Aldo Caviezel, der neue Leiter des Amtes für Kultur des Kanton Zug.
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Aldo Caviezel, der neue Leiter des Amtes für Kultur des Kanton Zug. (Bild: mal)

Monatsinterview «Zug ist mein Zuhause, meine Identität»

13 min Lesezeit 01.03.2014, 05:03 Uhr

Seit Anfang Jahr ist Aldo Caviezel neuer Leiter des Amtes für Kultur im Kanton Zug. zentral+ besuchte den Musiker in seinem Büro in Zug. Die Bilder stehen noch auf dem Boden und warten, bis sie an die Wand gehängt werden. Einen Bürostuhl hat Caviezel auch noch keinen. Doch anzukommen braucht der charismatische Kulturschaffende nicht. Caviezel ist Zuger. Durch und durch. Und im Gespräch mit zentral+ wurde auch schnell klar, dass sich Zug auf die Zeit mit ihm freuen darf.

zentral+: Herr Caviezel, Sie sind neuer Amtsleiter des Amtes für Kultur des Kantons Zug. Was genau sind ihre Aufgaben?

Aldo Caviezel: Ich vernetze, vermittle und berate. Der Kanton Zug fördert das Kunst- und Kulturschaffen sowie die kulturellen Institutionen in Zug. Der Kanton Zug vergibt Förderbeiträge, Werkjahr, Anerkennungspreis und Atelierstipendien. Wir nehmen Gesuche der Sparten Bildende und Angewandte Kunst, Musik, Literatur, Theater, Neue Medien, Volkskultur, Film und Tanz entgegen und bearbeiten diese in Zusammenarbeit mit der Kantonalen Kulturkommission. Wir sehen uns aber auch als Nahtstelle zwischen Kultur und Politik, wobei ich bewusst den Begriff Nahtstelle und nicht Schnittstelle wähle. Wir vermitteln im Dialog zwischen Kundenbedürfnis und politischen Machbarkeiten. Weiter betreiben wir das Kantonale Museum für Urgeschichte(n), welches in der Vermittlung unserer urgeschichtlichen Wurzeln hervorragende Arbeit leistet. Auch betreuen wir die kantonale Kunstsammlung und tätigen Ankäufe und führen die Geschäftsstelle des Zuger Ateliers in Berlin sowie des Zentralschweizer Ateliers in New York. Wir vertreten den Kanton Zug auch gegen aussen und sind Teil der regionalen und nationalen Kulturpolitik. Sei dies mit dem Einsitz in der Kulturbeauftragtenkonferenz Zentralschweiz KBKZ, oder der nationalen Kulturbeauftragtenkonferenz KBK. Auch ist der Kanton Zug Teil des Kulturlastenkonkordates, welches Mittel in die nahen Kulturzentren Luzern und Zürich überweist.

Abgesehen von diesen Aufgaben. Was sind ihre persönlichen Ziele als Leiter des kantonalen Kulturamtes? Was möchten sie erreichen?

Oberstes Ziel ist der weitere Ausbau und die Stärkung des Netzwerkes, welches die kulturelle Vielfalt im Kanton beseelt und pflegt. Dazu gehört weiterhin eine niederschwellige Kulturförderung, die nebst der kulturellen und künstlerischen Spitze auch der Breitenkultur und den Vereinen zugute kommt. Den Begriff Breitenkultur wähle ich bewusst. Analog zum Sport, wo zwischen Spitzen-, Leistungs- und Breitensport unterschieden wird, gilt es auch in der Kultur mehrere Ebenen zu fördern. Es wird also nicht nur die etablierte und professionalisierte Kultur gefördert, sondern auch die kleine, freie Szene, die Vereine und das freiwillige Engagement im Bereich der Kultur. Weiter ist es mir wichtig, den Dialog mit den Gemeinden zu fördern und diese zu animieren, in ihr kulturelles Netzwerk zu investieren. Hier sehe ich im Kanton Zug noch Ausbaupotenzial.

