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Zug: Keine einzige Bitcoin-Zahlung dieses Jahr
  • Politik
Rund 50 Mal konnten die Mitarbeiter der Zuger Stadtverwaltung auf ihrem iPad eine Bitcoin-Rechnung auslösen. (Bild: Archiv)

Kein Reputationsrisiko, aber auch kein Hype mehr Zug: Keine einzige Bitcoin-Zahlung dieses Jahr

3 min Lesezeit 12.07.2018, 10:00 Uhr

«Kryptowährungen: Ein Reputationsrisiko für Zug?» Mit dieser Frage befasste sich der Stadtrat und kam zum Schluss, dass die Vorteile der neuen Technologie für Zug überwiegen. Gleichzeitig muss er einräumen, dass seit Dezember letzten Jahres bei der Stadt Zug keine einzige Transaktion mit Bitcoin mehr getätigt wurde.

Dass man sich in der Stadt Zug Kryptowährungen gegenüber aufgeschlossen zeigt, ist hinlänglich bekannt. Bereits im Juni 2016 richtete man sich auf Bitcoin-Zahlungen ein und konnte erste Transaktionen verbuchen.

Nach rund 50 Bitcoin-Zahlungen für Wohnsitzbestätigungen und Beglaubigungskopien scheint der Hype ein jähes Ende gefunden zu haben. Im Jahr 2018 kam es noch zu keiner einzigen Transaktion. Und dies, nachdem man sich vergangenen Dezember entschieden hatte, den Pilotversuch unbefristet weiterzuführen. Grund für das ausbleibende Interesse seien die gestiegenen Transaktionskosten, was den Bitcoin derzeit für kleinere Beträge unattraktiv macht.

Aus diesem Grund erübrige sich auch die Frage, ob man am Bitcoin als Zahlungsmittel festhalten wolle. Dies schreibt der Stadtrat in seiner Antwort auf die Interpellation von Astrid Estermann (Alternative – die Grünen) vom Mai. Der Vorstoss der Stadtratskandidatin stiess namentlich dem Stadtzuger FDP-Präsidenten Patrick Mollet sauer auf. «Politiker rufen leider bei jeder Gelegenheit nach Verboten und Regulierung. Lasst uns stattdessen Chancen sehen und Möglichkeiten nutzen», machte er in einem Leserbrief seinem Ärger Luft (zentralplus berichtete).

Risiken auch bei Sika

Das sieht auch der Zuger Stadtrat so. Generell seien die Chancen des Crypto Valleys grösser zu beurteilen als dessen Risiken. Letztere sieht man vor allem bei den Initial Coin Offerings (ICOs), also den Crowdfundings für Kryptowährungen. Dass es hier immer wieder zu Rechtsstreitigkeiten komme, sei nicht verwunderlich, da es sich um eine neue Finanzierungsform handle. Zuletzt kam es im Fall der Baarer Firma Environ zu einem Schaden, der wohl 100 Millionen Franken übersteigen dürfte (zentralplus berichtete).

Es war jedoch nicht der erste solche Fall. Auch die in Zug ansässige Tezos-Stiftung sammelte in kurzer Zeit 230 Millionen US-Dollar ein und war aufgrund eines Streits in der Geschäftsleitung in Gerichtshändel verstrickt (zentralplus berichtete). Dies entspreche jedoch einem normalen Vorgang, wie er auch in der «normalen» Wirtschaftswelt vorkommen könne, beeilt sich die Stadtzuger Regierung zu relativieren – und erinnert an den Fall Sika. Tatsächlich lieferte sich der Baarer Milliardenkonzern unlängst einen so in der Schweiz bisher nie gesehenen Kampf um Stimmrechte (zentralplus berichtete).

Kein «blindes Vertrauen»

Es entspreche auch nicht der Tatsache, dass der Stadtrat einer Kryptowährung «blindes Vertrauen» entgegenbringe, wie dies Astrid Estermann in ihrer Interpellation fragt. Trotz eines gewissen Missbrauchspotenzials bei den ICOs böte gerade die Blockchaintechnologie zahlreiche Chancen.

Hinzu komme, dass zahlreiche Medien positiv über Zug und das Crypto Valley berichtet hätten. Stolz zeigt man sich vor allem über Easyjet, die Zug diesen März als eine der fünf zukunftsträchtigsten Städte Europas bezeichnete. Zwar könne man sich durchaus vorstellen, dass die Stadt Zug bei einem Bitcoin-Skandal negativ in die Schlagzeilen geraten könnte. Einen nachhaltigen Schaden aber erwarte man deswegen nicht.

Begeisterung über Fortschritte der Rohstoffbranche

Geradezu lobende Worte findet der Stadtrat in diesem Zusammenhang für die Zuger Rohstoffbranche. Auf Estermanns Frage, ob man sich nach dem Rohstoffhandel mit Kryptowährungen ein weiteres Risiko einhandle, verweist er auf gemachte Fortschritte. «Die Branche hat die Vorwürfe bezüglich Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen, Menschenrechte und Steuergerechtigkeit zumindest teilweise aufgenommen und verschiedene Anstrengungen unternommen.»

Hier verweist er auf Glencore. «Gerade der Rohstoffhandel zeigt, wie sich eine sehr internationale Branche in einem schweizerischen Umfeld in eine positive Richtung entwickeln kann», freut man sich im Zuger Stadthaus. Eine positive Entwicklung erhofft man sich auch für die junge Kryptobranche und erwähnt UNO-Projekte, die mit der Blockchaintechnologie eine fairere Verteilung von Hilfsgütern ermöglichten.

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