Zug setzt Sonderschule unter Druck
  • Politik
  • Bildung
  • Erziehung
Die Primarstufe der Sonderschule Horbach auf dem Zugerberg (Bild: zentral +)

Kanton knüpft Auftrag an Bedingungen Zug setzt Sonderschule unter Druck

5 min Lesezeit 22.06.2015, 15:06 Uhr

Der Kanton Zug hat einen neuen Vertrag mit der Sonderschule Horbach abgeschlossen. Dieser ist an Auflagen geknüpft. Erfüllt die Schule diese nicht, gibt es keine Schüler mehr – und kein Geld. zentral+ hat das Dokument eingesehen, das Geschäftsführer Thilo Behrendt unter Druck setzen dürfte.

Die private Sonderschule «Internat/Tagesschule Horbach» (ITH) ist IV-anerkannt und fördert Kinder und Jugendliche mit einem Aufmerksamkeitsdefizit oder Teilleistungsschwächen, Lernstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Auf dem Zugerberg befindet sich seit 1962 die Primarstufe der ITH, im alten Kantonsspital Zug die Sekundarstufe. An beiden Standorten wird ein Internat angeboten sowie eine Tagesschule für externe Schüler.

Trägerin der Schule ist die Gemeinnützige Gesellschaft Zug (GGZ). Der Leistungsauftrag des Kantons Zug mit der GGZ ist jetzt, aufgrund der problematischen Personalsituation, angepasst worden. An der Schule arbeiten im Lehrkörper und in der Schulleitung zu wenig Personen mit einem Diplom in schulischer Heilpädagogik. Dies machte zentral+ 2014 publik (siehe verwandte Artikel am Ende des Textes). Der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss sprach letzten Herbst von einer «problematischen Situation».

Die Direktion für Bildung und Kultur hat jetzt reagiert und knüpft ihren neuen Sonderschulungs-Auftrag an Auflagen, wie ein Blick in die neue Leistungsvereinbarung für die Jahre 2015 bis 2016 zeigt. zentral+ konnte den Vertrag dank des neuen Öffentlichkeitsgesetzes in der Verwaltung einsehen.

Die fünf Auflagen im Detail

Erstens muss die Schule Horbach zur Sicherung des heilpädagogischen Fachwissens in diesem Jahr und 2016 ein Coaching ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen durchführen. Die Kosten gehen zu Lasten der Schule und betragen maximal 80’000 Franken. Das Coaching wird durch die Hochschule für Heilpädagogik Zürich geleistet. Die ITH muss dem Amt für gemeindliche Schulen, Abteilung Sonderpädagogik, regelmässig Bericht erstatten.

Permanente Stellen-Ausschreibung

Zweitens muss die ITH die Stellen für Lehrpersonen mit Ausbildung und schulischer Heilpädagogik permanent ausschreiben, «bis mindestens an beiden Standorten eine Person mit entsprechender Ausbildung arbeitet», heisst es in der Vereinbarung.

Für das Schuljahr 2016/17 muss die ITH an beiden Schulstandorten für zwei Schulgruppen mindestens eine verantwortliche, ausgebildete Fachperson angestellt haben. Bis in zwei Jahren muss ausserdem folgendes Ziel erreicht werden: «Für das Schuljahr 2018/19 soll jede Schulgruppe von einer Lehrperson mit entsprechender Ausbildung geführt werden.» Die diplomierten Heilpädagogen müssen mit einem Mindestpensum von 50 Prozent für die ITH arbeiten.

Zielsetzung sei «100 Prozent ausgebildetete Personen im Schulbereich und in der Schulleitung» heisst es weiter. Zur Erreichung dieses Ziels erstellt die ITH gemeinsam mit dem Zuger Amt für gemeindliche Schulen einen detaillierten Massnahmenplan. Zudem muss die Schule dem Amt an monatlichen Sitzungen über seine Personalrekrutierung berichten.

Ausstieg des Kantons?

In der Vereinbarung wird ebenso festgelegt, was geschieht, wenn die Sonderschule die Auflagen nicht erfüllt. Verfügen die beiden Standorte bis Ende 2015 nicht über mindestens je eine in schulischer Sonderpädagogik ausgebildete Fachperson, werden der ITH bis auf weiteres keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr zugewiesen, womit die von Kanton geleistete «Platzgarantie» hinfällig werde; die Schule erhält pro Schulplatz einen jährlichen Pauschalbetrag (Siehe Box am Schluss des Artikels).