«In Zug wird nicht mit dieser ganz grossen Kelle angerichtet. Es ist hier alles kleiner.»

Vergleichen Sie die Kultur im Kanton Zug mit der im Kanton Luzern. Wo sind da die Unterschiede?

Die Unterschiede sehe ich besonders in der Grösse des Kantons und der Infrastruktur der Stadt Luzern. Da steht die Hochschule, das KKL Luzern, das Luzerner Theater, der Sedel, Südpol und andere grosse und kleinere Institutionen. Veranstaltungen wie das Blue Balls Festival oder das Lucerne Festival sind in Luzern durchführbar. In Zug wird nicht mit dieser ganz grossen Kelle angerichtet. Es ist hier alles kleiner, was aber nicht heissen soll, dass die Qualität auch kleiner wäre – diese muss sich hinter Luzern nicht verstecken.

Als Luzerner könnte man frech meinen, was gibt es da in Zug schon zu leiten. So viel gibt es ja da gar nicht. Was entgegnen Sie dieser Aussage?

Die Grösse des Kantons ist nicht ausschlaggebend für das Arbeitsvolumen. Der Kanton Zug ist zwar klein, doch sehr vielfältig. Dank der kleinen Kantonsgrösse sind wir nah am Puls, haben kurze Behördenwege und können das Geschehen aktiv mitgestalten. Die Festigung und der Ausbau des kulturellen Netzwerkes, sprich die Förderung des Dialoges zwischen den einzelnen Playern der Zuger Kultur, die Förderung der bestehenden Institutionen, die Bearbeitung der Gesuche und die Wahrnehmung aller anderen Aufgaben unseres Amtes geben ausreichlich Arbeit her.

«Doch die wirklichen Leuchttürme sind ihre ‹Wärterinnen und Wärter›, all jene die sich in den kulturellen Institutionen, Projekten und Vereinen engagieren.»

Welches sind für Sie die kulturellen Leuchttürme im Kanton Zug?

Als Erstes ist für mich der Kanton Zug selber ein Leuchtturm. Mit seinen elf Gemeinden ist er schon fast einmalig klein. Das ist für mich eine ganz besondere Eigenheit und auch eine Chance, die wir zugunsten der Förderung des kulturellen Netzwerkes nutzen können. Herausragende Zuger Künstlerinnen und Künstler, Schauspieler, Autorinnen, Filmemacher und Musikerinnen leuchten über Zug hinaus. Die verschiedenen Festivals, wie das Kinder- und Jugendliteraturfestival Abraxas, die Jazz Night Zug, das internationale Akkordeonfestival Zug, das Open Air Rock the Docks, Sommerklänge und weitere Festivals in den Bereichen Tanz, Literatur und Musik sind Leuchttürme. Dann folgen natürlich die grösseren Institutionen wie das Theater Casino Zug, das Kunsthaus Zug, die Burg Zug, der Burgbachkeller, die Galvanik, die Chollerhalle, die industrie45 mit RadioIndustrie, die Animation Schulmusik und das Kantonale Museum für Urgeschichte(n), welches pro Jahr 260 Schulklassen und tausende von Interessierten anzieht. Die kantonale Vergabe mehrmonatiger Atelierstipendien in Berlin und New York und des ortsunabhängigen Atelier Flex bilden weitere Leuchttürme. Doch die wirklichen Leuchttürme sind ihre «Wärterinnen und Wärter», all jene die sich in den kulturellen Institutionen, Projekten und Vereinen engagieren.

Wie verhält es sich mit der Kulturförderung im Kanton Zug. Werden der Kultur genügend Mittel zur Verfügung gestellt?

