Zug in der Zeitmaschine – so sieht es nächste Saison ohne Hofmann aus
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EVZ-Powerflügel Carl Klingberg (vorne) entschied die Partie mit einem Energieanfall gegen Lugano (hinten Goalie Niklas Schlegel). (Bild: Patrick Straub/freshfocus)

Wie eine Suppe ohne Salz Zug in der Zeitmaschine – so sieht es nächste Saison ohne Hofmann aus

4 min Lesezeit 16.02.2021, 05:00 Uhr

Sechs Wochen wird er fehlen, der EVZ-Topskorer Grégory Hofmann. Es ist ein Vorgeschmack auf das, was nächste Saison Tatsache werden könnte. Im ersten Spiel ohne den 28-Jährigen rangen die Zuger den HC Lugano zwar 3:2 nach Verlängerung nieder – aber den Angriffsbemühungen des EV Zug fehlte das Unberechenbare.

In diesen Tagen machen jene Stürmer, die nächste Saison zum aktuellen Leader der National League stossen, von sich reden. Aber auch jener, dessen Abgang in die National Hockey League (NHL) immer wahrscheinlicher wird.

EVZ-Neuverpflichtung Fabrice Herzog, derzeit noch in Davoser Diensten, machte am Sonntag mit einem hässlichen Check gegen den Kopf von SCB-Verteidiger Eric Blum von sich reden. Ihm droht eine lange Sperre.

Am Montagabend zeigte sich Reto Suri, der ab nächster Saison ebenfalls zum EVZ zurückkehren wird, von seiner unzimperlichen Seite. Luganos Angreifer checkte seinen künftigen Teamkollegen Nico Gross gegen den Kopf und wurde im ersten Drittel mit einer Fünf-Minuten- plus Spieldauer-Disziplinarstrafe unter die Dusche geschickt.

Zweitbester Skorer der Liga fällt aus

Zugs Goalgetter Grégory Hofmann zog sich am Sonntag beim 4:2-Sieg in Langnau eine happige Verletzung im Oberkörperbereich zu. Die EVZ-Verantwortlichen rechnen damit, den Stürmer erst kurz vor Playoff-Beginn wieder einsetzen zu können.

Es wäre quasi sein letzter Tango vor dem sich immer mehr abzeichnenden NHL-Transfer. Die Columbus Blue Jackets, die bereits den ebenfalls verletzten EVZ-Stürmer Calvin Thürkauf unter Vertrag haben, sicherten sich kürzlich die Rechte an Hofmann.

Darum wähnt man den EV Zug grad in einer Zeitmaschine. Er kann und muss sich dieser Tage und Wochen wohl oder übel daran gewöhnen, wie es sich nächste Saison ohne die Torproduktion des zweitbesten Skorers in der Liga anfühlen wird. Mit 1,15 Punkten pro Spiel (17 Tore und 21 Assists in 33 Spielen) rangiert Grégory Hofmann knapp hinter Servettes Schweden Linus Omark (1,17 Punkte pro Spiel).

Wenn Klingberg den Hofmann macht

Selbstredend, dass der EV Zug den Ausfall seines bislang besten Punktesammlers nicht kompensieren kann. Ohne Hofmann in der Aufstellung leidet die offensive Feuerkraft, das Überraschungsmoment und bisweilen auch der Punch in den Angriffsbemühungen.

Es ist den Zugern aber zugute zu halten, dass sie gegen Lugano, das acht der letzten neun Meisterschaftsspiele gewonnen hat, das Beste aus der Situation herausholten. Mit einem besseren Powerplay hätten sie die Partie schon in der regulären Spielzeit für sich entscheiden können.

«Carl Klingberg machte ein grosses Spiel.»

EVZ-Trainer Dan Tangnes

Stattdessen machte Carl Klingberg in der zweiten Minute der Verlängerung den Hofmann. Mit einem Energieanfall tankte er sich bis vors Tor durch, so dass es für Nick Shore ein Leichtes war, das siegbringende 3:2 zu bewerkstelligen.

«Carl Klingberg machte ein grosses Spiel», lobte Zug-Trainer Dan Tangnes den schwedischen Powerflügel, der sich von einem persönlich kargen Saisonstart nicht unterkriegen liess.

Bärtschi wäre eine verlockende Perspektive

Der Ausfall von Hofmann spedierte Tangnes keinesfalls ins Jammertal. Stattdessen sagte er das, was viele seiner Trainerkollegen in einer solchen Situation auch sagen würden: «Das ist die Chance für junge Spieler, in die Bresche zu springen.»

Oder für Arrivierte wie Lino Martschini. Der EVZ-Topskorer früherer Jahre ist nach einer Adduktoren-Operation im Sommer in eine Schaffenskrise gerutscht. Am Sonntag in Langnau schoss der 28-jährige Flügel sein erst zweites Tor in seinem 33. Saisonspiel (bei 15 Assists). «Mir gefällt seine aktive Spielweise», pushte ihn Tangnes.

Um einem Missverständnis im Hinblick auf nächste Saison vorzubeugen: Mit Fabrice Herzog (15 Tore und 10 Assists in 27 Spielen) und Reto Suri (4 Tore und 7 Assists in 33 Spielen) holt der EVZ zwei Flügel mit ausgewiesenen Torjäger-Qualitäten zurück.

Falls Grégory Hofmann tatsächlich nach Nordamerika ziehen sollte, wird eine schöne Lohnsumme frei. Die könnte EVZ-Sportchef Reto Kläy in den Schweizer NHL-Stürmer Sven Bärtschi (66 Tore und 72 Assists in 291 Spielen), der bei Vancouver hartes Brot isst und einen zum Saisonende auslaufenden Vertrag besitzt, investieren. Die beiden verbindet seit ihren gemeinsamen Zeiten bei Langenthal eine Freundschaft.

Bärtschi für Hofmann – das wäre durchaus eine verlockende Perspektive.

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