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Zug spendet an Hilfswerke in Rohstoff-Abbaugebieten
  • Politik
Die Stadt Zug will offenbar ihre Verantwortung im Rohstoffhandel wahrnehmen. Im Bild eine Kupfermine der Glencore in Chile. (Bild: zvg )

Moralische Verpflichtung? Zug spendet an Hilfswerke in Rohstoff-Abbaugebieten

3 min Lesezeit 17.12.2014, 14:50 Uhr

Die Rohstoff-Handelsstadt Zug möchte offenbar etwas zur Beseitigung von Problemen in Rohstoff-Abbaugebieten beitragen. Sie hat auf eigene Faust 32’000 Franken an Hilfswerke bezahlt, die in solchen Abbaugebieten tätig sind. Hat die Stadt ein schlechtes Gewissen?

Die Stadt Zug hat in diesem Jahr 13 Hilfsprojekte in Rohstoffabbaugebieten unterstützt, und hat dafür insgesamt 32’000 Franken ausgegeben. Das ist die Hälfte des Stadtzuger Budgets für ausländische Hilfeleistungen. Die Unterstützung sei eine Reaktion auf die Einzelinitiative «Zug handelt solidarisch» der Grünen Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin, die letztes Jahr gefordert hatte, die Stadt Zug müsse 100’000 Franken Unterstützung an solche Projekte leisten.

Eine «gute Nachricht»

Das Stadtparlament hatte die Initiative zwar Anfang Jahr abgelehnt, der Stadtrat hat aber jetzt eröffnet, dass er auf eigene Faust solche Projekte unterstützt hat. Spiess ist erfreut: «Das ist eine sehr gute Nachricht.»

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Aber sind 32’000 Franken nicht etwas wenig? «Ich hatte zwar 100’000 Franken gefordert, aber auch mit 32’000 Franken kann man in solchen Ländern etwas erreichen. Das ist einer dieser kleinen Hebel, mit denen man Grosses bewirken kann», sagt die Initiantin. 

Die Stadt müsse diesen jetzt eingeschlagenen Weg unbedingt weiterverfolgen, so Spiess. «Ich hoffe, dass meine Initiative in den Köpfen etwas bewirkt hat, und dass der Stadtrat versteht, warum ich sie eingereicht habe.» Die Stadt habe eine moralische Verpflichtung, solche Projekte zu unterstützen, sagt Spiess.

Kein schlechtes Gewissen bei der Stadt

«Firmen wie die Xstrata haben ordentlich Steuern bezahlt, vor der Fusion mit Glencore, die Stadt hat gut daran verdient. Man kann aber nicht nur Geld annehmen und nachher das Gefühl haben, man hätte nichts damit zu tun, woher es stammt.»

Das sieht die Stadt anders: «Wir sehen keine moralische Verpflichtung», sagt Karl Kobelt, Finanzchef der Stadt Zug. «Wir sehen auch nicht, dass die Stadt Zug ein schlechtes Gewissen haben müsste. Wir möchten aber auf ein Anliegen aus der Politik angemessen reagieren.»  

Hilfe an Rohstoffabbaugebiete sei «einmalig»

Der Stadtrat habe zwar die Initiative von Frau Spiess-Hegglin abgelehnt, zusammen mit dem Grossen Gemeinderat. «Trotzdem wollten wir das Anliegen aufnehmen und ihm in einem angemessenen Rahmen entsprechen.» Die Stadt Zug leiste jedes Jahr Hilfe an ausländische Organisationen. Dass sie dieses Jahr ihre Unterstützung auf Rohstoffabbaugebiete fokussiert habe, sei einmalig.

Auf Spiess’ Kritik, die Stadt habe an den Rohstoff-Firmen einiges an Steuergeldern verdient und müsse daher solche Hilfsprojekte auch weiterhin unterstützen, sagt Kobelt: «Die Stadt hat in erster Linie die Verpflichtung für die Stadt Zug und ihre Einwohner zu sorgen. Dass wir diese Projekte unterstützt haben, das hat die Stadt völlig freiwillig und im Rahmen ihrer Möglichkeiten getan.»

Kein Zusammenhang mit Glencore

Die Projekte stünden nicht in einem direkten Zusammenhang mit Glencore oder dem Rohstoffabbau an sich, aber sie böten Hilfe in den betroffenen Ländern, schreibt die Stadt. Die unterstützten Organisationen seien ZEWO-zertifiziert und die Projekte liessen einen nachhaltigen Nutzen erkennen.

So habe etwa das Projekt «Menschenwürdige Arbeit für alle» von Solidar Suisse 5’000 Franken erhalten. Das Projekt stärke die Rechte von Hausangestellten und Zuckerrohrschneidern in Bolivien und unterstütze ihre Gewerkschaften. Ziel sei es, einer breiten Öffentlichkeit vor Ort den Zusammenhang zwischen der Schaffung neuer Arbeitsplätze, menschenwürdigen Arbeitsbedingungen sowie effektiver Armutsbekämpfung bewusst zu machen.

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