Der Förderung der Kultur und der Künste können eigentlich nie genügend Mittel zur Verfügung gestellt werden, der Kulturbetrieb spielt zum Teil in engen Bandagen. Im nationalen Vergleich liegen wir mit pro Kopf Ausgaben von 179 Franken unter dem Schweizerischen Durchschnitt von 224 Franken. Trotzdem ist die Wirkung der eingesetzten Mittel gross und wenn wir klagen täten, dann auf hohem Niveau. Natürlich mussten auch wir jüngst eine Kürzung des Beitrages an das Kunsthaus verkraften, doch das sind politische Prozesse, denen man sich immer und immer wieder stellen muss.

Aldo Caviezel

Aldo Caviezel ist dreiundvierzigjährig, verheiratet, Vater und wohnt in Unterägeri. Nach einer Ausbildung am hiesigen Lehrerseminar St. Michael engagierte sich Aldo Caviezel bald auf allen Ebenen der Kultur. So spielt Caviezel heute Gitarre bei «Humanoids», der Nachfolgeband von «Jimmy Bastard», mit der er 1995 den Kulturförderpreis des Kantons Zug erhielt.

Von 2003 bis 2005 absolvierte er zudem das Masterprogramm Kulturmanagement der Universität Basel, in seiner Diplomarbeit befasste er sich mit der Frage nach der optimalen Organisationsstruktur für Kulturbetriebe.

Vor seinem Stellenantritt war Aldo Caviezel seit 2006 Kulturbeauftragter der Gemeinde Thalwil und Leiter der Fachstelle Kultur Thalwil, die er auch aufgebaut hat.

Welches sind die grössten anstehenden Projekte im kantonalen Amt für Kultur?

Als Erstes fällt mir hier das Theilerhaus ein. Die Regierung hat dieses Projekt in seine Legislaturziele aufgenommen, aber da das Haus Teil eines grösseren Bebauungsplanes ist, kann in dieser Sache nicht schneller vorangegangen werden. Vielleicht wäre das Theilerhaus schon in der Bauphase oder sogar schon eröffnet, wenn es für sich selber stehen würde. So muss jetzt aber erst das gesamte Projekt geplant werden, bis auch das Theilerhaus in Angriff genommen werden kann. Ein für die Kunstwelt wichtiger Meilenstein wird der Neubau Zuger Kunsthaus auf dem Areal des alten Kantonsspitals am See sein.

Was genau ist geplant im Theilerhaus?

Das vorliegende Nutzungskonzept sieht nebst einem Gastronomiebetrieb einen Veranstaltungsraum für Lesungen, Performances und andere kulturelle Interventionen vor. Dieser Raum soll auch Vereinen und anderen Institutionen offen stehen. Ausserdem ist vorgesehen, einen Stock der Zuger Industriegeschichte zu widmen. Das Theilerhaus als erstes Gebäude des Unternehmens Landis&Gyr steht für eine lange Tradition der Zuger Industrie. Die im Jahre 1971 daraus entstandene Kulturstiftung Landis&Gyr ist ein für Zug wichtiger privater Player in der Kulturförderung. Dass der industriehistorische Bezug auch seinen Platz im Theilerhaus erhält, ist durchaus gerechtfertigt. Die geplanten Ateliers im Dachstock runden den Nutzungsmix ab. So oder so ist das Theilerhaus eine einmalige Chance: Es wird zwischen einem Schulhaus mit vielen Menschen und dem Museum für Urgeschichte(n) zu stehen kommen. Es kann ein Treffpunkt für Kulturschaffende und Veranstaltungs- und Tagungsort für Vereine werden, eine Drehscheibe und Kultur-Plattform.

Ist es heute noch so, dass die Wirtschaft die Kultur mitfördert?

Die traditionellen Unternehmen engagieren sich immer noch, sei es durch Engagement im Sponsoring oder durch das Führen von Kultur- oder Vergabestiftungen. Aber natürlich sind wir auch für alle neuen Firmen offen, wenn sie sich an der Kulturförderung beteiligen möchten.

Gehen wir ein wenig auf die Sparten ein. Ist so etwas wie eine Tanz-Szene im Kanton Zug vorhanden?

