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Zug: Vergabe von Kultur-Stipendium sorgt für Kritik
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Die Vergabe eines Atelier-Aufenthalts in Genua sorgt für rote Köpfe (Symbolbild).

SVP und GLP reichen Interpellation ein Zug: Vergabe von Kultur-Stipendium sorgt für Kritik

3 min Lesezeit 1 Kommentar 10.10.2019, 15:48 Uhr

Dass die Zuger Kulturkommission einen Atelier-Aufenthalt in Genua an ein eigenes Mitglied vergeben hat, kommt bei der Stadtzuger SVP und GLP schlecht an. Sie haben beim Stadtrat deswegen eine Interpellation eingereicht.

Die Stadt Zug betreibt zusammen mit 23 anderen Städten in Kairo, Buenos Aires und Genua drei Künstlerateliers. Jedes Jahr schickt sie jemanden in ein Atelier, der neben dem Wohn- und Arbeitsraum auch einen Lebenskostenbeitrag von monatlich 1’500 Franken bekommt. Kürzlich wurde nun bekannt, dass die dafür zuständige Kulturkommission mit Anu-Maaria Calamnius-Puhakka (44) jemanden aus den eigenen Reihen mit einem solchen Aufenthalt beehrt (zentralplus berichtete).

Insgesamt drei Projekte wurden für das Stipendiat in Genua eingereicht. Darunter eine einer national bekannten Künstlerin, die gerade einen Auftrag der Stadt Zug an Land gezogen hatte und einen eines Zuger Musikers, der früher schon einen sechsmonatigen Atelieraufenthalt in Argentinien zugesprochen erhalten hatte und der überdies bei der Stadt Zug angestellt war.

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Eine unbeantwortete Frage

SVP und GLP der Stadt Zug beäugen diese Vergabe kritisch und haben am Donnerstag eine entsprechende Interpellation eingereicht. Darin erinnern sie an eine eingereichte Interpellation zu den Kommissionen der Fraktionen SVP und GLP am 16. Juni 2016. «In dieser wurden dem Stadtrat drei Fragen zu den städtischen Kommissionen gestellt. Leider wurde die Antwort auf die dritte, wichtigste Frage gänzlich verweigert», erinnern sie beiden Parteien.

Die Kulturkommission sei mit ihnen einig, dass die Vergabe an ein Kommissionsmitglied ein fragwürdiger Entscheid ist. Sie stellen folgende Fragen an den Stadtrat:

  • Mit einem Stipendium fördert man primär Kunstschaffende, die sich ein Projekt selber nicht leisten können. Die Selbstbeschreibung der Stipendiatin erweckt den Eindruck, dass diese sehr vermögend ist und nicht auf ein Stipendium angewiesen wäre. Inwiefern wurde dieser Aspekt im konkreten Fall abgeklärt?
  • Warum ist das Projekt von Anu-Maaria Clamnius-Puhakka das Beste, herausragendste und unterstützungswürdigste Konzept der drei eingereichten Projekte?
  • Ein Argument der Kommission für die Vergabe des Stipendiums an das eigene Mitglied war, dass die anderen beiden BewerberInnen bereits bei anderen Projekten unterstützt wurden. Dies ist jedoch auch bei Anu-Maaria Calamnius-Puhakka der Fall (jährliches Young Dance Festival). Warum wurde dies nicht berücksichtigt? Warum wurde trotz des Bewusstseins um die politische Brisanz nicht einfach auf die Vergabe verzichtet?
  • Durch welches Bewerbungsverfahren beziehungsweise auf wessen Empfehlung und von wem wurden die Mitglieder der betreffenden Kommission eingeladen?
  • Die Kulturkommission ist eine Fachkommission. Gibt der Stadtrat den Bürgerinnen und Bürgern sein Wort, dass die Mitgliedschaft oder die Nähe zu einer politischen Partei bei der Vergabe der Fachkommissionsmandate keine Rolle spielen?
  • Wie wird verhindert, dass die Kommissionsmitglieder sich selbst, oder ihnen nahestehende Personen Fördergelder oder Aufträge unberechtigterweise zuschanzen?
  • Es ist bekannt, dass sich viele Kulturschaffende gar nicht erst auf Ausschreibungen bewerben, weil sie überzeugt sind, die Vergabepraxis sei intransparent und ungerecht. Was unternimmt der Stadtrat, damit in Zukunft bei Ausschreibungen der Kulturkommission fairere Wettbewerbsbedingungen herrschen?
  • Was ist der Stadtrat im Sinne der Transparenz für die Öffentlichkeit bereit zu tun, damit die Beschlüsse und Entscheidungen der Kulturkommission transparenter werden? Zum Beispiel die Veröffentlichung der anonymisierten Sitzungsprotokolle.

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1 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 16.10.2019, 09:14 Uhr

    Der Förderfilz im Förderdschungel beheimatet in der Bananenrepublik hat wieder zugeschlagen. Kämen diese Mittel aus dem Spendentöpchen privater Stiftungen wär’s dennoch frech aber finanziell tragbar. Aber hier werden Steuergelder nach nepotistischen Kriterien vergeben! Sowas geht gar nicht!! Oder können die Vertreter der Steuerkommission sich selber auch die Steuern erlassen? Eben!