Zug ist nicht zu stoppen
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Tobias Geisser (links) schaffte mit dem ersten Tor für die Zuger die Grundlage zum Sieg. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Auch Servette nun bezwungen vom EVZ Zug ist nicht zu stoppen

5 min Lesezeit 20.01.2021, 09:47 Uhr

Erstmals in dieser Saison reüssiert der EVZ auch gegen Servette. Unter anderem dank zweier Tore der beiden jungen Verteidiger Tobias Geisser und Nico Gross entscheiden die Zuger das Spitzenspiel gegen den Tabellenvierten für sich und bauen ihre Leaderposition weiter aus. Doch Coach Dan Tangnes ist deswegen noch längst nicht zufrieden.

Stell dir vor, der klare Tabellenführer feiert seinen sechsten Sieg in Folge, hat seit nunmehr 19 Partien stets gepunktet sowie den Vorsprung an der Liga-Spitze auf 14 Punkte vergrössert – und der Trainer dieses Teams der Stunde ist nach dem Spiel wenig begeistert, ja regelrecht unzufrieden.

«Wir spielten dem Gegner in die Hände.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

«Das war ein schlechtes Eishockey-Spiel», bringt Dan Tangnes seine Meinung deutlich zum Ausdruck. «Es glich einer Art Pingpong», führt der Norweger aus, während er den Kopf nach links und nach rechts dreht, wie der Zuschauer eines Tennis-Matches. «Wir spielten dem Gegner in die Hände.»

Unrecht hat der EVZ-Coach mit dieser Einschätzung freilich nicht. Namentlich im ersten Drittel hatten die Gäste aus Genf über weite Strecken mehr vom Spiel, dominierten das Geschehen auch dank ihrer physischen Präsenz. Die Zuger zeigten sich hingegen fehlerhaft im Spielaufbau, produzierten zahlreiche Fehlpässe. Gewisse Parallelen zum Heimspiel am Sonntag gegen Ambri fielen nicht nur Trainer Tangnes auf. Erneut wurde das Heimteam von einem robusten Widersacher hart gefordert. Im Unterschied zu den Tessinern vermochten die Romands ihre Bemühungen sogar in Zählbares umzumünzen und gingen früh 1:0 in Front. Im ersten Powerplay des Abends landete der Puck bei einem Querpass durch die Box via Schlittschuh von Livio Stadler im Zuger Tor.

Die Zuger finden meist einen Weg

Nach 20 Minuten hatten trotzdem wieder die Hausherren die Nase vorn, wenn auch eher aus Glück. Doch das ist der EVZ der Saison 2020/21: Selbst wenn es ab und zu nicht wie gewünscht zu laufen scheint, finden die Schützlinge von Dan Tangnes meistens dennoch einen Weg, das Glück auf ihre Seite zu zwingen. So wie durch Sven Leuenberger, der mit seinem direkten Abschluss Gäste-Goalie Gauthier Descloux über dessen Fanghand erwischte und 51 Sekunden vor der ersten Sirene für die etwas überraschende 2:1-Pausenführung des EVZ sorgte.

Gerade die Tatsache, dass der akribische Perfektionist Dan Tangnes und seine lernwilligen Spieler nie zufrieden sind, auch nach dem 24. Sieg im 28. Saisonspiel und mit 66 Punkten auf dem Konto, ist sicherlich ein gewichtiger Grund, weshalb sich die Zuger eben stetig weiterentwickeln und verbessern – und dadurch noch schwerer zu bezwingen sind.

Offener Schlagabtausch im Mitteldrittel

Die Steigerung gelingt Zug oft auch im Laufe des Spiels. Ab dem Mitteldrittel vermochten die Gastgeber, die Partie ausgeglichener zu gestalten. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch.

Das Spiel wogte hin und her, eben «Pingpong», mit attraktiven Torszenen auf beiden Seiten. Gleiches passierte mit dem Spielstand. Bereits in der 22. Minute glichen die Servettiens durch Tanner Richard zum 2:2 aus. Als dann knapp zehn Minuten darauf gleich zwei Zuger zeitgleich auf die Strafbank wanderten, sahen die Gäste die Chance zur neuerlichen Führung in doppelter Überzahl. Servette benötigte nur 35 Sekunden dieses numerischen Vorteils, um durch Eric Fehr das 2:3 zu erzielen.