Der zeitgenössische Tanz fristet in der Zentralschweiz ein schwieriges Dasein. Es gibt hier wenig Tanzschaffende, keine Interessensgemeinschaft, wenige, eher kleine oder mittlere Bühnen und dadurch wenig Trainingsmöglichkeiten. Trotzdem lebt die Szene sehr aktiv. Der junge Verein Losgetanzt entwickelt mit Tänzerinnen aus dem Kanton Zug Tanzprojekte im zeitgenössischen und modernen Tanz und gibt jungen Talenten eine Plattform. Mit der Unterstützung des Projektes Tanzzentral fördern die Zentralschweizer Kantone seit zehn Jahren eine Plattform, die in allen Zentralschweizer Kantonen mit Workshops und Aufführungen in Zug und Luzern Nachwuchsförderung betreibt. Auch die Tanzschulen VoiceSteps und tdc dance school / company werden vom Kanton Zug finanziell unterstützt.

Wie sieht es im Bereich Theater aus?

Zug hat eine alte Theatertradition, bereits im Jahr 1672 wurde unter Mitwirkung der halben Stadt ein Zuger Theaterstück vor über 3 000 Zuschauern unter freiem Himmel aufgeführt. Ein festes Theaterlokal wurde dann jedoch erst rund 100 Jahre später eingerichtet. Die Theater- und Musikgesellschaft wurde 1808 aus dem Kreis der Stadtbürgerschaft gegründet. Heute sind der Burgbachkeller Zug und das Theater Casino Zug die professionellen Bühnen im Kanton, welche das Theater pflegen. Nebst den Gastspielen bieten sie auch lokalen Theatervereinen eine Plattform auf professionellem Niveau. Der Kanton Zug hat mit 16 Theatervereinen eine lebendige Theatertradition in der Breite, keine Gemeinde ohne Amateur- oder Volkstheater. Eine festangestellte Theatergruppe jedoch ist momentan in Zug nicht denkbar. Mit dem Kinder- und Jugendtheater Zug und weiteren Theaterangeboten für unsere Kinder hat der Kanton Zug auch eine gesicherte Nachwuchsförderung.

Speziell ist der Bereich Film, wo man je nach Kanton unterschiedlichste Fördermodelle vorfindet. Wie steht es um den Film im Kanton Zug?

Im Bereich Film haben wir in Zug einige hervorragende Künstler. Die Sache im Film ist, dass es halt eine relativ kostspielige Sparte ist, darum macht die gemeinsame Förderung in Zusammenarbeit mit den Zentralschweizer Kantonen Sinn. Im Auftrag der Kantone beurteilt die Innerschweizer Filmfachgruppe IFFG die Fördergesuche von professionellen Filmschaffenden. Wir sind mit einer Fachperson in der IFFG vertreten und erarbeiten aktuell gemeinsame Förderrichtlinien, um das Filmschaffen in der Region weiter zu stärken.

«Anders als in Luzern fehlt es an gewachsenen, stabilen Treffpunkten, wie zum Beispiel das Musik- und Atelierzentrum Sedel in Luzern mit 54 Proberäumen.»

Sie selbst sind Musiker. Wie sieht es da aus? Gibt es eine Zuger Musik-Szene?

Die gibt es und sie ist über viele Genres hinweg sehr aktiv. Mir scheint jedoch, dass sie nicht mehr so vernetzt ist, wie sie es einmal war, sie ist eher verstreut und funktioniert in kleinen, einzelnen Systemen, die wenige Berührungspunkte aufweisen. Vielleicht liegt das auch an der Infrastruktur, dass sich die Szene zersplitterte, denn die alten Treffpunkte gibt es entweder nicht mehr oder änderten ihre Konzepte. Anders als in Luzern fehlt es an gewachsenen, stabilen Treffpunkten, wie zum Beispiel das Musik- und Atelierzentrum Sedel in Luzern mit 54 Proberäumen. Die industrie45 oder die Galvanik bieten der Szene einen zuverlässigen Hafen, doch die elf Proberäume der Galvanik und die drei der i45 vermögen nur einen Bruchteil des bestehenden Raumbedürfnisses der Zuger Musikszene aufzufangen. Auch interdisziplinäre Kulturprojekte mit vernetzendem Charakter, wie zum Beispiel das Fussball-Kultur Happening kick’n’rush in Luzern, fehlen in Zug.

