren die ALG. (Bild: Emanuel Ammon/ Aura)

Geplante Änderung des Steuergesetzes Zug will Steuern senken – ALG befürchten höhere Mietzinsen

2 min Lesezeit 3 Kommentare 17.08.2020, 20:06 Uhr

Der Kanton Zug steht finanziell gut da. Deshalb will er der Bevölkerung die Bewältigung der Coronakrise erleichtern und plant eine temporäre Steuersenkung. Für die ALG der falsche Weg.

Die Coronakrise trifft viele Branchen. Auch im Kanton Zug müssen etliche Privatpersonen und Firmen den Gürtel enger schnallen. Beim Kanton hingegen ist Geld reichlich vorhanden. Für 2020 rechnet man sogar mit einem «Rekordknüller-Jahr» (zentralplus berichtete).

Auch die Bevölkerung soll vom finanziellen Polster profitieren. Deshalb soll der Steuerfuss für drei Jahre von 82 auf 80 Prozent gesenkt werden (zentralplus berichtete). Was schön klingt, könnte auch schlicht ein Steuergeschenk für wirtschaftlich besser gestellte Personen sein, kritisierten die Linken schon früh. Sie wollen die Steuersenkung deshalb verhindern. Im Zuger Kantonsrat wurde eine entsprechende Forderung jedoch abgelehnt.

«Eine zusätzliche Steuersenkung würde den Steuerwettbewerb noch weiter anheizen.»

Die ALG

Die Alternative – die Grünen (ALG) halten dennoch daran fest. Sie fordern, den entsprechenden Absatz im neuen Steuergesetz zu streichen. Denn sie glauben, dass dies Zuzüger aus anderen Kantonen anlockt: Sollten die Steuern gesenkt werden, könnte sich deshalb die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter verschärfen, die Mietpreise würden sich erhöhen. Und das belaste wiederum wenig Verdienende, den Mittelstand sowie Wirtschaft und Gewerbe. «Eine Steuersenkung ist als Covid-19-Massnahme somit nicht nur ineffektiv, sondern kontraproduktiv.»

Andere Kantone könnten unter Druck geraten

Es ist nicht das einzige Argument, das die ALG ins Feld führen. Im Falle einer zweiten Welle müsse laut der Konjunkturforschungsstelle KOF mit massiven wirtschaftlichen Schäden und einem deutlichen BIP-Rückgang gerechnet werden, so die Begründung. Viele Kantone ächzten schon jetzt unter der grossen Belastung. «Wenn nun der reiche Kanton Zug seine Steuern noch weiter senkt, bringt das diese zusätzlich unter Druck. Eine zusätzliche Steuersenkung würde den Steuerwettbewerb noch weiter anheizen und wäre daher gerade in dieser Situation volkswirtschaftlich betrachtet brandgefährlich.»

Schliesslich argumentieren die ALG, dass die Steuersenkung nicht dazu führe, dass sich die Wirtschaft schneller erhole. Das Problem: «63 Prozent der Zuger Unternehmen bezahlen bereits heute keine Steuern, existenzgefährdete Unternehmen gehören grösstenteils zu dieser Gruppe und profitieren mit keinem Rappen», schreiben sie. Auch für Mittelstandsfamilien würden jährlich nur wenige Franken Ersparnis drinliegen. Wer profitiere, gehöre zu den Reichsten.

Der Zuger Kantonsrat wird am 27. August in zweiter Lesung über den dreijährigen Steuerrabatt diskutieren.

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3 Kommentare
  1. Roberto, 19.08.2020, 14:26 Uhr

    Niemand profitiert von dieser Steuererleichterung. Die Reichen haben genug und für die Armen spielen diese 2 Prozent keine Rolle. In der Stadt Zug gibt es nicht mal eine Kartonsammlung, weil es angeblich zu teuer ist. Dafür 100 Franken Gutscheine verteilen, getarnt als Coronamassnahme… In Malawi leben sie mit einem Stutz pro Tag und in Beirut liegt alles in Schutt und Asche. Ich bin wirklich kein linker Vogel, aber sowas ist absurd. Was Zug braucht ist eine verdammte Steuererhöhung. Dann platzt vieleicht endlich mal die Blase. Die Politik ist weder sozial, liberal, bürgerlich, konservativ noch progressiv, vieleicht korrupt. Es ergibt einfach keinen Sinn. Es bringt nichts mehr. OK, dann ziehen halt einige Firmen weg und die Standarts werden niedriger. Sie werden aber auch niedriger wenn man keine Wohnung mehr findet und das Bier 10 Stutz kostet, niemand mehr ein Geschäft eröffnen will und alles Tot ist, niemand mehr in die Feuerwehr geht oder einfach nur den anfallenden Dreck erledigt! Die gesellschaftstragenden Leute ziehen sowieso weg, geben das Gewerbe auf etc. Niemand profitiert mehr, ausser die Expats, ich habe nichts gehen Expats, ausser dass sie benutzt werden von den Firmen. Wobei Moment, wenn ich so eine Expat Tussi sehe, oder einen Banker mit bescheidenen Deutschkentnissen… Aber in der Politik sitzen sie nicht, sie sind nicht das Problem. Der arme Kolin dreht sich wohl im Grab. Was ich will ist mehr Dreck in Zug! Ja das ist ein Pamphlet! Nicht mal die ALG bringt es fertig.

    1. Kolin, 19.08.2020, 20:52 Uhr

      sehr geehrter Robert,
      wenn du mehr Steuern zahlen und mehr Dreck haben willst, zieh bitte in die Stadt Bern und zwar direkt in die Reitschule.
      Gruss Kolin

  2. Margarita, 18.08.2020, 17:32 Uhr

    Einfach unglaublich, ausgerechnet in diesem bereits reichen Kanton wird Reichen und Vermögenden ins Uferlose Geld verschenkt. Ein Hohn für alle, die unter den wirtschaftlichen Bedingungen seit der Corona Pandemie leiden. Unvorstellbar ist der Schaden, wenn andere Kantone nachziehen und dafür ihre Aufgaben nicht mehr wahrnehmen.

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