Aber wie bereits im Startdrittel riss der EVZ kurz vor der Pause die Führung wieder an sich. Diesmal standen noch 50 Sekunden des Spielabschnitts auf der Matchuhr, als es nach einem geschickten Ablenker von Zugs Topscorer Jan Kovar zum vierten Mal hinter Descloux einschlug.

Erst 4:40 Minuten zuvor durfte Nico Gross erstmals jubeln, über seine Torpremiere für den EVZ. Mit einem beherzten Hechtsprung bugsierte der Verteidiger den am linken Pfosten freiliegenden Puck über die Linie und glich für sein Team den Spielstand wieder aus zum 3:3.

Nach der Video-Review bestätigten die Schiedsrichter ihre ursprüngliche Entscheidung, dass keine Torhüterbehinderung vorlag. Ähnlich wie beim allerersten und Sieg bringenden Tor von Livio Stadler gegen Rapperswil vor Wochenfrist freuten sich seine Mitspieler herzlich und feierten ihren Mannschaftskollegen schon eine Woche vor dessen 21. Geburtstag.

Zwei wichtige Tore durch junge Zuger Verteidiger

Mit der Führung im Rücken nahm dann das Heimteam im dritten Spielabschnitt etwas Tempo raus und versuchte, das Spiel zu kontrollieren. Dennoch gelang es den Servettiens, vereinzelt in aussichtsreiche Abschlusspositionen zu kommen. Zum Missfallen von Dan Tangnes fand Servette immer wieder freie Räume vor und hatte wiederholt Überzahlsituationen vor Leonardo Genoni. Der routinierte Zuger Schlussmann liess aber nichts mehr zu.

Spätestens als Gregory Hofmann in der 55. Minute das erste Powerplay für die Gastgeber mit seinem 12. Saisontor zum 5:3 verwertete, war dieser intensive Spitzenkampf entschieden.

Eigentlich jedoch hatte bereits in der 9. Spielminute Verteidiger Tobias Geisser für eine Vorentscheidung gesorgt. Sein zweiter Torerfolg der Saison zum 1:1 war der erste Treffer des Abends für den EVZ und erst der dritte in den letzten vier Begegnungen mit Servette. Vor allem aber haben die Zuger diese Saison stets gepunktet, wenn sie mindestens ein Goal erzielten. Letztmals ohne Tor und entsprechend ohne Punkte waren die sie am 13. November 2020 geblieben – beim 0:4 in Genf gegen Servette. Diese Scharte ist nun ausgewetzt. Auch gegen die Genfer weist der EVZ jetzt zumindest eine ausgeglichene Bilanz aus.

Es geht Schlag auf Schlag weiter in der «Woche der Wahrheit»

Mit den zwei Arbeitssiegen gegen die beiden unbequemen Kontrahenten Ambri und Servette ist der EVZ erfolgreich in diese «Woche der Wahrheit» gestartet. Selbst wenn Dan Tangnes nicht angetan war vom Dargebotenen, stellt er klar: «Die Punkte nehmen wir gerne mit.» Sein Team hat bewiesen, dass es sich auch in Spiele kämpfen und den Sieg erdauern kann. «Das bringt unsere Spieler weiter, speziell hinsichtlich der Playoffs», ist der 41-Jährige überzeugt.

«Momentan ist es primär eine mentale Herausforderung», ergänzt Tangnes, «umso wichtiger ist es, dass wir uns an unseren Plan, an unser System halten und das Selbstvertrauen hochhalten.»

Die nächste grosse Herausforderung im eng getakteten Spielplan wartet bereits am Freitag auf seine Mannschaft. Der EVZ ist zu Gast beim meistgenannten Mitfavoriten um die Meisterschaft, den ZSC Lions, bevor es dann am Sonntag nach Bern geht, sofern die Hauptstädter bis dann nicht mehr in der Quarantäne verharren.

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