Themawechsel. Welchen Einfluss haben eigentlich die Expats auf die Kultur im Kanton Zug?

Die Zuger Expats-Situation ist offenkundig sehr speziell und eine Realität, der wir uns stellen müssen. Ich sehe das bei mir selber: Viele Bekannte sind aus Zug weggezogen, weil sie sich mit dem Umfeld nicht mehr identifizieren konnten, oder sich dieses nicht mehr leisten konnten. Dies führt dann auch zu einem Identitätsverlust bei denjenigen, die hier bleiben. Die Partizipation am kulturellen Leben durch Expats ist ein grosses Ziel, doch Integration benötigt Anstrengungen beider Seiten. So spielen viele Aspekte in diese Problematik: Erreicht das bestehende kulturelle Angebot unsere Expats oder nicht? Wollen sie sich verwurzeln oder rechnen sie damit, in wenigen Jahren bereits einen neuen Arbeitsort in einem anderen Land zu haben? Wie hoch stehen die Chancen, dass ihr kultureller Input in Zug Anschluss findet? Der Herausforderung, ein kulturelles Angebot für Expats anzubieten, stellen sich einige Veranstalter in Zug erfolgreich. Nach diesem ersten Schritt wäre es an der Zeit, die eher voneinander getrennten Netzwerke zusammenzubringen. Unter anderem werden auch die Aufführungen der English Theatre Group of Zug durch den Kanton finanziell unterstützt.

Bietet vielleicht gerade die Kultur die beste Chance, die Zuger und Expats näher zu bringen?

Für das kulturelle Netzwerk des Kantons ist der Input, welchen unsere Expats durch ihre aktive Mitgestaltung einbringen können, sehr wertvoll. Auch hier bietet sich die Kultur als perfekte Vermittlerin an und kann gesellschaftliche Prozesse beschleunigen.

Hohe Wohnungsmieten, viele Bürogebäude, noch mehr Briefkästen und eine klare wirtschaftliche Orientierung. Hat es da überhaupt noch Platz für Kultur?

Ich kann das als in der Stadt Zug Aufgewachsener von mir selber aus beantworten: Ich hätte meine Musik auch dann gemacht, wenn hier statt Händler und Bankern ausschliesslich Bauern oder Lokführer gelebt hätten. Ich hatte und habe das in mir, egal was um mich herum geschieht. Von daher hat es bestimmt überall und immer Platz für Kultur. Natürlich beeinflusst uns die Umwelt, zum Beispiel hätte ich mich nicht so intensiv für Freiräume eingesetzt, wenn diese ausreichlich vorhanden gewesen wären.

Der Kanton Zug hat es nicht ganz einfach, sich zwischen den kulturellen Einzugsgebieten Luzern und Zürich zu positionieren. Wie gehen Sie damit um?

Dass Luzern eine grosse, Zürich eine enorme Strahlkraft hat, ist offensichtlich. Dass wir im Sandwich stecken, spüren wir. An einem Samstagabend sieht man eher wenig junge Leute in der Stadt Zug. Viele gehen eben nach Luzern oder Zürich. Das ist schade, denn gerade die Jungen geben einer Stadt ein Ausgangsgesicht. Andererseits: Was ist ein Sandwich ohne Fleisch oder Käse dazwischen? Eigentlich nur noch ein Stück Brot. Wir müssen uns dieser Tatsache auch stellen. Die Gesellschaft hat sich durch die wachsende Mobilität verändert und es gilt auch, darauf ein Stück weit zu reagieren. Diese Situation kann unsere Institutionen, Veranstalter und Vermittler auch positiv herausfordern, das Spezielle anzubieten. Wir müssen auch mehr zu unseren Inhalten stehen und uns nicht selber klein machen, Jammern bringt uns nicht weiter. Zug sieht sich als Ergänzung zu den Angeboten in den beiden Kulturmetropolen in der Nachbarschaft, nicht als Konkurrenz.

