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Zug und Luzern sind jetzt «Bergdörfer»
  • Gesellschaft
Die Einteilung von Bern: Hellgrün und braun bedeutet «Bergprodukte». Dunkelgrün heisst «Alpprodukte». (Bild: Printscreen / admin.ch)

Karte des Bundes Zug und Luzern sind jetzt «Bergdörfer»

3 min Lesezeit 1 Kommentar 22.11.2014, 18:00 Uhr

Das erstaunt: Ortschaften auf 430 Metern über Meer werden vom Bundesamt für Landwirtschaft als «Berggemeinden» eingeteilt. Darunter auch die Städte Luzern und Zug, oder Gemeinden wie Baar und Triengen. Das Amt erklärt diese topografische Beförderung mit einer speziellen Verordnung. Und mit einem Lebensmittel-Label für Alp- und Bergprodukte. 

Wenn ein Holländer diese merkwürdige Karte erstellt hätte, wäre alles klar. Ein Holländer würde einen Hügel, der sich ein klein wenig aus der flachen Landschaft drückt, gerne und schnell mal als «Berg» bezeichnen. Der Schweizer würde dann lächeln und ihm die hiesigen topografischen Verhältnisse verständlich machen. Wie dem auch sei. In diesem Fall waren es unsere Behörden in Bern, die diese Karte erstellt haben. Tatsächlich deklariert das Bundesamt für Landwirtschaft die Städte Luzern und Zug, die Gemeinden Triengen oder Baar als «Berggemeinden». Wie kommt dieser grosszügige Massstab?

Eine gemeinsame «Etikette»

Aufgefallen ist diese topografische Beförderung auf einer Online-Karte des Bundesamtes für Landwirtschaft (BWL). Darauf wird eine «staatliche Label-Verordnung» abgezeichnet. Seit einem halben Jahr gibt es vom Bund offiziell je ein Label für Berg- und Alp-Produkte. Die Labels sollen helfen, eine gemeinsame visuelle Etikette für Produkte aus Berggebieten, eine «Identität» zu schaffen. Ziel ist es schlussendlich, dass die Produkte sich besser verkaufen. Die Entwicklung der Labels kostete den Steuerzahler laut dem Bundesamt für Landwirtschaft bis anhin 72’000 Franken.

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Die Label sollen regional produzierte Lebensmittel kennzeichnen.

Die Label sollen regional produzierte Lebensmittel kennzeichnen.

(Bild: BLW)

Eben: Wenn man sich die Online-Karte etwas genauer anschaut, gehören zu den Berg und Alpgebieten auch Gemeinden am Zuger- oder Vierwaldstättersee, die um die 430 Meter über Meer liegen. Der Grund laut Labelverordnung: Bei der Zertifizierung kommt es nicht nur auf die Höhe in Metern an, sondern auch auf die Umgebung. Oder mit holländischer Toleranz ausgedrückt: Ein Hügel im Dorf genügt, um als «Berggemeinde» durchzugehen.

Berg- und Alpprodukte sind geschützt

Um die Bezeichnung «Bergprodukt» (Bergkäse) tragen zu dürfen, müssen die Rohstoffe aus dem Berggebiet stammen und im Berggebiet, einschliesslich der angrenzenden Gemeinden, verarbeitet werden.

Werden die Produkte ausserhalb des Berggebiets verarbeitet, darf nur auf die Herkunft der Rohstoffe hingewiesen werden («Joghurt aus Bergmilch»). Beim Käse muss immer sowohl die Milcherzeugung als auch die Verkäsung im Berggebiet erfolgen.

Claudia Holenstein, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Bundesamt für Landwirtschaft, erklärt: «Ein Teil der Gemeinde befindet sich im Berggebiet und ermöglicht es somit gemäss Artikel acht, Absatz eins der Berg- und Alpverordnung, Bergprodukte in der ganzen entsprechenden Gemeinde herzustellen.» Deshalb seien diese Regionen und Gemeinden auf der Karte hellgrün angestrichen.

So weit so gut. Ebenso locker reglementiert ist die eigentliche Verarbeitung der Produkte. Rohmilch und Rahm dürfen im Tal verarbeitet werden und Lagerung und Reifung des Käses können überall im Land erfolgen. 

Kommt das Label gut an?

Wie die Nachfrage nach den Produkten aussieht, kann Holenstein noch nicht sagen. «Wir planen im Laufe des Jahres 2015 eine Umfrage durchzuführen über die Häufigkeit des Gebrauches der Zeichen.» Allerding dürften die grossen Detailhändler wenig Interesse an den Etiketten haben. Coop verwendet seit sieben Jahren das eigene Label «Pro Montagna» und Migros setzt seit zehn Jahren auf die Hausmarke «Heidi». 

Holenstein sagt: «Da das Berg- und Alpzeichen freiwillig ist und kostenlos von unserer Homepage heruntergeladen werden kann, haben wir keine genauen Angaben über die Häufigkeit des Gebrauchs. Wir haben jedoch bereits viele Anfragen zum Gebrauch des Logos erhalten und erwarten einen verstärkten Gebrauch des Zeichens in den nächsten Jahren.»

Ob das Label eines Tages exportiert werde, vielleicht sogar nach Holland, kann man in Bern noch nicht sagen. Käse zum Zertifizieren gäbe es dort bestimmt genug. 

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1 Kommentare
  1. Hans Zumstein, 23.11.2014, 17:53 Uhr

    Wieviele Arbeitsstunden sind für diesen Ukas verbraten worden? Ein klares Indiz für eine stark überdotierte Bürokratie in Berner Bundesämtern sonst hätte man keine Zeit um solchen Nonsens zu entwickeln . . .