Wenn sich die personelle Situation bis Ende 2016 nicht im gewünschten Sinn entwickelt hat, droht der Kanton, keine weitere Leistungsvereinbarung mit der GGZ mehr abzuschliessen.

Was sagt die GGZ zu neuen Auflagen?

GGZ-Direktor Peter Fehr bezeichnet die Auflagen des Kantons als realistisch und erfüllbar. «Wir stehen nach wie vor hinter der ITH und sind auf gutem Weg», sagt er gegenüber zentral+. «Die Auflage der zwei ausgebildeten Lehrpersonen bis Ende 2015 ist bereits erfüllt, und auch die neu angestellte Bereichsleiterin Schule hat die geforderte Ausbildung.» (Die erwähnte neue Bereichsleiterin Doris Jaussi, die nicht zum Lehrpersonal gehört sondern zur Schulleitung, hat ihre Stelle im Mai angetreten).

Zu den Ausstiegsszenarien meint Fehr: «Ohne Auftrag des Kantons Zug könnten wir die Schule nicht mehr betreiben und stünden auch für ausserkantonale Schüler nicht mehr zur Verfügung. Wir sind auf den Auftrag und die Bewilligung angewiesen.»

Vorprojekt für ITH-Neubau genehmigt

Fehr ist optimisch, dass die Probleme bei der SHP-Quote gelöst werden können. Davon zeugt auch, dass die GGZ den Neubau für die Sonderschule vorantreibt. Der GGZ-Vorstand hat dem Kauf eines Grundstücks mit rund 3’000 Quadratmetern im Entwicklungsgebiet Cham-Nord zugestimmt. Das Areal hat 2,5 Millionen Franken gekostet. Ebenso genehmigte der Vorstand ein Vorprojekt mit Kosten von 350’000 Franken.

An der kürzlichen GGZ-Generalversammlung wurde das Vorhaben nicht in Frage gestellt. «Für die zweite Phase des Projekts, wenn es um die Baubewilligung geht, werden wir natürlich die Risikobeurteilung nochmals überprüfen», sagt Peter Fehr, «doch wir sind optimisch, den Neubau frühestens Mitte 2018 einweihen zu können.» Der Neubau würde die beiden ITH-Schulstandorte auf dem Zugerberg (Primarstufe) und im alten Kantonsspital (Sekundarstufe) zusammen führen.

 

GGZ erhielt 2014 1,57 Millionen Franken vom Kanton Zug

Die GGZ erhält pro Schulplatz – respektive pro betreutes Kind oder Jugendlichen, Pauschalbeträge des Kantons Zug. Die  Leistungsvereinbarung sieht folgende Beträge vor: Auf der Primarstufe 92’600 Franken in der Tagesschule, 185’200 Franken im Internat; auf der Stufe Sekundarstufe I sind es 90’500 Franken in der Tagesschule und 181’000 Franken im Internat. Für die integrative Sonderschulung gibt es auf beiden Stufen 50’000 Franken pro Schulplatz, für die Rückgliederung in die Regelklasse 20’000 Franken. Zusätzlich leistet der Kanton eine jährliche Transportpauschale.

Ob die Jahresbeiträge gleich geblieben sind wie in der letzten Leistungsvereinbarung, konnte zentral+ nicht prüfen. Die letzte abgeschlossene Leistungsvereinbarung konnten wir zum Vergleich nicht einsehen, da das Öffentlichkeitsgesetz in der Verwaltung nicht rückwirkend gilt.

Gemäss Jahresbericht erhielt die Gemeinnützige Gesellschaft Zug (GGZ) 2014 vom Kanton Zug für die Primarstufe eine Leistungsabgeltung von 1,57 Millionen Franken (Vorjahr 1,39 Mio. Franken). Für die Sekundarstufe betrug die Leistungsabgeltung 1,53 Millionen Franken (Vorjahr 1,69 Mio. Franken). Dazu kommt eine Leistungsabgeltung anderer Kantone an die GGZ, die im letzten Jahr rund drei Millionen Franken betrug.

 

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.