Arbeiten Sie mit den Städten Luzern und Zürich zusammen?

Der Austausch ist im Rahmen der Kulturbeauftragtenkonferenz auf kantonaler Ebene gegeben und der kulturpolitische Austausch findet statt.

«Es ist nicht nur Aufgabe der Kultur, eine Altstadt zu beleben.»

Es ist zwar eher eine Angelegenheit der Stadt Zug, aber Ihre Meinung interessiert uns trotzdem: Inwiefern könnte die Kultur helfen, die doch eher ruhige bis tote Zuger Altstadt zu beleben?

(Caviezel seufzt das erste Mal, setzt seine Brille ab und vergräbt sein Gesicht in seinen Händen)

Es ist nicht nur Aufgabe der Kultur, eine Altstadt zu beleben. Doch ja, die Zuger Altstadt ist sehr ruhig. Sie wurde zwar sehr schön renoviert, aber oft erinnert sie mich an Entenhausen. Trotz interessanten Galerien, ausgewählten Geschäften und Lokalen bleibt leider das pralle Leben vor der alten Stadtmauer stehen, das ist auch für das Gewerbe der Zuger Altstadt keine einfache Situation. Es gibt sie, die jährlichen Anlässe, wie die etablierte Jazz Night oder das sympathische Obergassenfest und die Konzerte im Rathauskeller. Auch bestehen bereits lobenswerte Veranstaltungen wie die städtischen soziokulturellen Angebote und Kunstaktionen in der Ankenwaage, der Chriesi-Sturm, die Märkte oder die Zuger Bräuche Greth Schell und Chröpfelimee.

Eine provokative Frage: Lässt sich der Stellenwert der Kultur mit dem Leben in der Zuger Altstadt vergleichen?

Nicht unbedingt, doch gewisse Parallelen sind auszumachen, denn Vieles gibt es in der Zuger Altstadt zu entdecken, auch wenn es nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Ein wichtiger Bestandteil der Kultur ist, sie auch sichtbar zu machen. Auch die Altstadt hat bereits einen kulturellen Output, eine hohe Qualität des Gewerbes und viel Potenzial. Die Kulturschaffenden, Gruppierungen, Vereine, Veranstalter und Institutionen erreichen das Ziel des Wahrgenommenwerdens in einem kleinen Kanton wie Zug am besten gemeinsam. Vernetzung baut Schwellen ab und schafft Nähe. Je vernetzter die Akteure und ihre Vorhaben sind, je sichtbarer und greifbarer die Kultur wird, desto höher wird auch ihr Stellenwert sein.

Was wünschen Sie sich für die Kultur im Kanton Zug?

Dass sie neugierig bleibt und sich den gesellschaftlichen Veränderungen konstruktiv stellt und sie mitgestaltet.

Leitende in Kulturämtern sind oft sehr lange im Amt. Werden Sie nun auch zum Sesselkleber?

Ich habe zum Glück ein Stehpult. Im Ernst: Ich habe mir ein Jahr gegeben, um mich überhaupt einzuarbeiten. Was danach kommt, kann ich nicht sagen. Es ist aber so, dass ich diese Aufgaben auch wahrgenommen habe, weil ich mich mit Zug verbunden fühle. Es ist mein Zuhause, meine Identität. Daher kann ich mir schon vorstellen, für längere Zeit Gefallen an dieser Aufgabe zu finden.

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